Oberösterreich wird Wachstumsspitzenreiter 2015

 

erstellt am
28. 10. 15
09:00 MEZ

Bank Austria Bundesländer-Konjunkturanalyse: Erholung in Europa sorgte für stärkende Impulse für österreichische Bundesländer im ersten Halbjahr 2015
Wien (bank austria) - Gestützt auf die moderate Belebung der Konjunktur in Europa konnte sich die langsame Erholung der österreichischen Wirtschaft im ersten Halbjahr 2015 fortsetzen. Die stärksten Impulse gingen vom Außenhandel aus. Zwar war angesichts der schwierigen globalen Rahmenbedingungen nur ein schwaches Exportplus zu verzeichnen, aber die Einfuhren entwickelten sich sogar rückläufig. Die hohe Investitionszurückhaltung bremste die Nachfrage nach Importen, und konnte durch das moderate Konsumwachstum bei weitem nicht ausgeglichen werden.

Drei Bundesländer liegen in erster Jahreshälfte über Österreichdurchschnitt
„Im ersten Halbjahr 2015 ist die österreichische Wirtschaft um 0,5 Prozent im Jahresvergleich gewachsen. Oberösterreich, das Burgenland und Salzburg haben sich in dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld überdurchschnittlich gut behaupten können. Tirol, Vorarlberg, die Steiermark und Wien erreichten fast den Österreich-Durchschnitt. Dagegen blieb die wirtschaftliche Entwicklung in Niederösterreich und Kärnten spürbar hinter jener in Gesamtösterreich zurück“, fasst Chefökonom Stefan Bruckbauer die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturanalyse der Bank Austria zur wirtschaftlichen Entwicklung in den österreichischen Bundesländern im ersten Halbjahr 2015 zusammen.

Leichter Rückenwind für die Industrie in erster Jahreshälfte 2015
„Die moderate Konjunkturbelebung in den österreichischen Bundesländern im ersten Halbjahr 2015 ist vor allem dem Aufwind in der Industrie zu verdanken, der in Oberösterreich und dem Burgenland besonders stark war“, analysiert Bruckbauer. Nach einer Stagnation im Jahr 2014 erhöhte sich das Industriewachstum in Österreich in den ersten sechs Monaten auf durchschnittlich 1,5 Prozent im Jahresvergleich. Unterstützt durch die Festigung der Erholung der europäischen Wirtschaft und der Abschwächung des Euros belebte sich die Exportnachfrage, die in der Industrie für frische Impulse sorgte. In Oberösterreich lieferte die Industrie mit einem Produktionsplus um 7 Prozent das mit Abstand stärkste Ergebnis, getragen vom Maschinenbau und der Metallerzeugung. Im Burgenland erhöhte sich die Dynamik unter anderem dank Investitionen in den Energiesektor. Neben diesen beiden Spitzenreitern war in drei weiteren Bundesländern das Industriewachstum über dem Österreichdurchschnitt: In Kärnten lieferte die Elektronikindustrie wichtige Wachstumsimpulse. Salzburg profitierte unter anderem von der guten Entwicklung im Maschinenbau und in der Elektroindustrie und in Tirol sorgten die Holzverarbeitung und die Pharmaindustrie für Aufwind. Nur Wien, Niederösterreich und die Steiermark konnten von der Unterstützung durch die etwas festere Nachfrage aus dem Ausland nicht profitieren.

Schwung auch dank Dienstleistungssektor, jedoch Schwäche am Bau
Auch der Dienstleistungssektor entwickelte sich im ersten Halbjahr positiv. Die Einzelhandelsumsätze sind in allen Bundesländern zumindest leicht gestiegen. In Vorarlberg und im Burgenland fiel die Unterstützung durch den Handel besonders kräftig aus – in Vorarlberg vor allem getrieben durch den Kaufkraftzufluss aus der Schweiz dank der Stärke des Franken gegenüber dem Euro. Im Tourismus, einem traditionellen österreichischen Stärkefeld, stieg die Anzahl der Nächtigungen im ersten Halbjahr 2015 um über 2 Prozent im Jahresvergleich an. Klar vom Tourismus profitiert haben neben Wien – das vom anhaltenden Boom im Städtetourismus profitierte – auch die westösterreichischen Tourismushochburgen Salzburg, Tirol und Vorarlberg auf. Die Beschäftigung als Indikator für die Dynamik im gesamten Dienstleistungssektor zeigt in fast allen Bundesländern eine kräftige Aufwärtstendenz. „Der Dienstleistungssektor hat im ersten Halbjahr zumeist eine positive Entwicklung genommen und in fast allen Bundesländern einen geringen Wachstumsbeitrag leisten können. In Kärnten ist in diesem Sektor jedoch kaum Bewegung gekommen. Im Burgenland, der Steiermark, Salzburg und Vorarlberg hat der Dienstleistungssektor hingegen eine spürbare Aufwärtstendenz gezeigt“, so Pudschedl.

Als Konjunkturbremse erwies sich im ersten Halbjahr in fast allen Bundesländern die Bauwirtschaft trotz einer leichten Stabilisierungstendenz im Jahresverlauf. Im Jahresvergleich nahm die Bauproduktion um real über 2 ½ Prozent ab. Die zurückhaltende Investitionsbereitschaft der Unternehmen und die beschränkten finanziellen Handlungsspielräume im öffentlichen Bereich dämpften. „Im Burgenland, Wien, Oberösterreich und Salzburg kam es in der Bauwirtschaft zu den stärksten Einbrüchen, zumeist vom Tiefbau ausgehend. Nur in Kärnten und der Steiermark konnte der Bau zum Wirtschaftswachstum insgesamt einen positiven Beitrag leisten“, meint Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

Zweite Halbzeit 2015 entwickelt sich etwas besser
Von der Bauwirtschaft ist angesichts einer derzeit günstigeren Auftragslage bis zum Jahresende zwar eine geringfügige Verbesserung zu erwarten, jedoch ist im Gesamtjahr in den meisten Bundesländern noch von einem zumindest leichten Rückgang auszugehen. Positive Impulse sind in den kommenden Monaten dagegen weiterhin vom Dienstleistungssektor zu erwarten. Die aufgrund der anhaltend niedrigen Rohstoffpreise moderate Inflation stärkt die Kaufkraft und lässt ein Umsatzplus im Einzelhandel erwarten. Zudem befindet sich die Tourismuswirtschaft in einigen Bundesländern auf Rekordkurs. Für die Industrie sind die Vorzeichen für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends in den kommenden Monaten trotz der schwierigen globalen Rahmenbedingungen gegeben. Mit der anhaltenden Erholung der europäischen Wirtschaft im Rücken sollte das Industriewachstum im Bundesschnitt 2015 auf rund 2 Prozent real steigen.

„Der globale Gegenwind aus den Wachstumsmärkten nimmt zu, doch der Rückenwind durch die Erholung in Europa verschafft den Bundesländern bis zum Jahresausklang mehr Schwung. Das schwierige Jahr 2015 werden die meisten Bundesländer mit höheren Wachstumsraten als im Vorjahr abschließen können“, so Bruckbauer und ergänzt: „Oberösterreich wird die Wachstumsspitze erklimmen und ebenso wie das Burgenland klar stärker als Gesamtösterreich wachsen, für das wir einen Anstieg des BIP um 0,9 Prozent erwarten.“ Auch Salzburg und Tirol werden 2015 ein überdurchschnittlich hohes Wachstum erreichen können. Insgesamt werden nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria von den neun Bundesländern nur zwei ein schwächeres Wirtschaftswachstum als 2014 erzielen: Vorarlberg und Tirol –ausgehend jedoch von einem hohen Vorjahreswert.

Arbeitslosigkeit steigt im Osten stärker als im Westen
Trotz des moderaten Erholungstempos der heimischen Wirtschaft verschärfte sich in allen Bundesländern die Lage am Arbeitsmarkt im bisherigen Jahresverlauf. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote stieg bis September im Österreichschnitt auf 9,2 Prozent. Damit liegt die Arbeitslosenquote im Durchschnitt um einen halben Prozentpunkte über dem Wert zu Jahresbeginn. Die wirtschaftliche Entwicklung lässt auch weiterhin keine positiven Impulse für den Arbeitsmarkt erwarten. „Wir rechnen damit, dass die Arbeitslosenquote in Österreich 9,2 Prozent im Jahresdurchschnitt 2015 betragen wird“, analysiert Pudschedl und ergänzt: „Die Bandbreite reicht dabei von 6,0 Prozent in Salzburg bis zu 13,5 Prozent in Wien.“ Die Arbeitslosenquote wird 2015 in allen Bundesländern höher als im Vorjahr sein. In Wien, Niederösterreich, dem Burgenland und der Steiermark ist aufgrund des besonders starken Anstiegs des Arbeitskräftepotenzials mit den höchsten Zunahmen zu rechnen.

2016: Höhere Dynamik in den Bundesländern erwartet
Trotz zunehmender Risiken, etwa durch die Konjunktureintrübung in einigen Schwellenländern wie u.a. China, der Krise im Nahen Osten oder der Belastungen durch die EU-Sanktionen gegen Russland, wird die österreichische Wirtschaft auch im kommenden Jahr auf Erholungskurs bleiben und voraussichtlich sogar stärker zulegen können als 2015. „Die Anzeichen für ein höheres Wachstumstempo sind vorhanden. Nach dem Anstieg der Wirtschaftsleistung von 0,9 Prozent im Jahr 2015 erwarten wir für das kommende Jahr eine leichte Belebung auf 1,5 Prozent“, so Pudschedl. Die Wirtschaft in den meisten Bundesländern wird vor allem von zwei Entwicklungen profitieren: Einerseits wird der Konsum durch zusätzliche Impulse durch die Steuerreform belebt. Andererseits ist angesichts der weiteren Festigung der Erholung in Europa auch vom Außenhandel mehr Schwung als im Jahr 2015 zu erwarten. Dabei unterstützen zum einen die anhaltend niedrigen Rohstoffpreise, die die Inflation dämpfen und damit die Kaufkraft der Haushalte stärken. Zum anderen sorgt der schwächere Euro für günstige Rahmenbedingungen für den Export. Damit ergeben sich im Jahr 2016 sowohl für Bundesländer mit einer stärkeren Außenhandelsorientierung, wie Vorarlberg, Oberösterreich und die Steiermark, als auch für die klassischen Dienstleistungshochburgen, wie Wien und Salzburg gute Wachstumsaussichten. Die meisten Bundesländer sollten die Rahmenbedingungen für ein höheres Wachstumstempo nutzen können, wobei die Wachstumsunterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern im Vergleich zu 2015 geringer sein sollten.

 

 

 

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