Leitl: Nötige Maßnahmen zur Stärkung der
 Unternehmensfinanzierung…

 

erstellt am
01. 06. 16
11:00 MEZ

…müssen dringend umgesetzt werden – Finanzierungsumfrage von WKÖ und aws: 4 von 10 Unternehmen haben Investitionen mangels Finanzierung nicht umsetzen können, Stimmung bessert sich aber leicht
Wien (pwk) - „Eine Verbesserung in der Stimmung ist da und das ist erfreulich. Aber es handelt sich um ein zartes Lüfterl, keinen Frühlingssturm. Immerhin 4 von 10 Unternehmen haben im vergangenen Jahr geplante Investitionen nicht durchführen können, weil es an der Finanzierung gemangelt hat. Damit ist Österreichs Wirtschaft ein Investitionsvolumen von geschätzt bis zu 3 Milliarden Euro entgangen. Das bedeutet die Nicht-Schaffung von rund 20.000 Jobs und für den Finanzminister allein bei der Mehrwertsteuer Minder-Einnahmen von rund 600 Millionen Euro“, stellte der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Christoph Leitl, am 31.05. in einer Pressekonferenz mit dem Geschäftsführer der Austria Wirtschaftsservice (aws), Bernhard Sagmeister fest, bei der die gemeinsame Umfrage „Unternehmensfinanzierung“ vorgestellt wurde. Hauptgründe für die Kürzung oder Ablehnung von Krediten sind demnach weiterhin der Mangel an ausreichenden Sicherheiten sowie eine ungünstige Bonität. Anhaltend groß bleibe die Nachfrage nach alternativen Finanzierungsformen – vor allem bei jungen Unternehmen oder Start-ups, von denen jeder Dritte diese Instrumente gerne nutzen würde.

„Unternehmen haben in Österreich Probleme bei der Finanzierung ihrer Investitionsvorhaben durch Bankkredite. Liquidität ist zwar ausreichend vorhanden, aber die Besicherung für Kredite stellt eine Hürde da – wir haben eine Sicherheitenklemme“, erläuterte aws-Geschäftsführer Bernhard Sagmeister. „Gerade hier leisten aws-Garantien Abhilfe und ermöglichen die Mobilisierung von Finanzierungen. Als Förderbank des Bundes kann die aws mit ihrem Instrumentenmix aus Garantien, Eigenkapital aber auch Fremdkapital und Zuschüssen das Investitionsverhalten in Österreich wirksam stimulieren.“

Um das Potenzial eines zusätzlichen Investitionsvolumens von bis zu 3 Milliarden Euro zu heben und die Finanzierungsmöglichkeiten der heimischen Betriebe zu stärken, sieht die WKÖ drei Maßnahmen als prioritär: Erstens, einen Beteiligungsfreibetrag in Höhe von 100.000 Euro für private Investoren, die etwa in Start-ups investieren. Dieser sollte über fünf Jahre gleichmäßig verteilt geltend gemacht werden können. Zweitens, die Schaffung einer Mittelstandsfinanzierungsgesellschaft und drittens die Erweiterung der Garantievergabe durch die öffentliche Hand. Leitl: „Bei der Regierungsklausur im März 2015 hat die Regierung bereits angekündigt, das Instrument der KMU-Finanzierungsgesellschaft zu errichten. Die Ausweitung des Garantievolumens der aws von 200 auf 300 Millionen Euro wurde vor einem halben Jahr zugesagt. Und auch in puncto Beteiligungsfreibetrag sind wir in guten Gesprächen. Jetzt geht es darum, bei diesen wichtigen Maßnahmen in die Umsetzung zu kommen.“ Die Forderungen der Wirtschaft passten auch gut zu dem vom neuen Bundeskanzler Christian Kern angekündigten „New Deal“ und wären ein Beitrag, um Wachstum zu fördern und den weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit dämpfen, so der WKÖ-Präsident. Und nicht zuletzt müssten die Banken auch in die Lage versetzt werden, Kredite an Betriebe auch wirklich im benötigten Ausmaß vergeben zu können. Derzeit würden die Geldinstitute unter Überregulierung und wettbewerbsverzerrenden Abgaben leiden.

Die von marketmind von Mitte Jänner bis Anfang März 2016 durchgeführte Umfrage mit Fokus auf KMU zeigt, dass im vergangenen Jahr 12,2% der Unternehmen große Investitionen (= deutlich über der jährlichen AfA) getätigt haben, was einer leichten Zunahme gegenüber 2014 entspricht (10,7%). Insgesamt blieb die Zahl der realisierten Investitionen mit 35% aber auf dem Vorjahresniveau, wobei es sich primär um Erweiterungsinvestitionen handelte. Nahezu zwei Drittel der Betriebe (65%) hat voriges Jahr keine oder nur geringfügige Investitionen durchgeführt.

Für 2016 zeichnet sich eine zumindest mäßige Aufhellung ab: Deutlich mehr Betriebe – nämlich 29% - wollen mittlere Investitionen (d.h. in etwa in der Höhe der jährlichen AfA) tätigen, während das Niveau der großen Investitionen (12,3%) voraussichtlich stabil bleibt. Am stärksten dürfte die Investitionszunahme heuer bei Ein-Personen-Unternehmen (EPU) mit 29,4% ausfallen. Daher wäre gerade jetzt der ideale Zeitpunkt für eine optimierte Steuerung bei Unternehmensfinanzierungen.

Mehr als 60% der befragten Betriebe finanzierten ihre Investitionen mit Eigenkapital und Innenfinanzierung, Finanzierungen durch Banken haben gegenüber 2014 wieder zugenommen und liegen mit 26% auf dem Niveau der Vorjahre. Die Hauptgründe für Ablehnungen und Kürzungen einer Bankfinanzierung waren wie in den vergangenen Jahren der Mangel an gebotenen Sicherheiten sowie eine vermutete ungünstige Bonität. Großes Interesse, insbesondere bei jüngeren Unternehmen und Start-ups, besteht an alternativen Finanzierungsformen. Knapp ein Viertel der Betriebe würde diese Instrumente künftig nutzen, bei jungen Unternehmen liegt der Anteil sogar bei 32%.

 

 

 

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