Ökonomische Bildung senkt Inflationserwartungen

 

erstellt am
14. 10. 15
09:00 MEZ

In „Inflation aktuell“ wird die jüngste Teuerungsentwicklung analysiert, die künftige Inflation prognostiziert sowie auf aktuelle Spezialthemen näher eingegangen.
Wien (oenb) - Personen mit einem geringeren Bildungsniveau erwarten ebenso wie ältere Personen tendenziell höhere Inflationsraten. Dies zeigen die Ergebnisse einer OeNB-Umfrage, die ein erstes Schwerpunktthema in der aktuellen Ausgabe von „Inflation aktuell“ bilden. Frauen haben im Vergleich zu Männern höhere Inflationserwartungen; vergleichbare Studien führen diesen Unterschied darauf zurück, dass die Preiswahrnehmungen von Frauen sich vor allem an den täglichen Einkäufen orientieren, deren Preisentwicklung in den letzten Jahren überdurchschnittlich war. Befragte, die dem harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) bzw. dem Verbraucherpreisindex (VPI) als Inflationsmaß skeptisch gegenüberstehen, weisen ebenfalls höhere Inflationserwartungen auf. Personen mit höherem ökonomischen Wissen verfügen nicht nur über zutreffendere Wahrnehmungen in Bezug auf die aktuelle Inflation, sondern auch über niedrigere Inflationserwartungen.

Ein zweites Schwerpunktthema setzt den Fokus auf die Preisentwicklung von Finanzdienstleistungen. Demnach haben sich die Preise für Finanzdienstleistungen in Österreich in den vergangenen Jahren weitgehend parallel zum allgemeinen Preisniveau entwickelt. Überdies ist der Inflationsbeitrag von Finanzdienstleistungen wegen ihres geringen Gewichts im HVPI-Warenkorb sehr begrenzt. Die auffällig unterschiedlichen Entwicklungen der letzten Jahre im Bereich der Finanzdienstleistungspreise Österreichs im Vergleich zu Deutschland ist die Folge eines Gerichtsurteils in Deutschland. Dieses zwang die deutschen Banken ab dem Jahr 2011 zur Senkung von Bankomatgebühren. In Österreich hingegen sind Fremdbehebungen bei Bankomaten in den meisten Fällen kostenlos.

Die HVPI-Inflationsrate ist nach einem Anstieg von Jahresbeginn bis August wieder auf 0,9 % gesunken (Quelle: Statistik Austria). Ausschlaggebend für die jüngsten Auf- und Ab-Bewegungen waren in erster Linie Schwankungen der Rohstoffpreise, insbesondere des Ölpreises. Die österreichische Inflationsrate liegt weiter deutlich über dem Euroraumdurchschnitt sowie über der Inflationsrate unseres Haupthandelspartners Deutschland.

Von den Arbeitskosten geht vor allem in den lohnsensitiven Wirtschaftssektoren nach wie vor Preisdruck aus. Da sich das Wachstum der Lohnstückkosten in der Privatwirtschaft im zweiten Quartal 2015 abgeschwächt hat, ist dieser Aufwärtsdruck allerdings zuletzt schwächer geworden. Die Profitspannen der Unternehmen sinken seit 2012 und dämpfen damit die Inflation. Auch die heimische Produktionslücke ist nach wie vor negativ – die Nachfrageseite dämpft somit den Preisauftrieb ebenfalls.

Im Rahmen ihrer vierteljährlichen Inflationsprognose erwartet die OeNB für das gesamte Jahr 2015 eine HVPI-Inflationsrate von durchschnittlich 0,9 %, gefolgt von einem Anstieg auf 1,6 % im Jahr 2016. Die Beschleunigung der Inflationsrate geht in erster Linie auf externe Kostenfaktoren, wie dem erwarteten Wiederanstieg des Ölpreises sowie der Importpreise insgesamt, zurück. Die Mehrwertsteuererhöhung im Rahmen der aktuellen Steuerreform wird die Gesamtinflation in den nächsten beiden Jahren kumuliert um 0,2 Prozentpunkte beschleunigen.

 

 

 

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