Österreichs Bevölkerungszahl wächst

 

erstellt am
24. 11. 15
11:00 MEZ

…jährlich um rund 70.000 Personen, Zuwanderung dämpft die Bevölkerungsalterung – Wien und Niederösterreich gewinnen bis 2060 überdurchschnittlich stark an Bevölkerung – Ein Sechstel der österreichischen Bevölkerung ist im Ausland geboren; Tendenz steigend
Wien (statistik austria) - Die österreichische Bevölkerung wächst derzeit jährlich um rund 70.000 Personen, wie aktuelle Einwohnerzahlen und Prognosen von Statistik Austria zeigen. Grund dafür ist in erster Linie die verstärkte Zuwanderung nach Österreich, ein guter Teil davon entfällt derzeit auch auf asylwerbende Personen. Im Jahr 2014 wurden insgesamt 170.000 Zuwandernde und knapp 100.000 Abwandernde registriert. Der Saldo aus Geburten und Sterbefällen ergab einen Geburtenüberschuss von 3.500 Personen. Im Jahresdurchschnitt 2014 betrug die Bevölkerungszahl Österreichs 8,54 Mio. Einwohner. Im Jahr 2022 wird Österreich gemäß Vorausschätzung die 9-Millionen-Marke überschritten haben – zu diesem Zeitpunkt werden 9,04 Mio. Menschen im Land leben. Damit tritt dieser Wert schon um drei Jahre früher ein als zuletzt prognostiziert. In weiterer Folge sollte Österreich im Jahr 2030 bereits 9,31 Mio. Einwohner zählen, um 9% mehr als 2014.

Zuwanderung kompensiert demographisch bedingten Rückgang im Erwerbsalter
Die Zuwanderung nach Österreich verschiebt den bisher erwarteten Rückgang der Bevölkerung im Erwerbsalter zwischen 20 und 65 Jahren um einige Jahre. 2014 gehörten 5,29 Mio. Personen zu dieser Altersgruppe, also zum sogenannten "Erwerbspotenzial". Bis zum Jahr 2021 wird sich das Erwerbspotenzial um 4% auf 5,50 Mio. Personen erhöhen. Danach werden jedoch deutlich mehr Menschen ins Pensionsalter übertreten, als Jugendliche aus der Ausbildung bzw. Zugewanderte hinzukommen. Dementsprechend wird die Zahl der potenziellen Erwerbspersonen nach 2030 leicht unter das derzeitige Niveau sinken und 2060 rund 5,10 Mio. betragen.

Ohne Zuwanderung würde das Erwerbspotenzial langfristig betrachtet erheblich sinken. Diesem Szenario folgend würden österreichweit im Jahr 2030 nur mehr 4,73 Mio. Menschen im erwerbsfähigen Alter leben, das entspricht einem beträchtlichen Minus von 11% gegenüber 2014. Bis 2060 würde die Zahl der Personen im Erwerbsalter um 35% auf 3,41 Mio. zurückgehen.

Mehr Kinder und Jugendliche, nach wie vor starke Bevölkerungsalterung
Ähnliches gilt auch für die Zahl der Kinder und Jugendlichen bis 19 Jahre. Hier wird in den nächsten 20 Jahren ein Anstieg um 8% von 1,69 Mio. (2014) auf 1,81 Mio. (2035) erwartet. Zu diesem Plus tragen sowohl die zuwandernden Unter-20-Jährigen als auch Geburten der Immigrantinnen bei. Gäbe es keine Zuwanderung nach Österreich, würde die Zahl der Kinder und Jugendlichen bis 2035 um 13% auf 1,47 Mio. absinken.

Hohe Zuwächse werden für die Gruppe der über 65-Jährigen Bevölkerung prognostiziert. Seit der Jahrhundertwende treten zahlenmäßig immer stärker besetzte Generationen ins Pensionsalter über. In der jüngeren Vergangenheit waren dies die Geburtsjahrgänge um 1940, in Zukunft werden es die Baby-Boom-Jahrgänge der späten 1950er- und der 1960er-Jahre sein. Auch durch Zugewinne bei der Lebenserwartung werden anteilsmäßig mehr Menschen als früher ein höheres Alter erreichen.

Im Jahr 2014 waren 1,57 Mio. Personen 65 Jahre und älter. 2020 wird ihre Zahl mit 1,73 Mio. um 10% größer sein als 2014. Bis 2030 wächst diese Bevölkerungsgruppe auf 2,18 Mio. (+39%), bis 2060 werden es schließlich 2,80 Mio. Personen sein (+78%). Das ist ein langfristiger Zuwachs um nahezu vier Fünftel des derzeitigen Ausgangsbestandes. Ohne Wanderungen fällt der Anstieg nur unwesentlich schwächer aus, da die meisten Menschen, die künftig in diese Altersgruppe fallen, bereits heute in Österreich leben.

2014 standen noch 18% der Bevölkerung im Pensionsalter, ab 2023 werden es mehr als 20% sein, nach 2034 mehr als 25%. Der Anteil des Erwerbspotenzials an der Gesamtbevölkerung sinkt von derzeit 62% bis 2025 auf unter 60%, ab 2037 wird er weniger als 55% betragen. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen geht von gegenwärtig knapp 20% auf langfristig rund 19% zurück. Gäbe es keine Immigration, würde der Anteil des Erwerbspotenzials langfristig auf 47% sinken, während die Bevölkerung im Pensionsalter bis 2060 auf 37% anwachsen dürfte.

     

Wien und Niederösterreich gewinnen bis 2060 überdurchschnittlich stark an Bevölkerung
Während die Bevölkerung des gesamten Bundesgebiets in den nächsten Jahrzehnten wachsen wird, werden für die einzelnen Regionen des Landes unterschiedliche Entwicklungen prognostiziert. Laut Statistik Austria wird es in den Bundesländern Wien, Niederösterreich, Tirol und Vorarlberg ein starkes Bevölkerungswachstum geben. Kärnten wird hingegen langfristig mit weiteren Bevölkerungsverlusten zu rechnen haben. Die Bevölkerungszahl der Steiermark nimmt vorerst noch leicht zu, bevor auch hier minimale Rückgänge eintreten. Das langfristige Bevölkerungswachstum im Burgenland und in Oberösterreich liegt bis 2060 leicht unter dem Bundesschnitt von 13,6%.

Stärkstes Bevölkerungswachstum in Wien
Wien wird infolge der Zuwanderung das mit Abstand stärkste Bevölkerungswachstum aller Bundesländer erleben. 2023 wird die Bevölkerungszahl die Zwei-Millionen-Marke überschreiten. Somit wächst die Bevölkerung von 1,78 Mio. im Jahr 2014 über 2,06 Mio. (+16%) im Jahr 2030 bis 2,22 Mio. (+24%) im Jahr 2060. Die Bevölkerungszahl Niederösterreichs wird bis 2060 um 18% steigen, von gegenwärtig 1,63 Mio. auf 1,92 Mio. Das langfristige Bevölkerungswachstum des Burgenlandes – +11% bis 2060, von 288.000 auf 320.000 – liegt leicht unter dem Bundesschnitt von +14%. Die Bevölkerungszahl von Vorarlberg steigt laut Prognose bis zum Jahr 2060 um 16%, von derzeit 377.000 auf 438.000. Tirol wächst bis 2060 ebenfalls um 16%, von momentan 725.000 auf 842.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Salzburgs Einwohnerzahl wird bis 2060 von 536.000 auf 578.000 zunehmen, dies ergibt ein Plus von 8%. Ab dem Jahr 2021 wird das Land Salzburg mehr Bevölkerung als Kärnten zählen und somit zum sechstgrößten Bundesland aufsteigen. Die Einwohnerzahl von Oberösterreich steigt bis 2060 um 11%, von aktuell 1,43 Mio. auf 1,59 Mio. Die Bevölkerungszahl der Steiermark wächst bis zum Jahr 2044 um 5%, von zurzeit 1,22 Mio. auf 1,28 Mio. Danach geht die Bevölkerungszahl bis 2060 auf 1,27 Mio. zurück. Die in den letzten Jahren eingetretenen und kurzfristig zum Stillstand gekommenen Bevölkerungsverluste Kärntens werden sich auch in weiterer Zukunft fortsetzen. Bis 2060 verliert Kärnten nach der vorliegenden Prognose 6% seiner derzeitigen Einwohnerzahl (557.000) und wird dann 523.000 Einwohner zählen.

Bevölkerungsalterung im Osten Österreichs stärker
Analog zum gesamten Bundesgebiet wird die Bevölkerung auch in allen Bundesländern stark altern, allerdings mit regionalen Unterschieden. So werden die Anteile der 65- und Mehrjährigen auch künftig im Osten und Süden Österreichs höher sein als im Westen. Eine deutliche Ausnahme in der Ostregion bildet Wien, wo der Anteil der älteren Menschen von derzeit 17,0% (2014) auf nur 18,7% (2030) und bis 2060 auf lediglich 23,5% steigen dürfte. Das wäre zu diesem Zeitpunkt der niedrigste Anteil an Über-65-Jährigen aller Bundesländer, ansonsten wird der Anteil überall zwischen 29% und 34% liegen. Diese Entwicklung ist eine Folge der starken Zuwanderung nach Wien: Rund 40% der jährlich Zuwandernden finden ihren Wohnort in der Bundeshauptstadt. Dieser Personenkreis ist relativ jung und verstärkt somit Zahl und Anteil der Bevölkerung im Erwerbsalter.

Ein differenziertes Bild zeigt sich bei der Bevölkerungsveränderung der Über-65-jährigen. Hier sind die stärksten Zuwächse im Westen Österreichs zu erwarten. In Vorarlberg (+105%) wird sich die Zahl der Über-65-Jährigen im Prognosezeitraum bis 2060 mehr als verdoppeln. Auch in Tirol ist ein Anstieg um nahezu 100% zu erwarten. In Kärnten (+58%), in der Steiermark (+65%) und in Wien (+72%) sind die Zuwächse in dieser Altersgruppe bis zum Jahr 2060 am niedrigsten.

     

Ein Sechstel der österreichischen Bevölkerung ist im Ausland geboren; Tendenz steigend
Die Zahl der im Ausland geborenen Bevölkerung wird infolge der Zuwanderung auch in Zukunft weiter ansteigen. Derzeit leben bundesweit 1,45 Mio. Menschen, die nicht in Österreich geboren sind; das sind 17% der Gesamtbevölkerung. Bis 2030 wird ihre Zahl laut der aktuellen Bevölkerungsprognose von Statistik Austria auf 2,07 Mio. steigen (+43%), bis 2060 schließlich auf 2,51 Mio. (+73%). Der Bevölkerungsanteil der im Ausland geborenen Menschen wird somit im Jahr 2030 bei 22% und 2060 bei 26% liegen.

Wien hat den höchsten Anteil von im Ausland geborenen Personen
Den höchsten Anteil an im Ausland geborener Bevölkerung weist Wien auf – sowohl aktuell als auch über den gesamten Prognosezeitraum bis 2060. 2014 lag dieser Anteil bei 33%. Aufgrund des hohen Ausgangsniveaus fällt der Anstieg auf 40% im Jahr 2030 bzw. 42% im Jahr 2060 deutlich schwächer aus als in den anderen Bundesländern. Die Zahl der im Ausland Geborenen in Wien steigt dabei von gegenwärtig 581.000 (2014) auf 819.000 im Jahr 2030 (+41%) bzw. 938.000 im Jahr 2060 (+62%).

Die Zahl der im Ausland geborenen Menschen nimmt in allen Bundesländern über den gesamten Projektionszeitraum zu. Bis 2060 ist der stärkste Zuwachs mit 86% in Kärnten zu erwarten, der schwächste in Salzburg mit 65%, gefolgt von Wien (+62%). Der aktuelle Anteil der im Ausland geborenen Bevölkerung liegt zwischen 10% (Burgenland) und 19% (Vorarlberg), mit Ausnahme der 31% in Wien. Im Jahr 2060 wird wiederum Vorarlberg mit 28% nach Wien (42%) den höchsten Anteil dieser Bevölkerungsgruppe ausweisen, das Burgenland mit 16% den niedrigsten.

Bei anhaltendem Asylwerber-Zustrom steigt Bevölkerungszahl jährlich um über 100.000 Personen
In der aktuellen politischen Diskussion wird für die Jahre 2015 und 2016 mit jeweils rund 85.000 Asylwerbern gerechnet. Wenn diese Zahlen Realität werden und dieser Personenkreis auch längerfristig zur österreichischen Wohnbevölkerung zählt, könnten die Zuwanderungszahlen im heurigen und kommenden Jahr insgesamt jeweils 225.000 Personen betragen – bei einer gleichzeitigen Abwanderung von mehr als 100.000 Personen. Die daraus resultierende Entwicklung wird durch die "Asylvariante" der Bevölkerungsprognose abgebildet, welche kurzfristig mit diesen Extremwerten und langfristig mit anhaltend hoher Wanderung rechnet. Demgemäß würde die Bevölkerungszahl Österreichs jährlich um mehr als 100.000 Personen wachsen und bereits 2018 mit neun Millionen um 5% größer sein als 2014. Bis 2020 steigt hier die Bevölkerung auf 9,17 Mio. (+7%), bis 2030 auf 9,66 Mio. (+13%), bis 2060 schließlich auf 10,12 Mio. (+18%).

Der Großteil der Zuwandernden sind EU-Angehörige
Im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2014 sind pro Jahr rund 140.000 Personen nach Österreich zugewandert. 15.000 bzw. 11% davon waren rückwandernde Österreicher, die in den Jahren zuvor aus Österreich abgewandert sind. Weitere 78.000 Personen bzw. 56% sind Staatsangehörige von EU- oder EWR-Staaten bzw. der Schweiz. Davon haben ein gutes Drittel (36%) eine Staatsangehörigkeit der 14 vor 2004 bestehenden EU-Staaten (überwiegend deutsche Staatsbürger), 63% eine Staatsangehörigkeit der ab 2004 beigetretenen Länder (zum Großteil Rumänen und Ungarn), 1% sind EWR-Angehörige bzw. Schweizer Staatsangehörige. Die restlichen 46.000 zugewanderten Personen (33%) sind Drittstaatsangehörige.

 

 

 

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