Globale Wirtschaftseliten trauen
 Österreich Trendwende nicht zu

 

erstellt am
05. 03. 15
11.00 MEZ

Österreichs Unternehmen beweisen Leadership: Sie machen die mangelnde Strategie in der Standortpolitik durch verstärkte Eigeninitiative wett
Wien (deloitte) - Der Deloitte.Radar - eine Studie zur Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Österreich wurde heuer zum zweiten Mal erstellt. Das Gesamtergebnis ist besorgniserregend: Der Index über die sieben bewerteten Standortfaktoren ist von 3,14 im Vorjahr auf 3,00 von fünf Punkten gesunken. Hintergrund ist das mangelnde Vertrauen der Wirtschaftseliten in die Qualitäten des Standorts. Dieses ist auf die vielen ungelösten Probleme zurückzuführen, auf die Deloitte schon in der ersten Ausgabe des Radars aufmerksam gemacht hat. Bernhard Gröhs, Managing Partner von Deloitte Österreich, fordert daher einen breiten Schulterschluss von Politik, Wirtschaft, Meinungsbildnern und der Bevölkerung, um dafür zu sorgen, dass dem Standort wieder mehr zugetraut wird.

Negativtrend bei drei von sieben Standortfaktoren
Auch heuer hat Deloitte internationale Studien und Standort-Rankings - etwa den Global Competitiveness Index des World Economic Forum, den World Competitiveness Index des International Institute for Management Development oder den Better Life Index der OECD -analysiert. Das Ergebnis: Der Abwärtstrend hält weiter an. Während Österreich 2011 noch in allen relevanten Standort-Rankings unter den Top 20 rangierte, ist dies 2014 nur mehr bei zwei der fünf Indizes der Fall.

Die Resultate aus den internationalen Rankings wurden mit eigenen Studien sowie der Erfahrung aus der Beratungsarbeit für 5.000 Kunden aus allen Branchen zusammengeführt und für die Bewertung von sieben relevanten Standortfaktoren herangezogen. Positiv schneidet Österreich derzeit noch in den Bereichen Innovation, Forschung und Technologie (4 von 5 Punkten), Unternehmensinfrastruktur und Umfeld (4 von 5 Punkten) sowie Lebensqualität (5 von 5 Punkten) ab. Das Gesamtergebnis spricht aber eine klare Sprache. Bei der "Verfügbarkeit von Arbeitskräften" sehen die Experten aufgrund des ausgeprägten Fachkräftemangels, einer steigenden Jugendarbeitslosigkeit und der nicht ausreichenden Beteiligung von Frauen und älteren Erwerbstätigen eine deutliche Verschlechterung. Problematisch werden auch die Staatsverschuldung, die hohe Abgabenquote, der Reformstau und die Zurückhaltung bei zukunftsweisenden Investitionen bewertet. Wenn der derzeitige Trend anhält, ist somit auch im "Politischen und Makroökonomischen Umfeld" sowie in der "Lebensqualität" mit einer negativen Entwicklung zu rechnen. "Österreich hat noch alle Voraussetzungen, um in der Oberliga mitzuspielen. Wenn wir uns mit dem Mittelmaß zufrieden geben und verwalten statt gestalten, kann uns aber auch ein weiterer Abstieg passieren", meint Univ.-Prof. Josef Schuch, Partner Deloitte Österreich.

Unternehmen und Zivilgesellschaft leisten ihren Beitrag
"Wir fordern seit Jahren einen wirtschaftspolitischen Masterplan für unser Land. Der Staat muss effizienter werden und deutlich mehr in die Zukunft investieren. Damit meinen wir nicht nur verbesserte Rahmenbedingungen für die Wirtschaft, sondern auch die Förderung eines Mindsets, das durch Eigeninitiative und unternehmerisches Denken gekennzeichnet ist - mehr Leadership im öffentlichen Bereich", so Bernhard Gröhs. Während es andere Länder verstanden haben, mit den durch Globalisierung und Digitalisierung geänderten Bedingungen umzugehen, hat Österreichs Standortpolitik unübersehbaren Nachholbedarf, der weit über eine Steuerreform und die dringend nötige Senkung der Abgabenquote hinausgeht. Viele große Reformthemen - von der Bildung bis zur Verwaltung - werden nicht angegangen, weil sich die Verantwortlichen in ideologischen Positionen einzementiert haben. "Gleichzeitig arbeiten viele österreichische Unternehmen und zivilgesellschaftliche Initiativen jeden Tag an der Zukunft. Und wir sehen am Beispiel überaus erfolgreicher österreichischer Start-ups, dass es insbesondere darauf ankommt, sich selbst etwas zuzutrauen und Initiative zu zeigen. Solange es keinen Masterplan gibt, können wir nur mit gezielten Einzelmaßnahmen einen Beitrag leisten", so Gröhs.

Wandel beginnt in den Köpfen der Menschen
"Angesichts der steigendenden Arbeitslosigkeit und des Mangels an topqualifizierten Arbeitskräften kommt der Bildung mehr Bedeutung zu denn je. Es gibt eine Vielzahl privater Initiativen, die vorzeigen, was möglich ist, aber sie alleine können das Manko nicht ausgleichen", so Dr. Gundi Wentner, Partnerin Deloitte Österreich. "Eine Bildungsreform, die diesen Namen auch verdient, setzt nicht nur bei formalen Qualifikationen an, die die Menschen heutzutage brauchen, sondern vermittelt auch das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten und das Wissen, Dinge gestalten zu können." Neben einem Bildungssystem, das auf lebenslanges Lernen ausgelegt ist, braucht es eine offene Kultur, die Diversity fördert, die älteren und jungen Arbeitnehmern attraktive Jobmodelle bietet und Österreich international als Land positioniert, das qualifizierte Arbeitskräfte und Investoren aus dem Ausland anzieht.

Drei Kernelemente der Trendwende
"Der von Deloitte im Vorjahr geforderte Reset ist möglich, aber wir dürfen nicht mehr lange warten. Dabei kommt es auf drei Dinge an: Das schon angesprochene Mindset für unternehmerisches Denken und Handeln, Innovationsgeist sowie die entsprechende Aus- und Weiterbildung. Als eines der größten Beratungsunternehmen des Landes will Deloitte eine Rolle als Impulsgeber wahrnehmen, der sein Know-how einbringt, positive Beispiele vor den Vorhang holt und zur Nachahmung empfiehlt. "Wir werden den Schulterschluss mit allen suchen, die das mittragen", stellt Gröhs abschließend fest.

 

 

 

Allgemeine Informationen:
http://www.deloitte.at

 

 

 

 

 

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