Anhaltende Flaute bei Direktinvestitionen

 

erstellt am
20. 10. 15
09:00 MEZ

Österreichs Direktinvestitionen im ersten Halbjahr 2015
Wien (oenb) - Aktivitäten heimischer Banken zur Restrukturierung und Stabilisierung ihrer Beteiligungen in Ost- und Südosteuropa dominierten die aktiven Direktinvestitionen im ersten Halbjahr 2015. Neuengagements finden seit Ausbruch der Wirtschaftskrise vorwiegend anderenorts statt, wie etwa im traditionellen Zielland Deutschland oder auch in China. Zum Wachstum der Direktinvestitionen trugen in hohem Ausmaß auch die nicht ausgeschütteten Gewinne der Beteiligungen im Ausland bei.

Besonders schwach entwickelten sich die passiven Direktinvestitionen: Wie schon im vergangenen Jahr ziehen ausländische Investoren Eigenkapital aus Österreich ab. Auch die Kreditfinanzierung ihrer Töchter in Österreich war in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres rückläufig. Der einzige Wachstumsimpuls kam bisher – dank niedriger Dividenden­ausschüttungen an das Ausland – durch reinvestierte Gewinne.

In den ersten sechs Monaten des Jahres 2015 beliefen sich die aktiven Direktinvestitionen österreichischer Investoren auf 6,4 Mrd EUR. Dieser relativ hohe Wert ist jedoch vorwiegend Ausdruck weitreichender Restrukturierungs- und Sanierungsmaßnahmen des österreichischen Bankensektors in Ost- und Südosteuropa. Größter Einzelfall ist die Bank Austria, die ihren Anteil an der rumänischen „Tiriac“ auf rund 96 % fast verdoppelte. Gleichzeitig musste der rumänischen Volksbank-Tochter Eigenkapital zugeschossen werden, um deren (mittlerweile finalisierten) Verkauf zu ermöglichen. Vom Gesamtwert entfielen 2,5 Mrd EUR auf Eigenkapital und jeweils knapp 2 Mrd EUR auf die Gewährung konzerninterner Kredite bzw. auf reinvestierte Gewinne. Deren Höhe ist die Folge auffallend geringer Dividenden­ausschüttungen. Seit 2011 wurden im ersten Halbjahr stets etwa 5,5 Mrd EUR ausgeschüttet, in der Berichtsperiode waren es jedoch weniger als 4 Mrd EUR.

Rückschließend auf die angeführten Aktivitäten heimischer Banken war Rumänien im ersten Halbjahr 2015 die mit Abstand wichtigste Destination (+1,3 Mrd EUR). Mit Neuinvestitionen von 400 bis 500 Mio EUR folgten Deutschland, die Schweiz, China, die Vereinigten Emirate, die Jungferninseln und Großbritannien als Investitionsziele. Weitere zwölf Länder erhielten mehr als 100 Mio EUR an zusätzlichen Investitionen aus Österreich, darunter waren mit Slowenien, Kroatien, Serbien und der Ukraine jedoch nur vier Länder der Region Zentral-, Ost- und Südosteuropas. Desinvestitionen von mehr als 100 Mio EUR verzeichnete die Statistik der OeNB hingegen in der Slowakei und der Tschechischen Republik. Die seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise des Jahres 2008 beobachtbare Tendenz, wonach sich heimische Investoren aus den Transformationsländern zwar nicht zurückziehen, neue Investitionen aber bevorzugt in anderen Regionen tätigen, setzte sich also auch im ersten Halbjahr 2015 fort.

Im Einklang mit einem generellen Rückgang des Interesses an Direktinvestitionen in Europa entwickelten sich die passiven Direktinvestitionen in Österreich in der ersten Hälfte des laufenden Jahres mit nur 2,9 Mrd EUR äußerst schwach: Ausländische Investoren zogen etwa 150 Mio EUR an Eigenkapital ab, ein Vorgang, der im ersten Halbjahr 2014 zum ersten Mal auftrat. Auch das Volumen der konzerninternen Kredite wurde um 300 Mio EUR zurückgenommen. Das positive Gesamtergebnis beruht daher ausschließlich auf einem Verzicht auf Gewinnausschüttungen: Tatsächlich erhielten ausländische Investoren in der Berichtsperiode weniger als 2 Mrd EUR an Dividenden, das ist um eine Milliarde weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres oder weniger als die Hälfte des ersten Halbjahres 2013. Auf Basis der aktuellen Gewinnschätzungen ergaben sich damit Reinvestitionen in der Höhe von 3,3 Mrd EUR.

Trotz des Ausbleibens großer Direktinvestitionen in Österreich gab es erhebliche regionale Umschichtungen. Ein Beispiel dafür, ist der Verpackungsspezialist „Constantia Flexibles“ des ehemaligen Turnauer-Imperiums, welcher von einem US-Fonds an einen französischen Investor verkauft wurde. Im Zuge des Eigentümerwechsels hat sich die Finanzierungsstruktur hin zu konzernfremdem Kapital verschoben. Weitere bedeutende Mergers & Acquisitions-Deals waren der Verkauf von „Duropack“ an einen britischen Konzern, sowie der Verkauf von „C.A.T. oil“- Anteilen zweier österreichischer Großaktionäre an einen auf den britischen Jungfern-Inseln registrierten Investor.

 

 

 

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