Exportländer im Vergleich - wo die Zahlung
 am häufigsten ausbleibt

 

erstellt am
30. 11. 15
11:00 MEZ

Abnehmer aus Russland, Venezuela und Brasilien lassen österreichische Exporteure auf ihr Geld warten
Wien (oekb) - Die OeKB Versicherung veröffentlicht erneut die wichtigsten Exportländer, aus denen die Zahlungen an ihre Kunden am häufigsten ausbleiben. Russland steht an der Spitze der Länder mit den höchsten Zahlungsverzügen, gefolgt von Venezuela und Brasilien. Verglichen wurden die Werte zum Ende des dritten Quartals 2015 mit den Vorjahreszahlen.

In 75 Prozent der Fälle ist ein Verzug Vorläufer eines Schadensfalles und daher laut dem Kreditversicherer eine wichtige Kennzahl. Das restliche Viertel resultiert aus der Insolvenz von Abnehmern. „Wenn unsere Versicherungsnehmer steigende Verzüge melden, dann ist das für uns ein wichtiger Indikator für die zukünftige Entwicklung eines Landes. Denn genau in diesen Ländern werden erfahrungsgemäß auch die Schäden steigen“, erklärt Karolina Offterdinger, Vorstand der OeKB Versicherung.

Unter den Top 3 der höchsten Verzüge: Russland und Brasilien´
Vor wenigen Jahren waren Russland und Brasilien florierende Wirtschaftsmärkte. Davon profitierten auch die Versicherungsnehmer der OeKB Versicherung. In den vergangenen zwei Jahren sind die Länder in die Rezession gerutscht, unter anderem wegen der niedrigen Rohstoffpreise. „Durch die steigenden Zahlungsverzüge spüren das jetzt auch unsere österreichischen Exporteure“, so Offterdinger. Dies wirke sich laut dem Kreditversicherer auch auf die in den kommenden Monaten eintretenden Schäden aus.

In Russland bewegen sich die von Versicherungsnehmern der OeKB Versicherung verzeichneten Schäden, verursacht durch den Ausfall von Forderungen, auf stabil hohem Niveau. Dass die Schäden sinken, ist eine Folge der 2014 in Kraft getretenen Sanktionen. Durch die Sanktionen gingen die Lieferungen und in Folge auch der Anstieg der Verzüge zurück. Heute spiegelt sich dieser Rückgang in den sinkenden Schäden wider.

In Brasilien bleibt der auch durch sportliche Großereignisse erhoffte gesamtwirtschaftliche Aufschwung aus. Arbeitslosigkeit, Staatsschulden und die aktuelle Korruptionsaffäre lähmen die wirtschaftspolitische Entwicklung.

Venezuela – Verzüge und Schäden gestiegen
Im Vergleich zu den Vorjahreszahlen haben die Kreditversicherungskunden der OeKB Versicherung für Venezuela sowohl bei den Verzügen als auch bei den aktuell eingetretenen Schäden einen Anstieg gemeldet. „Venezuela leidet unter einer schweren Wirtschaftskrise und der stark gesunkene Ölpreis macht dem Land einfach zu schaffen“, stellt Offterdinger fest. „Exporteure sollten hier außerdem auf das Devisentransferrisiko achten. Dieses klassische politische Risiko ist in Venezuela immanent“, ergänzt Offterdinger.

2014 lag die Inflationsrate nach Angaben der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) bei 69 Prozent. Im selben Jahr erreichten die Exporte österreichischer Unternehmer mit 150 Millionen Euro laut WKO einen Rekordwert. Für 2016 erwartet die Regierung Venezuelas eine Inflationsrate von 60 Prozent. Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht davon aus, dass die Wirtschaft in Venezuela 2015 um 10 Prozent schrumpft und im kommenden Jahr um weitere 6 Prozent (Veränderung des realen BIP).

Vereinigte Arabische Emirate – durch Ölpreisverfall geschwächt aber stabil
Die Vereinten Arabischen Emirate scheinen erstmals in der Liste der Top 10 Verzüge der OeKB Versicherung auf. Der niedrige Ölpreis wirkt sich vor allem im ölreichen Emirat Abu Dhabi negativ auf die Wirtschaftslage aus und schwächt die Wachstumsaussichten. Dubai hingegen als Finanzzentrum ist politisch und wirtschaftlich stabil.

Trotz der derzeit insgesamt hohen Verzüge sehe die OeKB Versicherung in den Emiraten keine außergewöhnliche Zahlungsproblematik. Offterdinger rät allerdings den österreichischen Exporteuren:
„Behalten Sie immer Ihren Außenstand im Auge und betreiben Sie ein strenges Mahnwesen – egal wohin Sie liefern.“

Ecuador – wachsender aber verwundbarer Markt
„In Lateinamerika machen unsere Kunden verstärkt Geschäfte. Wir sehen das an der jeweils steigenden Deckungssumme. Das liegt wohl zum Teil daran, dass die BRIC-Länder schwächeln und sich die Exporteure mit unserer Unterstützung jetzt auf neue Märkte wagen“, erklärt Offterdinger den neuen Trend. Die Abhängigkeit vom Erdöl und der derzeit niedrige Ölpreis machen Ecuador allerdings verwundbar.

Der Kreditversicherer sehe sich als Dienstleister. „Damit sich der Exporteur auf sein Kerngeschäft konzentrieren kann, übernehmen wir das Risiko- und Debitorenmanagement“, fasst Offterdinger den Service der OeKB Versicherung zusammen.

 

 

 

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