26. Volksgruppenkongress im
 Zeichen der Flüchtlingskrise

 

erstellt am
30. 11. 15
11:00 MEZ

LH Kaiser fordert Gesamteuropäisches Handeln – Integration wird an Bedeutung gewinnen- Freiwilliges soziales Jahr als große Chance
Klagenfurt (lpd) - Der 26. Europäische Volksgruppenkongress fand am 27.11. im Konzerthaus Klagenfurt statt. Er befasste sich mit dem Themenkreis „Volksgruppen – sprachliche Vielfalt – ökonomischer Vorteil“ (Narodne skupnosti – jezikovna raznolikost – gospodarska prednost“). Eröffnet wurde der Kongress von Volkgruppenreferent Landeshauptmann Peter Kaiser.

„Ich glaube, dass wir hier heute die Chance haben, in einer sehr friedlichen Situation über wichtige Themen, die historisch gewachsen sind, die aber in Zukunft einer näheren Erörterung bedürfen, sich auseinanderzusetzen“, begann der Landeshauptmann seine Rede. Er erinnerte dabei an den ersten Volksgruppenkongress im Jahr 1990 in Villach, der mit viel internationaler Aufmerksamkeit über die Bühne ging und dem Thema „Volksgruppen in Europa - Freiheit und Vielfalt“ gewidmet war, über das man heute noch peripher diskutiere. „Wenn man sich geschichtlich zurück erinnert, war das die Zeit, als der Eiserne Vorhang fiel, die Bedeutung von Volksgruppen und ihr Streben nach Freiheit völlig neue Ausmaße annahm und Europa sich mit der Situation konfrontiert sah, dass einerseits mit großer Freude anderseits im Bewusstsein ökonomischer Veränderungen und mit der Sicherheit, dass sich vieles in Europa verändern werde, gekennzeichnet war“, so Kaiser. Das Land Kärnten habe seit damals immer wieder mit verschiedenen Themen im Rahmen der Volksgruppenkongresse zu einer solchen Entwicklung, auch in diesem Jahr, beigetragen.

In den Mittelpunkt seiner Rede stellte der Landeshauptmann in weiterer Folge die derzeitigen, riesigen Fluchtbewegungen in Europa. „Wir haben derzeit eine Situation, in der alle Verantwortlichen eines zu berücksichtigen haben: Im Spannungsfeld zwischen einer gewissen Verantwortungsethik und Gesinnungsethik haben wir Menschen, die in Not sind, ohne Rücksicht auf Religion und ihre Herkunft, zu helfen“ so der Landeshauptmann. In diesem Spannungsfeld befinde sich derzeit ganz Europa. Die Wege und der Zugang, mit denen man sich der Problematik nähere, seien unterschiedlich. „Ich erwarte mir jedoch in dieser Frage ein einheitliches Vorgehen, in dem die Humanität im Mittelpunkt steht und den Menschen geholfen werde“, stellte Kaiser unmissverständlich klar.

Europa müsse sich jedoch auch klar sein, dass es nicht alle Probleme allein lösen könne. Es bedürfe jedoch den Mut der Europäischen Union klar zu formulieren, dass dort, wo Bürgerkrieg herrsche in unmittelbarer Nähe, in den Krisengebieten und den Flüchtlingslagern, wieder menschenwürdige Zustände geschaffen werden. Dazu brauche es europäischer Finanzmittel. „Wir müssen gemeinsam als Europa, was Asyl und Flüchtlinge betrifft, vorgehen, um hier in der Gemeinsamkeit auch eine Stärke zu bilden, die es derzeit bedauerlicherweise nicht gibt“, verhehlte Kaiser nicht.

Der Landeshauptmann ist sich sicher, dass die derzeitige Situation sich wieder in Normalität umwandeln werde. „Das bedeute, dass es viele Menschen anderer Sprache, Kultur, Sozialisation einmal in unserer Gesellschaft geben werde und der Begriff der Integration daher an Bedeutung gewinnen werde. „Unabdingbare Voraussetzung dafür ist die Sprache jenes Landes, welches für viele neue Heimat werden wird. Diese sprachliche Vielfalt und das Erlernen jener Sprache ist daher einer der wichtigsten Prozesse, denen wir politisch, kulturell und bildungspolitisch nachkommen müssen“, so Kaiser.

Erneut wiederholte der Landeshauptmann einen Vorschlag, den er schon öfters gemacht hat. „Ich plädiere einmal mehr dafür, dass wir Menschen, die einen Asylstatus haben, in Österreich den Zugang zu einem freiwilligen sozialen Jahr ermöglichen, bei dem sie flankiert mit Sprachkursen und anderen Kulturtechniken im gemeinnützigen Bereich Tätigkeiten machen können, wo sie Wertschätzung bekommen und wo sie einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Ich halte das für machbar. Ich glaube, dass es wichtig ist, Ziele und Perspektiven zu geben und ich bin überzeugt, dass Integration zu einer positiven weitere Entwicklung beitragen kann“, so Kaiser. Eines müsse jedoch allen klar sein: „Wir haben jetzt einmal mehr eine These, die bei Volksgruppenkongressen immer wieder in den Mittelpunkt gerückt ist, selbst zu leben: nämlich die Anerkennung des Anderen in einer gemeinsamen Lebenswelt“, schloss der Landeshauptmann.

Grußworte überbrachten auch der Rumänische Botschafter in Österreich, Bogdan Mazuru, und der slowenische Generalkonsul in Kärnten, Milan Predan. Mazuru hob die sprachliche und kulturelle Víelfalt Europas hervor und meinte: „Die Sprache ist die Medizin der Kommunikation“. Predan zeigte sich erfreut, dass sich Kärnten in Bezug auf die Zwei- bzw. Dreisprachigkeit auf einem guten Weg befinde.

Als Referenten und Referentinnen kamen Prof. Reinhard Neck (Alpen Adria Universität Klagenfurt), Schuldirektorin Zalka Kuchling, Beatrice Ungar (Hermannstädter Zeitung), Romedi Arquint (ehem. Präsident der Förderalistischen Union Europäischer Volksgruppen), Betriebswirt Oscar Kiesswetter, Hermagoras-Direktor Karl Hren, Vera Ratheiser (FH Kärnten) zu Wort. Sie thematisierten Aspekte der Mehrsprachigkeit, des Minderheitenschutzes, die Plurikulturalität, die Bedeutung der Wirtschaftsentwicklung für Volksgruppen, den Beitrag der Genossenschaften zur Stärkung von Sprache und Identität, die Bedeutung der Wirtschaftsentwicklung für Volksgruppen bzw. das Diversity Management aus Sicht der Transkulturalität.

 

 

 

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