Gemeinsamer Strommarkt: Tirol sucht Allianz mit Bayern

 

erstellt am
17. 02. 17
13:00 MEZ

LH Platter und LHStv Geisler richten Schreiben an Bayerns Energieministerin Ilse Aigner
München/Innsbruck (lk) - Seit 2002 arbeiten Österreich und Deutschland am Strommarkt eng zusammen und bilden eine gemeinsame Strompreiszone. Damit soll es ab Juli 2018 vorbei sein. Deutschland will den grenzüberschreitenden Stromhandel einschränken – mit negativen Auswirkungen – wie Tirols LH Günther Platter und Energielandesrat LHStv Josef Geisler befürchten. Sie haben deshalb ein Schreiben an die für Energiefragen zuständige bayerische Staatsministerin Ilse Aigner gerichtet.

„Die gemeinsame Strompreiszone ist ein Paradebeispiel für eine gelungene grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Diese Zusammenarbeit aufzukündigen bzw. einzuschränken, ist gerade in Zeiten, in denen die EU immer weiter auseinanderdriftet, der falsche Weg“, argumentieren Platter und Geisler. Zudem sei der gemeinsame Strommarkt eine Voraussetzung für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energieträger und die Netzstabilität. „Das Ende des gemeinsamen Strommarktes wäre ein Rückschlag für die Energiewende in Europa. Außerdem müssten die heimischen Stromkunden mit höheren Strompreisen rechnen“, führt LHStv Geisler aus. Schätzungen zufolge könnte der Strompreis um bis zu 15 Prozent steigen.

Pumpspeicherkraftwerke als grüne Batterie
In Bayern sieht Tirol einen Verbündeten in Sachen Erhaltung des gemeinsamen Strommarkts. „Es geht auch um die Versorgungssicherheit Bayerns. Die innerdeutschen Speicherkapazitäten reichen nicht aus, um den überschüssigen Strom aus den Windkraftanlagen in Norddeutschland und den Photovoltaik-Anlagen in Süddeutschland aufzunehmen. Das erledigen unsere Pumpspeicherkraftwerke. Tirol ist die Batterie der Energiewende. Herrscht in Deutschland Flaute, springen wir wiederum mit unseren Speicherkraftwerken ein“, erklärt Josef Geisler.

Das sei natürlich ein Vorteil für die Tiroler Kraftwerksbetreiber, garantiere aber auch die Versorgungssicherheit in Bayern. Kommt es zur Markttrennung, würden in Bayern Gaskraftwerke statt saubere Ausgleichsenergie aus Wasserkraft für Netzstabilität sorgen müssen. Und das könne ebenfalls nicht im Interesse der ehemaligen deutschen Bundesumweltministerin und nunmehrigen bayerischen Wirtschafts- und Energieministerin Ilse Aigner sein, ist Geisler überzeugt.

 

 

 

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