Arbeitsbesuch von Familienministerin in Kanada

 

erstellt am
29. 03. 16
11:00 MEZ

Karmasin: "Voneinander lernen und profitieren in der Frauen und Familienpolitik" – Erste Gespräche eines österreichischen Regierungsmitglieds mit Mitgliedern der Trudeau-Regierung
Montreal/Ottawa/Wien (bmfj) - "Trotz der weiten Entfernung haben unsere beiden Staaten unglaublich viele Gemeinsamkeiten. Sei es im Aufbau des Staates und dem föderalen System, sei es bei dem Wunsch nach moderner Frauen- und Familienpolitik oder dem Ansatz Migranten möglichst gut integrieren zu wollen. Gerade deswegen können wir unglaublich viel voneinander lernen und profitieren. Beide Seiten gehen mit einem 'bunten Blumenstrauß' an neuen Ideen aus den Gesprächen, die wir in unseren Ländern umsetzen wollen. Besonders beeindruckt hat mich das Engagement der neuen Regierung für moderne Frauenpolitik. Sogar der Regierungschef selbst bezeichnet sich als 'Feminist'", zog Familienministerin Sophie Karmasin Bilanz über ihren Arbeitsbesuch in Montreal und Ottawa. Verschiedene Ansätze der Frauen-, Familien- und Integrationspolitik in beiden Staaten wurden diskutiert. Neben Gesprächen mit drei Ministern der Trudeau-Regierung konnte die österreichische Delegation noch mit dem kanadischen Senatspräsidenten und dem Bürgermeister der Hauptstadt Ottawa, Jim Watson, sowie mit Mitgliedern des House of Commons politische Gespräche führen. Daneben gab es die Gelegenheit sich in einer Schule und einem Family Reception Center selbst ein Bild von der Umsetzung diverser kanadischer Politikansätze zu machen.

In Montreal besuchte Karmasin das kanadische Pendant zur "Beratungsstelle Extremismus". Das im November 2015 ins Leben gerufene "Centre for the Prevention of Radicalization Leading to Violence" basiert auf denselben Grundsätzen der Prävention wie die österreichische Beratungsstelle. "Wir teilen den ausgeprägten Fokus auf Prävention mit unseren kanadischen Kollegen. Besonders interessant ist der neu entwickelte "Verhaltensbarometer", ein leicht verständliches Hilfsmittel für Eltern, Lehrer oder Jugendarbeiter, um mit Radikalisierung in Verbindung stehende Verhaltensmuster von Jugendlichen schneller und besser einschätzen zu können. Je nachdem welches der vier Verhaltensmuster gezeigt wird, können dann die entsprechenden Schritte gesetzt werden - das ist ein sehr nützliches Tool das ich gerne auch in Österreich einsetzen möchte", erklärt die Jugendministerin. Die kanadische Beratungsstelle setzt sich ebenso aus einer Hotline als Erstkontakt und durch mobile Interventionsteams zusammen. Das sowohl die kanadische als auch die österreichische Beratungsstelle mehr Anrufe verzeichnen als etwa das deutsche Modell, das bei den Polizeibehörden angesiedelt ist, bestätigt die Herangehensweise Österreichs und Kanadas einer niederschwelligen Beratungseinrichtung.

In der kanadischen Hauptstadt Ottawa standen Gespräche mit politischen Verantwortungsträgern am Programm. Vor knapp 6 Monaten gab es bei den Wahlen zum Unterhaus einen deutlichen Politikwechsel. Der neue Premierminister Justin Trudeau versucht sich deutlich von der Vorgängerregierung abzugrenzen - im Mittelpunkt dessen stehen vor allem die neuen Akzente in der Familien- und Frauenpolitik: "Ich bin fasziniert von der positiven Energie die derzeit von der kanadischen Politik ausgeht. Man hat das Gefühl, dass die Kanadier derzeit einen deutlich optimistischeren Zugang zu Politik haben als in vielen Teilen Europas. Man spürt fast einen "Hype" an Politikinteresse. Die Ansätze der "evidence-based-policy" und der totalen Transparenz aller Regierungshandlungen haben mich sehr fasziniert. Diesen Ansatz will ich nach Österreich mitnehmen", so Karmasin nach Gesprächen mit kanadischen Amtskolleginnen und -kollegen.

Im Gespräch mit Frauenministerin Patricia Hajdu kamen Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Österreich und Kanada zu Tage. So zeigte sich Karmasin begeistert von der 50:50 Geschlechteraufteilung in der kanadischen Regierung und dass es erstmals ein eigenes Frauenministerium gäbe. Die kanadische Seite wiederum interessierte sich sehr für die österreichischen Projekte zur Prävention von häuslicher Gewalt und dem Projekt "Unternehmen für Familien".

Beim Termin mit Integrationsminister John McCallum war natürlich der aktuelle Strom an Flüchtlingen nach Europa Thema. Der kanadische Minister zeigte große Bewunderung für das was Österreich, Deutschland und Schweden im letzten Jahr geschafft hätten. Er sei überzeugt, dass ein überschaubares Maß der Schlüssel zur erfolgreichen Integration sei. Der Minister sprach von einer Obergrenze von maximal 1% der Gesamtbevölkerung (also für Kanada maximal rund 350.000 Migranten pro Jahr). Karmasin zeigte sich sehr interessiert am kanadischen Modell der "Family Reception Center" in denen junge Flüchtlinge, die eine Schule besuchen wollen, intensiv getestet und auf das kanadische Schulsystem vorbereitet werden. Die Begleitung und Unterstützung von Migrant/innen sei ein Erfolgsrezept der kanadischen Integrationspolitik. Dieses Modell werde Karmasin in Wien auch mit Bildungsministerin Heinisch-Hosek besprechen.

Viele Gemeinsamkeiten im Staatsaufbau der beiden Staaten kamen im Gespräch mit Familienminister Jean-Yves Duclos zu Tage. Sowohl in Österreich als auch in Kanada seien für die Kinderbetreuung primär die Gemeinden und in zweiter Linie die Provinzen (Bundesländer) zuständig. Der Bund könne mit Förderungen unterstützen. Im Gegensatz zu Österreich wird Kanada mit diesem Budget erstmals Bundesmittel für den Ausbau der Kinderbetreuung zur Verfügung stellen. Allerdings hat die kanadsiche Regierung noch keine konkreten Pläne zur Umsetzung und möchte nun von den österreichichischen Erfahrungen mit den abgeschlossenen "15a-Bund-Länder-Vereinbarungen" zum Ausbau der Kinderbetreuung profitieren.

"Ich bin überzeugt, dass dieser Arbeitsbesuch die österreichisch-kanadischen Beziehungen gestärkt hat. Aus Partnern sind Freunde geworden die in Kontakt bleiben und sich über verschiedeneste neue Projekte austauschen werden" so Karmasin abschließend.

 

 

 

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