Deloitte Studie: Der österreichische Energiekunde 2020

 

erstellt am
05. 11. 15
11:00 MEZ

Strom, Heizen und Mobilität werden zum Gesamtpaket – 75 % der Österreicher wollen im Jahr 2020 Strom selbst erzeugen – 90 % möchten zukünftig mit erneuerbarer Energie heizen
Wien (deloitte) - Im Rahmen der Studie „Der österreichische Energiekunde 2020“ befragte Deloitte Österreich 1.000 Konsumenten zu ihren Bedürfnissen und Erwartungen im Energiebereich. Die Ergebnisse zeigen repräsentativ, dass die Energiebranche vor großen Umbrüchen steht. Das derzeitige Angebot der Energieversorger weicht noch grundlegend von den Kundenerwartungen ab.

„Der österreichische Energiekunde 2020 produziert Strom selbst, nutzt erneuerbare Energien, bewegt sich mit alternativen Antrieben und vergleicht seinen Energieverbrauch mit anderen“, bringt Gerhard Marterbauer, Partner und Leader Energy & Resources, Deloitte Österreich, die Essenz der Studie auf den Punkt. Die Energiekunden sehen Strom, Heizen und Mobilität immer mehr als ein Gesamtpaket. Für jeden zweiten Österreicher gehören Strom, Licht, Wärme, Photovoltaik und Akkus bereits heute untrennbar zusammen, wenn über Energie gesprochen wird.

Aus den umfassenden Daten der Studie lassen sich drei zentrale Trends ableiten:

Der Consumer wird zum Prosumer
75 % der Österreicher wollen im Jahr 2020 Strom selbst produzieren. „Die Konsumenten wollen zukünftig selbst Strom zumindest miterzeugen und eine aktive Rolle einnehmen – der Consumer wird damit zum Prosumer“, erklärt Marterbauer. „Die dezentrale Energieerzeugung erreicht so eine neue Dimension.“ Vor allem jüngere und technikaffine Personen wünschen sich eine hauseigene Stromerzeugung. Dabei ist für 82 % der Hauseigentümer das „Eigenheim als Kraftwerk“ erstrebenswert, während dies nur auf 69 % der Wohnungseigentümer zutrifft. 53 % der Österreicher würden außerdem am liebsten nachhaltigen Strom aus Sonnenenergie nutzen. Besonders interessant ist für den Prosumer auch der Vergleich mit „dem Nachbarn“: 87 % möchten weniger verbrauchen als der Durchschnitt.

Erneuerbare Energien sind die Heizmittel der Zukunft
90 % der Österreicher würden am liebsten ausschließlich mit erneuerbarer Energie heizen. Angeführt werden die präferierten Heizmethoden von der Solarthermie mit 43 %, gefolgt von Luft/Erdwärme mit 28 % und Strom/Wärmepumpe mit 11 %. Die fossilen Energieträger liegen im Gegensatz dazu mit 10 % abgeschlagen auf den letzten Plätzen der Beliebtheitsskala. In auffallendem Widerspruch dazu steht die Ist-Situation: Aktuell heizen noch 73 % klassisch mit Fernwärme, Gas oder Öl. „Das Thema Heizen zeigt den Gegensatz zwischen der Realität und den Konsumentenwünschen sehr deutlich. Die Kunden sind auch beim Heizen bereit für erneuerbare Energien und das derzeitige Angebot hinkt hier noch stark hinterher“, so Marterbauer.

e-Mobilität wird in den Alltag integriert
Wenn es um ihre tägliche Mobilität geht, sind die Befragten neuen Antrieben gegenüber sehr aufgeschlossen: Fast drei Viertel der österreichischen Energiekunden wollen sich 2020 mit alternativen Antrieben fortbewegen. Die präferierten Antriebsvarianten sind hier mit je 21 % Wasserstoff und Strom, gefolgt vom Diesel/Elektro-Hybridantrieb mit 19 %. Reine Diesel- und Benzinmotoren spielen, gleichwertige Alternativen hinsichtlich Preis und Geschwindigkeit vorausgesetzt, 2020 nur eine untergeordnete Rolle.

Bereits heute geben 29 % der Befragten an, grundsätzlich ein Elektroauto kaufen zu wollen. Jene 71 %, die sich aktuell noch keinen PKW mit Elektroantrieb anschaffen möchten, nennen als Voraussetzung um bis 2020 auf ein Elektroauto umzusteigen zu drei Viertel den Preis als entscheidendes Kriterium, dicht gefolgt von der Reichweite. Energiesparen ist hingegen nur für 30 % das wesentliche Motiv.

„Die Österreicher sind grundsätzlich bereit für den Umstieg auf alternative Antriebe“, betont Gerhard Marterbauer. „Allerdings sind die Autohersteller gefragt, in den nächsten Jahren tatsächlich leistbare Fahrzeuge mit angemessener Reichweite anzubieten.“

Fünf Energietypen im Jahr 2020
Als Energieversorger ist es in Zukunft nicht mehr ausreichend, sich ausschließlich auf den Absatz von Energie zu konzentrieren. Es gilt das Angebot zu erweitern, um zusätzliche Wertbeiträge zu generieren. Entscheidend für passende integrierte Angebote, die idealerweise Strom, Heizen und Mobilität verbinden, ist die richtige Kundensegmentierung. Deloitte Österreich hat als Essenz der aktuellen Studie fünf Energietypen definiert, die den österreichischen Energiemarkt bis 2020 dominieren werden.

Kommunal orientierter Typ
Diesem Kundentyp entsprechen rund 32 % der Befragten. Sie weisen keine geschlechtsspezifischen Unterschiede auf, sind zwischen 40 und 60 Jahre alt und zu einem hohen Teil Pensionisten und/oder Singles. Dieser Typ hat Interesse an der Gemeinschaft, wohnt meist in kleineren Wohnungen im städtischen Bereich und nutzt Fernwärme. Jeder Fünfte dieser Gruppe hat kein Auto und nutzt öffentliche Verkehrsmittel und das Fahrrad. Ihn zeichnet ein grundsätzliches Interesse an Energie, Kosten und Energiesparen aus. Er will sich in Energiefragen auch gerne Einkaufsgemeinschaften bzw. Bürgerbeteiligungen anschließen. Dieser Konsumententyp ist überdurchschnittlich oft in Wien und der Steiermark anzutreffen.

Sonne ist Zukunft Typ
Diesem Typ entsprechen mehr als 31 % der Studienteilnehmer. Meist sind dies junge Frauen zwischen 16 und 24 Jahren, die Solarenergie als die Energiequelle der Zukunft ansehen. Dieser Konsumententyp ist umweltorientiert, weist ein höheres Bildungsniveau auf, ist aber nicht IT-affin. Schwerpunktmäßig lebt dieser Typ in Niederösterreich und Tirol.

Umweltbewusster IT-affiner Typ
Rund 25 % der Österreicher werden zukünftig diesem Typ zuzuordnen sein. Besonders junge Männer bis 29 Jahre gehören dieser Gruppe an. Der umweltbewusste IT-affine Typ hat großes Interesse an Umweltthemen und Bürgerbeteiligungsmodellen. Besonders zeichnet ihn die Bereitschaft zur Nutzung neuer Technologien aus. Er benutzt überdurchschnittlich oft öffentliche Verkehrsmittel und hat Interesse am „Selbst-Strom-Erzeugen“. Geografisch lassen sich hier keine Schwerpunkte erkennen.

Elektro-Autofahrer Typ
Fast 19 % gehören diesem Typ an, der auch die älteste Konsumentengruppe mit einem Durchschnittsalter von mehr als 60 Jahren darstellt. Diese Gruppe weist einen besonders hohen Pensionistenanteil auf und zeigt mit Abstand die höchste Kaufbereitschaft für E-Autos. Diese Gruppe will ihre Mobilität gesichert sehen, aber auch Kosten sparen. Energieeinkaufsgemeinschaften und Bürgerbeteiligungen gegenüber ist dieser Typ sehr aufgeschlossen.

Kostenignoranter Typ
Beinahe 12 % sind dem kostenignoranten Typ zuzurechnen. Überdurchschnittlich viele junge (Haus-)Frauen mit niedrigem Bildungsniveau, die die Energiekosten nicht kennen und sich auch nicht dafür interessieren, gehören zu dieser Konsumentengruppe. Dieser Typ wird auch in Zukunft auf traditionelle Energie setzen, sieht beim Auto kaum Alternativen zu klassischen Antrieben und ist nicht IT-affin. Häufig lebt er mit größerer Familie im eigenen Haus, überdurchschnittlich oft in Ober- und Niederösterreich.

„Energieversorgungsunternehmen müssen sich bereits jetzt fit für den Energiekunden 2020 machen. Nur wenn die Anbieter die richtigen Kundentypen identifizieren, sich deren Bedürfnissen bewusst werden und hierfür attraktive Lösungen anbieten, werden sie auch zukünftig auf dem stark umkämpften Energiemarkt bestehen können“, so Marterbauer abschließend.

 

 

 

Allgemeine Informationen:
http://www.deloitte.at

 

 

 

 

 

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