Bevölkerung und ihre Wege vor Ort

 

erstellt am
25. 03. 15
11.00 MEZ

Studien zu Gender- und Einkaufsmobilität liefern Grundlage für die Schaffung von autofreien Mobilitätsangeboten im Burgenland
Eisentadt (blms) - Autofreie Mobilität im und um den Wohnort stand im Fokus von zwei im Rahmen der Gesamtverkehrsstrategie vom Land beauftragten Studien, die von Landesrätin Verena Dunst am 24.03. präsentiert wurden. Erstmals wird in der Studie „Die Mobilität von Menschen mit Betreuungsaufgaben im Burgenland“ geschlechterspezifisches Mobilitätsverhalten umfassend untersucht. Nahversorgung und –mobilität in ausgewählten burgenländischen Gemeinden entlang der ungarischen Grenze hat die im Rahmen des EU-Projekts „SmaShMob – Smart Shopping Mobility“ durchgeführte Befragung zum Inhalt. „Wir werden diese Ergebnisse dazu verwenden, maßgeschneiderte Versorgungsangebote für die Bevölkerung zu entwickeln und bestehende Angebote an die spezifischen Bedürfnisse im Einkaufsverkehr und in der Betreuungsmobilität anzupassen“, erklärte Dunst.

Begleitmobilität ist weiblich
Gender Mainstreaming hat die Gleichstellung zwischen den Geschlechtern in allen Bereichen, so auch in der Verkehrspolitik, herzustellen. Diese nimmt jedoch kaum Bedacht auf geschlechterspezifisches Mobilitätsverhalten. „Besonders im Pendlerland Burgenland werden viele Betreuungsaufgaben und Wege – für Kinder, ältere Familienangehörige oder solche mit Behinderungen - von Frauen übernommen. Deshalb wollten wir im Rahmen der Gesamtverkehrsstrategie auch das Thema Personen mit Betreuungsaufgaben näher beleuchten“, erklärte Dunst. Bislang liegt in der Verkehrsplanung nur wenig Wissen über die Mobilität von Menschen mit unbezahlten Betreuungsaufgaben vor. „Die Studie ‚Mobilität von Menschen mit Betreuungsaufgaben im Burgenland‘ schließt diese Wissenslücke“, erklärte Studienautorin Dr. Bente Knoll vom Büro für nachhaltige Kompetenz B-NK GmbH.

Mehr Busverbindungen, bessere Radfahrerinfrastruktur und Ausweitung der Gemeindebusse gewünscht
Einzelinterviews im Raum Eisenstadt und Südburgenland zum Thema „Unterwegs sein im Burgenland“ mit Menschen, die im Alltag unbezahlt Betreuung für andere, wie Kinder, Jugendliche oder auch ältere Menschen, übernehmen, lieferten einen vertieften Blick auf deren Alltagswege oder Begleitwege. Demnach werden im städtischen Bereich die Auswirkungen des motorisierten Individualverkehrs als wesentliche Herausforderungen gesehen und im Südburgenland vorrangig mangelnde kleinräumige öffentliche Verbindungen thematisiert. „Der Faktor Zeit ist dabei ganz wesentlich. Hier gilt es, Schul- oder Kindergartenzeiten mit Öffnungszeiten im Handel und eigenen Arbeitszeiten in Einklang zu bringen“, stellte Knoll fest. Busverbindungen seien in erster Linie auf Pendler und Schüler abgestimmt; gewünscht werden neue bzw. höhere Taktung von bestehenden Verbindungen zwischen kleineren Ortschaften oder Streusiedlungen sowie die Verbesserung der Infrastruktur für Radfahrer und Fußgänger. Als große Qualitätssteigerung wurde durchgehend die Ausweitung des bedarfsorientierten öffentlichen Verkehrs – Gemeindebus – gesehen.

EU-Projekt „SmaShMob – Smart Shopping Mobility“ Grundlage für weiter Maßnahmen
Das Thema Nahversorgung und –mobilität wurde bei der Haushaltsbefragung im Rahmen des EU-Projekts „SmaShMob – Smart Shopping Mobility“ in 14 ausgewählten Gemeinden entlang der gemeinsamen Grenze mit Ungarn - vom Seewinkel bis ins Südburgenland – untersucht. Mehr als 300 Burgenländerinnen und Burgenländer wurden dabei detailliert zu den Bedürfnissen und zum Verkehrsverhalten im Einkaufsverkehr befragt. Fazit: Die Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs ist zufriedenstellend, gewünscht werden auch hier kürzere Intervalle beim öffentlichen Verkehr und der Ausbau bedarfsgesteuerter Mobilitätsangebote wie etwa der Gemeindebusse. Großes Potential gibt es in der Nutzung des Fahrrads für tägliche Besorgungen – Voraussetzung dafür ist die attraktive Distanz zu einem Nahversorger. „Wichtig wäre es aus Sicht der Befragten, sichere Radwege und Radabstellanlagen zur Verfügung zu stellen, um die Nutzung des Fahrrads für die täglichen Erledigungen im Gemeindegebiet zu erleichtern. Darüber hinaus gibt es eine hohe Bereitschaft zur Nutzung von flexiblen, bedarfsgesteuerten Mobilitätsangeboten, Stichwort ‚Mikro-ÖV‘, im Einkaufsverkehr. Mit diesen kurz- und mittelfristig umsetzbaren Maßnahmen kann die Qualität der Nahversorgung und der Nahmobilität auf der lokalen Ebene weiter gesteigert werden“, resümierte Studienautor Mag. Andreas Friedwagner, Verracon GmbH.
Dunst kündigte eine höhere Förderung beim Ankauf von Gemeindebussen im Rahmen der Dorferneuerung an.

Konzepte zur Verbesserung der Nahmobilität
Die Befragungsergebnisse aus der Studie sollen in den Gemeinden präsentiert und dort Handlungsmöglichkeiten und Konzepte zur Verbesserung der Nahmobilität und Nahversorgung in den Gemeinden erarbeitet werden. In den Gemeinden Eisenberg, Deutsch Schützen, Bildein, Eberau und Strem soll es einen Aktionstag „Nahversorgung – Nahmobilität“ geben.

 

 

 

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