Stöger mahnt sozialen Zusammenhalt
 als Kitt der Demokratie ein

 

erstellt am
28. 09. 16
11:00 MEZ

Sozialminister warnt davor, Arme gegen Ärmere auszuspielen – Soziale Lösung in der Frage der Mindestsicherung gefordert – Wertschöpfungsabgabe soll Sozialsystem mitfinanzieren
Wien (sk) - Sozialminister Alois Stöger hat am 28.09. bei der Sozialkonferenz des Pensionistenverbands Österreich (PVÖ) im Dr.-Karl-Renner-Institut betont, dass Sozialpolitik entscheidend für die Demokratie in diesem Land sei. Der PVÖ habe immer die Lebensbedingungen der Menschen im Auge und stehe für eine vernünftige, nachhaltige Politik in ihrem Sinne. Der Minister betonte die Bedeutung des sozialen Zusammenhalts in einer Gesellschaft, denn dieser halte auch die Demokratie zusammen. Österreich sei bekannt dafür, dass es soziale Sicherheit biete. „Es war die Sozialdemokratie, die kollektive Schutzsysteme entwickelte und damit die Freiheit der Menschen massiv erhöhte“, so Stöger. „Genau dieser Zusammenhalt wird jetzt, etwa durch Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit erschüttert, die Menschen sind verunsichert und manche schüren diese Verunsicherung bewusst weiter. Da werden die Armen gegen die noch Ärmeren ausgespielt“, kritisierte der Minister. Dabei dürfe man nicht mitmachen, so Stöger. Stattdessen seien Probleme genau anzuschauen und zu handeln.

Stöger sprach sich gegen das Ausspielen bei Sozialleistungen, etwa von ÖsterreicherInnen gegen NichtösterreicherInnen aus. „Dabei geht es immer um die Kürzung von Sozialleistungen, das trifft zuerst die Ärmsten, dann die Armen, die, die vom staatlichen Transfer abhängen, und dann sind die PensionistInnen nicht mehr weit“, gab Stöger zu bedenken. Das schaffe Armut, Obdachlosigkeit und nehme Kindern Perspektiven.

Zur Mindestsicherung sagte Stöger, dass er kein Land wolle, in dem es soziale Spannungen wie etwa in anderen Großstädten gibt. „Ich will bei der Mindestsicherung um eine soziale Lösung kämpfen“, so Stöger. Es solle kein Keil zwischen Menschen auf der Flucht und ÖsterreicherInnen getrieben werden oder das Modell Mindestsicherung verschlechtert werden. Der Minister fordert „gleiche Bedingungen in ganz Österreich für die Mindestsicherung statt neun verschiedene“. Klar sei auch, dass sich Menschen auf der Flucht, die in Österreich Schutz gefunden haben, integrieren müssen.

Zum Thema Arbeitslosigkeit betonte der Minister, dass diese eine große Herausforderung sei, aber immer wieder übersehen werde, dass es derzeit auch Rekordbeschäftigung in Österreich gebe – ein Plus von 57.000 Arbeitsplätzen gegenüber August 2015. „In der Arbeitsmarktpolitik stehen wir vor Herausforderungen, ganz entscheidend ist hier die Qualifizierung“, so Stöger, der auf die Ausbildungspflicht der 15- bis 18-Jährigen hinwies. Darüber hinaus wurde ein Arbeitsmarktpaket beschlossen, das unter anderem Fachkräftestipendien und zusätzliche Stellen für das Arbeitsmarktservice enthält.

Zum Thema Flucht sagte der Minister, dass Menschen, die hier Schutz suchen, eine große Herausforderung für Gesellschaft und Sozialsystem sind, aber dieser Schutz sei alternativlos: „In einer aufgeklärten Gesellschaft muss man einen Beitrag leisten, diesen Menschen Schutz zu bieten.“ Als Unterstützung in diesem Zusammenhang soll ein Integrationsjahr dienen, in dem unter anderem die Sprache erlernt und Orientierungskurse über Kultur und Leben in Österreich absolviert werden sollen.

Stöger sei Bundeskanzler Kern sehr dankbar dafür, dass er sagte, dass eine stärkere europäische Perspektive in der Frage der Zuwanderung, aber auch in der Frage der Investitionen nötig sei: „Wirtschaftspolitische Maßnahmen wirken nur, wenn sie geballt auf EU-Ebene vorgenommen werden.“ 500 Mrd. Euro mehr an Investitionen seien ein wichtiger Impuls auch für eine neue Sozialpolitik.

Zur Wertschöpfungsabgabe sagte der Sozialminister, dass der Faktor Arbeit entlastet und für diese Entlastung eine neue Finanzierung des Sozialstaats aufgestellt werden müsse. Etwa, indem Unternehmen mit hoher Wertschöpfung ihren Beitrag zum Sozialstaat leisten, das sei „dringend nötig“. Die Steuerreform habe die Einkommen auch schon entlastet, dies habe bereits die Konjunktur angehoben.

Beim Thema Pensionen wollte der Sozialminister den laufenden Verhandlungen nicht vorgreifen, betonte aber, dass unser umlagefinanziertes Pensionssystem im Vergleich mit kapitalgedeckten Modellen am sichersten sei. „Ein Viertel der Menschen in Österreich hat selbst in der Krise pünktlich seine Pension erhalten“, so Stöger. Wichtige Weichen seien bereits beim Pensionsgipfel im Februar gestellt worden, wie die Erhöhung der Ausgleichszulage auf 1000 Euro für Menschen, die 30 Jahre lang gearbeitet, aber niedrige Einkommen hatten. Wichtig sei auch, dass das Thema Pensionsautomatik oder die vorzeitige Erhöhung des Frauenpensionsalters nicht zur Debatte stünden. Stöger sprach dem PVÖ seinen Dank aus, immer eine klare Position in Sachen Pensionen einzunehmen.

PVÖ-Präsident Karl Blecha forderte in einem Referat „ein stärkeres Plus“ bei der Pensionsanpassung 2017. Blecha konkret: „100 Euro netto zusätzlich, automatisch im Frühjahr 2017 ausbezahlt, das ist der konkrete Vorschlag des Pensionistenverbandes. Der Hunderter ist als zusätzlicher Teuerungsausgleich konzipiert und kein Teil der Pension.“ Dieser Hunderter sei nur für das Inland gedacht. Blecha:
„Die PensionistInnen brauchen diese 100 Euro, weil Mieten und Lebensmittel, Pflegeleistungen und Gebühren überdurchschnittlich gestiegen sind."

 

 

 

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