Der Weg in die "Gigabiteregion" Salzburg

 

erstellt am
14. 07. 16
11:00 MEZ

Haslauer und Schwaiger präsentierten Landesstrategie für den Breitbandausbau
Salzburg (lk) - Egal ob Flugbuchung, Arztbesuch mit e-card oder die Übermittlung von CAD-Plänen an die Herstellerfirma - die wirtschaftliche Bedeutung des Internet nimmt weiter zu, und das in allen Lebensbereichen. Zur bestmöglichen Nutzung des Internet als zentrales Kommunikationsmedium sind entsprechend ausgebaute Infrastrukturen in hoher Qualität und Leistungsfähigkeit notwendig. Dies soll durch die Landesstrategie für den Breitbandausbau sichergestellt werden, die am 13.07. von Landeshauptmann Wilfried Haslauer und Landesrat Josef Schwaiger präsentiert wurde.

Ziel der Breitbandstrategie ist es, für möglichst alle Bürgerinnen und Bürger Verbesserungen zu erzielen: Kernpunkte sind eine flächendeckende Versorgung mit 100 Mbit/s bis zum Jahr 2020 sowie eine weitere Verbesserung der bereits jetzt zeitgemäß versorgten Gebiete. Dazu wird es ein eigenes Förderprogramm für den Breitbandausbau geben. Weiters wird in einer Koordinationsstelle administrative Unterstützung und Beratung angeboten.

"Das Land Salzburg hat es sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 eine weitgehende Vollversorgung mit ultraschnellem Breitband zu erreichen. Die Breitbandstrategie gibt den Weg zur Erreichung dieses Ziels vor", so Landeshauptmann Haslauer. "Aktuell sind fast 94 Prozent der Wohnsitze mit schnellen Internetanschlüssen versorgt. Mit der Salzburger Breitbandoffensive wollen wir die verbleibenden Lücken schließen, damit die Salzburgerinnen und Salzburger auf eine leistungsfähige digitale Infrastruktur zurückgreifen können. Dies ist der Schlüssel für die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Landes, aber auch eine große Chance für die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten im ländlichen Raum – im wirtschaftlichen und im privaten Bereich", ist Haslauer überzeugt.

"Genauso wie die industrielle Revolution ohne den massiven Ausbau des Schienennetzes nicht umzusetzen gewesen wäre, ist die digitale Revolution ohne Breitbandnetze nicht denkbar. Nur mit dem Ausbau der Datenleitungen kann unsere Gesellschaft von den zahlreichen Chancen einer zunehmend digitalisierten Welt profitieren", stellte Landesrat Schwaiger fest. "Insbesondere dem ländlichen Raum kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Breitbandnetze sind unsere Güterwege des 21. Jahrhunderts und ermöglichen, standortunabhängig an den vielfältigen Möglichkeiten der Digitalisierung zu partizipieren. Die Breitbandstrategie des Landes wird wesentlich dazu beitragen, dass Salzburg für diese digitale Zukunft gerüstet ist."

Für das Land ist die Salzburg AG der strategisch wichtigste Partner beim Breitbandausbau. "Schon jetzt sind zwei Drittel der Salzburger Haushalte am schnellen Internet der Salzburg AG angeschlossen. Bis 2020 investieren wir für unsere Kunden jährlich rund zwölf Millionen Euro in die flächendeckende Breitbandversorgung und schließen damit weitere 30.000 Haushalte an das Salzburg AG-Internet an. Schwerpunkt ist der weitere Ausbau der Glasfaseranbindung", sagte Vorstandssprecher Leonhard Schitter. Die Salzburg AG setzt nun das erste Pilotprojekt der Breitbandstrategie im Gemeindegebiet von Abtenau um. "Bis 2017 wird Abtenau-Radochsberg von 2 Mbit/s an 100 Mbit/s angeschlossen", erklärte Leonhard Schitter.

Ausgangssituation
Im Oktober 2015 hat das Land Salzburg eine Breitbandstrategie für das Bundesland in Auftrag gegeben. SBR-net Consulting AG erstellte mit Unterstützung des Unternehmens correlate.at die Breitbandversorgungsanalysen. Auf Basis der Informationen des Landes und einiger Betreiber entstanden detaillierte Versorgungskarten. Ebenso wurden die Bereiche aktueller und perspektivischer Unterversorgung deutlich. Daraus ergibt sich ein Investitionsbedarf in Höhe von 100 bis 120 Millionen Euro, um eine nahezu flächendeckende Versorgung mit Anschlüssen mit einer Leistungsfähigkeit von 100 Mbit/s zu gewährleisten.

Aktuelle Versorgungslage
Die Versorgungslage im Bundesland Salzburg in Bezug auf Bandbreiten von 100 Mbit/s oder mehr ist aufgrund bestehender weit ausgebauter Netze bereits relativ gut. 100 Mbit/s im Download sind in vielen Bereichen verfügbar. In einigen Teilen können auch 100 Mbit/s im Upload erreicht werden, allerdings nicht in der gleichen geografischen Verfügbarkeit wie im Download.

Die Analyse zeigt jedoch auch Defizite. Es gibt nicht zukunftsfähig versorgte Haushalte und dies vor allem in unterdurchschnittlich besiedeltem Gebiet:

  • 0 bis 8 Mbit/s bekommen fünf Prozent der Bevölkerung, diese liegen aber in neun Prozent des bewohnten Gebietes;
  • 16 bis 50 Mbit/s bekommen 3,8 Prozent, diese machen nur 2,5 Prozent der Fläche aus;
  • 100 Mbit/s können 91 Prozent bekommen (88,6 Prozent des Gebiets), 55 Prozent sogar symmetrisch. (Symmetrisch bedeutet, dass dem Anwender dieselbe Datenrate in Sende- und Empfangsrichtung zur Verfügung steht.)


Generell ist zu sagen, dass die Ortskerne im ganzen Land durchwegs gut erschlossen sind und dort hohe Bandbreiten zur Verfügung stehen. Handlungsbedarf besteht noch außerhalb dieser Zentren in Streusiedlungen und in ländlichen Regionen.

Elemente der Strategie
"Die Salzburger Landesstrategie für den Breitbandausbau orientiert sich an den Zielen des Bundes, geht aber auch darüber hinaus", erläuterte Landesrat Schwaiger. Ein wesentliches Element ist es, die immer wichtiger werdenden symmetrischen Bandbreiten zumindest für die Kundengruppe der geschäftlichen Nutzerinnen und Nutzer zu realisieren.

"Mit der Vorgabe einer flächendeckenden Versorgung mit 100 Mbit/s bis zum Jahr 2020, einem maßgeschneiderten Förderprogramm und einem umfangreichen Unterstützungs- und Koordinationsangebot sind die Elemente bzw. Eckpunkte der Salzburger Breitbandstrategie klar definiert", so der Landesrat.

Schaffung einer flächendeckenden Breitbandversorgung
Bis 2020 sollen Geschäfts- und Privatkunden flächendeckend mit 100-Mbit/s-Anschlüssen versorgt sein, wobei diese Bandbreite bei Geschäftskunden symmetrisch zur Verfügung stehen soll. In längerfristiger Perspektive soll bis 2030 der Weg für eine flächendeckende Versorgung mit noch höheren (symmetrischen) Bandbreiten bis hin zum Gigabit-Bereich geebnet werden, für welche die geeignete technische Infrastruktur verfügbar gemacht werden soll. Die Einbindung des Mobilfunks erfolgt als Versorgungsinstrument für Einzellagen.

Neues Landesförderprogramm
Das Land wird ein eigenes Förderprogramm für den Breitbandausbau erarbeiten, das die privatwirtschaftlichen Investitionen zur Erreichung der Versorgungsziele unterstützt und ermöglicht. Dieses enthält folgende Schwerpunkte:

  • Top-up-Förderung in Ergänzung der bmvit-Förderprogramme in Einzelfällen;
  • Förderprogramm für Unternehmen mit einem entsprechend dringenden Bedarf an hohen Bandbreiten;
  • Unterstützung einzelner Nachfragen mit Fördergeldern aus den Bereichen Bildung und Tourismus, um Anschlüsse mit hohen Bandbreiten zu ermöglichen;
  • Administrative Unterstützung des Breitbandausbaus in Gebieten, in denen Parteien kooperieren (z.B. Gemeinden, Betreiber, Bürgerinitiativen) und Eigenleistungen einbringen, um den Breitbandausbau zu ermöglichen.


"Als ersten Schritt haben wir bereits eine neue Förderung von Breitband-Hochleistungszugängen für Unternehmen ins Leben gerufen. Damit unterstützt das Wirtschaftsressort gewerbliche Unternehmen bei Investitionen in Breitbandinfrastrukturen", so Landeshauptmann Haslauer. Damit werden die Errichtung und Herstellung von ultraschnellen Breitband-Glasfaser-Internetanschlüssen (FTTH) für KMU im Ausmaß bis zu 10.000 Euro (und maximal 50 Prozent der Kosten) gefördert. Detailinformationen gibt es unter www.salzburg.gv.at/förderungen

Ein erstes Pilotprojekt zum Ausbau der Infrastruktur wurde schon heuer in Angriff genommen, sagte Vorstandssprecher Schitter: "Bei den Arbeiten für die Breitbandstudie ging hervor, dass Abtenau-Radochsberg zum größten Teil mit nur zirka 2 Mbit/s versorgt wird. Wir haben jahrelange Erfahrung im Breitbandausbau in geographisch herausfordernden Gebieten und starten noch 2016 mit dem Anschluss ans Kabelnetz der Salzburg AG der Ortsteile Radochsberg Mitte, Schule, Schweitzer, Schnitzhofer, Thurnhof, Erlbach und Moos. Die Arbeiten sind 2017 abgeschlossen. Besonders stolz sind wir darauf, dass wir österreichweit die ersten sind, die flächendeckend alle Schulen mit 100 Mbit/s versorgen können. Unser Ziel ist es, bis 2017 alle Schulen in Stadt und Land Salzburg an 100 Mbit/s und mehr anzuschließen."

Administrative Unterstützung, Transparenz und Koordination
Um den Zugang zur passiven Infrastruktur zu verbessern, kosteneffizient zu arbeiten und möglichst viele Synergien zu nutzen, wird eine Koordinationsstelle für die Ausbaumaßnahmen eingerichtet. Diese wird Drehscheibe für den Informationsaustausch zur Koordinierung von Bauarbeiten, für die Nutzung von Synergien bei landeseigenen Infrastrukturprojekten in den Bereichen Straßenbau und Güterwegebau und ist zugleich Ansprechpartner für Gemeinden bei Fragen zum Breitbandausbau.

 

 

 

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