Nachhaltige Erholung verschiebt sich

 

erstellt am
28. 03. 15
11.00 MEZ

Industrieproduktion wächst 2015 unter zwei Prozent – Die Industrieproduktion wuchs 2014 mit 1 Prozent nur gering
Wien (bank austria) - Österreichs Wirtschaft kommt nach der leichten Aufhellung des Konjunkturklimas zur Jahreswende vorerst nicht vom Fleck. „Aktuelle Konjunkturumfragen bestätigen, dass sich die Wirtschaftserholung zumindest in die zweite Jahreshälfte 2015 verschieben wird. Aus den Reihen der industriellen Schwergewichte kommen die Wachstumsimpulse im Wesentlichen von der Fahrzeugerzeugung und der Elektroindustrie“, fasst Stefan Bruckbauer, Chefvolkswirt der Bank Austria den aktuellen Branchenüberblick zusammen.

Industrieaufschwung verschiebt sich auf 2016
Österreichs Industrie hat 2014 mit dem Produktionsplus von 1 Prozent das dritte Jahr in Folge seinen Wachstumspfad der letzten zwanzig Jahre, von durchschnittlich 3,5 Prozent im Jahr, weit verfehlt. Voraussichtlich wird der Sektor 2015 zwar wieder an Tempo zulegen, letztlich aber das langfristige Ergebnis wieder nicht erreichen können, da die Industriekonjunktur weiterhin unter fehlenden Exportaufträgen und der schwachen Investitionsnachfrage im Inland leidet. Im Februar 2015 signalisierten die wachsende Zahl pessimistischer Unternehmensstimmen ebenso wie der Konjunkturindikator der Bank Austria, dass sich die Erholung des Sektors zumindest in die zweite Jahreshälfte verschiebt. Vorausgesetzt die Wachstumsprognosen für die wichtigen Absatzmärkte der österreichischen Industrie halten, sollte die Produktionsleistung des Sektors 2015 im Vergleich zum Vorjahr um etwa 1,7 Prozent zulegen.

Stärkere Wachstumsimpulse im Bereich von 4 Prozent kommen einmal mehr von der Fahrzeugerzeugung und der Elektroindustrie. Diese Industrieschwergewichte tragen in Summe 22 Prozent zur Sektorwertschöpfung bei. Bank Austria Ökonom Günter Wolf erwartet, dass „die heimische Fahrzeugerzeugung ihre Position an der Wachstumsspitze der österreichischen Industrie 2015 mit der Elektroindustrie teilen wird, auch wenn der Anteil optimistischer Produktionserwartungen Anfang des Jahres in beiden Branchen gesunken ist.“

Darüber hinaus können Österreichs Maschinenbauer 2015 wieder einen Wachstumsvorsprung zum Industriedurchschnitt aufbauen. Aber noch fehlen der Branche stärkere Impulse von den Investitionsgütermärkten. Dazu Wolf: „Wie die Auftragsrückgänge der Maschinenbauer in den letzten Monaten vermuten lassen, ist trotz der günstigen Rahmenbedingungen, den niedrigen Zinsen und Rohstoffpreisen und dem vorteilhaften Wechselkurs, die Investitionsbereitschaft im Inland wie in wichtigen europäischen Absatzmärkten noch nicht gestiegen. Entsprechend vorsichtig sind die Produktionserwartungen der Unternehmen in den ersten Monaten 2015. Unter der Annahme, dass das Unternehmensvertrauen auf europäischer Ebene weiter steigt, werden aber spätestens im zweiten Halbjahr 2015 die seit Jahren aufgestauten Investitionspläne zumindest teilweise umgesetzt werden.“

Eine weitere zentrale Industriebranche, die Nahrungsmittel- und Getränkeerzeugung, verbuchte 2014 noch ein überdurchschnittliches Produktionswachstum von 1,6 Prozent. Ein Ergebnis, dass die Branche 2015 aufgrund der Konjunkturschwäche, vor allem in Österreich selbst, voraussichtlich nicht mehr erreichen wird können. Grundsätzlich bleibt aber die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie, die noch 2014 ihre Beschäftigung um 1,3 Prozent aufstockte, ein wichtiger, vor allem stabiler industrieller Arbeitgeber in Österreich.

Baukonjunktur verliert 2014 erheblich an Schwung
Die Baukonjunktur hat im Lauf von 2014 erheblich an Schwung verloren. Unterstützt vom Tiefbau war zwar noch ein Umsatzplus von 1,4 Prozent nominell möglich, preisbereinigt ist der Branchenumsatz aber leicht gesunken. Auch die kurzfristigen Aussichten der Bauwirtschaft haben sich nicht verbessert. Zur Jahreswende 2014/2015 sind die Auftragseingänge der Branche gesunken und es wurden Arbeitsplätze abgebaut. Entsprechend den pessimistischen Einschätzungen der Unternehmen im Jänner und Februar 2015 ist in den nächsten Monaten mit weiter rückläufigen Produktionsergebnissen zu rechnen.

Der Hochbau beendete 2014 mit einem Umsatzminus von 1 Prozent nominell. Die Rückgänge wurden im Wesentlichen im Industriebau, zum Teil im Wohnbau und gegen Jahresende auch im Wirtschaftsbau verzeichnet. Aktuell sind die Wohnbau-Aussichten für 2015 auf jeden Fall günstiger als für den Nicht-Wohnbau. Dafür sprechen steigende Baugenehmigungen in der zweiten Jahreshälfte des Vorjahres, die Ankündigung weiterer öffentlicher Investitionen im Wohnbau und die attraktiven Finanzierungsbedingungen. Hingegen kann die Bauwirtschaft vom Unternehmenssektor 2015 kaum Impulse erwarten.

Wesentliche Stütze der Baukonjunktur war 2014 der Tiefbau mit einem nominellen Umsatzwachstum von rund 9 Prozent. Gegen Ende 2014 kündigten stark rückläufige Bauaufträge in der Sparte eine Abkühlung der Tiefbaukonjunktur an, die Anfang 2015 auch eintrat. Zudem sind die Einschätzungen der Unternehmen in den letzten Monaten sukzessive pessimistischer geworden. Das bedeutet, dass mit einer Stabilisierung und weiteren Zuwächsen der Tiefbauproduktion erst im Lauf des Jahres gerechnet werden kann. Das Ausmaß der Erholung wird zum Teil auch davon abhängen, in welchem Umfang mögliche Spin-Off-Effekte der Umsetzung der Investitionspläne auf EU-Ebene der Finanzierung von Infrastrukturprojekten auf nationaler Ebene zugute kommen.

Stagnierende Konsumnachfrage bremst Handel
Die stagnierende Konsumnachfrage bremste 2014 den Einzelhandel und noch stärker den Kfz-Handel. Zudem litten der Autohandel und Teile des Großhandels unter der schwachen Investitions- und Industrieentwicklung. Die Einzelhandelskonjunktur hat sich erst gegen Jahresende gefestigt, womit im Jahresdurchschnitt noch ein geringes Umsatzplus von 1,1 Prozent nominell und 0,4 Prozent real möglich war. Im Einzelhandel sind stärkere Zuwächse auch 2015 unwahrscheinlich, da sich die Konsumnachfrage voraussichtlich nur wenig erholt – das heißt, dass das Konsumausgabenwachstum unter 1 Prozent real bleiben wird. Das laufende Jahr prägen noch angespannte Arbeitsmarktdaten und eine mäßige Einkommensentwicklung. Erst 2016 sollte zumindest die Steuerreform die Kaufkraft und Konsumlaune der Österreicherinnen wieder stärken.

Der Kfz-Handel verbuchte 2014 ein Umsatzminus von 2,3 Prozent nominell und damit das dritte negative Wirtschaftsjahr in Folge. Mit Ausnahme des Motorradhandels endete das Jahr für alle Sparten negativ. Nach den ersten Ergebnissen 2015, die Neuzulassungen sind im Jänner und Februar vor dem Hintergrund hoher Vorziehkäufe im selben Vorjahreszeitraum massiv gesunken, hat sich die Absatzsituation im Fahrzeughandel weiter verschlechtert.

Die Abhängigkeit des Großhandels von der Industrie- beziehungsweise der Exportentwicklung, die 2014 nicht in Schwung kam, verursachte einen Umsatzrückgang von 2,4 Prozent nominell. Überdurchschnittlich hohe Einbußen berichteten der Brennstoff- und Maschinengroßhandel, während der Großteil der Sparten im Handel mit Gebrauchs- und Verbrauchsgütern Umsatzzuwächse erreichte.

Dienstleistungsbranchen fehlt der Schwung
Im Vorjahr konnten sich viele Dienstleistungsbranchen der Konjunkturverlangsamung, vor allem den Auslastungsschwierigkeiten der Industrie und der Exportschwäche nicht entziehen. Der Sektorumsatz ist um geringe 1,2 Prozent nominell gestiegen und damit weit unter dem langfristigen Durchschnitt von über 2 Prozent. „Relativ hohe Umsatzeinbußen erlitten 2014 wirtschaftsnahe Dienstleistungssparten, wie das Verkehrswesen, die Werbung und die Arbeitskräftevermittler, aber auch die Telekomanbieter und die Verlage. Ende 2014 hat die Dienstleistungskonjunktur kurzfristig an Tempo zugelegt, jedoch auch wieder rasch an Schwung verloren, wie die vorsichtigen Geschäftserwartungen im Jänner und Februar 2015 zeigten. Im Lauf von 2015 kann aufgrund der unsicheren Investitions- und Exportnachfrage in den meisten wirtschaftsnahen Dienstleistungssparten mit keiner nennenswerten Erholung gerechnet werden“, analysiert Wolf.

Im Bereich Verkehr ist der Umsatz 2014 mit Ausnahme im Landverkehr in allen Branchen kontinuierlich gesunken. Bei den Anbietern sonstiger Verkehrsdienstleistungen, wie der Lagerei oder Speditionsdiensten, genauso wie bei Kurierdiensten und der Luftfahrt. Der Landverkehr, die anteilsmäßig wichtigste Sparte des Bereichs, profitierte zwar im ersten Halbjahr noch von der lebhaften Baukonjunktur, musste aber im vierten Quartal ebenfalls Umsatzrückgänge verbuchen. Anfang 2015 hat sich die Transportkonjunktur nicht wieder belebt, wie das schwindende Unternehmensvertrauen der letzten Monate erkennen lässt. Die Befragungsergebnisse im Jänner und Februar signalisierten aber zumindest für das zweite Quartal erste Anzeichen einer Erholung der Transportnachfrage und der Nachfrage nach Kurierdiensten.

Das Beherbergungs- und Gaststättenwesen blieb 2014, wie in den drei Jahren davor, die wesentliche Wachstumsstütze des Dienstleistungssektors. Nach einer kurzen Abkühlung der Branchenkonjunktur zur Jahreswende kann der Bereich, entsprechend den mehrheitlich optimistischen Unternehmenseinschätzungen im Februar 2015, seine Spitzenposition in den nächsten Monaten wieder einnehmen. Unter der Voraussetzung, dass sich die Konjunktur in Europa stärker erholt, kann der Bereich das Wachstum auch im weiteren Jahresverlauf verteidigen.

 

 

 

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