LK Ungarn und LK Österreich appellieren
 an EU, ländliche Regionen zu stärken

 

erstellt am
22. 03. 17
13:00 MEZ

Klartext-Veranstaltung: "Wirtschaft am Land: Datenautobahn oder Abstellgleis?"
Budapest/Wien/Eisenstadt (lk-oe) - Um die nachhaltige Entwicklung der ländlichen Regionen sicherzustellen und die Lebensqualität auf dem Land zu verbessern, bedarf es einer Reihe von Maßnahmen. Daher appellieren der Präsident der LK Österreich, Hermann Schultes, und der Präsident der Ungarischen Landwirtschaftskammer, Balázs Gyorffy, in einer gemeinsamen Erklärung an die Entscheidungsträger der EU, den ländlichen Raum durch den Ausbau der ländlichen Infrastruktur und durch eine entsprechende finanzielle Absicherung der Landwirtschaft zu stärken.

Die Situation im ländlichen Raum haben die Österreichische und die Ungarische Landwirtschaftskammer gemeinsam mit hochrangigen Experten am 21.03. im Rahmen einer Klartext-Veranstaltung in Eisenstadt behandelt. Unter dem Titel "Wirtschaft am Land: Datenautobahn oder Abstellgleis?" wurde darüber informiert, dass der Anteil der Menschen, die in der Stadt leben, EU-weit bei 75% liegt (in Österreich bei 66%, in Ungarn bei 71%) und dieser nach wie vor ansteigt. Abwanderung, speziell der Jugend und der jungen Frauen, bedroht die ländlichen Räume in ihrer Zukunftsfähigkeit. Auch in der Verkehrs- sowie Kommunikationsinfrastruktur gibt es sowohl in Österreich als auch in Ungarn große Unterschiede zwischen Stadt und Land, was ein besonderes Problem bedeutet.

Hermann Schultes: Menschen wollen am Land ihre Lebensziele verwirklichen können
LK Österreich-Präsident Schultes stellte fest, dass "das Land nur dann Zukunft hat, wenn die Menschen, die zuziehen, die Ziele in ihrem Leben auch verwirklichen können." Dafür seien auch die technischen Voraussetzungen zu schaffen. Vorrang bei der Versorgung der ländlichen Räume mit geeigneter Infrastruktur müssten jene Gebiete haben, in denen sich die Wirtschaft heute schon vor Problemen sehe, so Schultes weiter. Wörtlich: "Dort brauchen die Jungen die Datenautobahn, um wirtschaften zu können. Unser Ziel ist es, den jungen Menschen, die ihre Chance nutzen wollen, die Möglichkeit zu geben, am Land zu bleiben und dort zu leben. Das hat auf die gesamte Bevölkerung positive Auswirkungen. Denn dort, wo junge Menschen bleiben, haben auch die alten ein gutes Leben." Schultes führte weiter aus: "Neben dem zügigen Ausbau fehlender Infrastruktur gilt es für Land- und Forstwirtschaft, sich für die Herausforderungen der Zukunft zu rüsten. Dazu gehören neue, Ressourcen-schonende Techniken, mit denen die Menschen am Land an der Wertschöpfung und Lebensqualität aktiv teilnehmen können."

Gyorffy: Am Ausgleich der regionalen Unterschiede arbeiten, um junge Menschen auf dem Land zu halten
"In Ungarn kann die Internet-Infrastruktur grundsätzlich als gut bezeichnet werden. Der breitere Zugang zum Internet und das Bleiben der jungen Menschen in den ländlichen Regionen bedingen sich gegenseitig. Einerseits kann mit dem Bleiben der Jugendlichen auf dem Land die Internetnutzung gesteigert, anderseits können die Jugendlichen mit der Erweiterung des Zugangs zum Internet dazu veranlasst werden, auf dem Land zu bleiben oder dorthin zu ziehen. Möglichkeiten, die das Internet heute bietet, wie Dienstleistungen, Fernarbeit und so weiter, sichern ein Auskommen und tragen dazu bei, die Abwanderung zu stoppen und sie fördern Entwicklungsprozesse in den ländlichen Gebieten", erläutert der Präsident der Ungarischen Landwirtschaftskammer, Balázs Gyorffy, die Lage in seiner Heimat. "Umfragen haben gezeigt, dass die Altersverteilung, der Bildungsgrad, die Sozialstruktur sowie das Einkommensniveau auf die Computer- und Internetnutzung eine bedeutende Auswirkung haben. In Ungarn bestehen dabei große regionale Unterschiede. Wir sollen daran arbeiten, diese Unterschiede in Zukunft auszugleichen sowie langfristige Lösung anzubieten, um junge Menschen in den ländlichen Regionen zu halten und ihnen eine entsprechende Lebensqualität zu sichern."

Gemeinsame Erklärung: Appell an die Europäische Union
Die beiden Kammern haben in einer gemeinsamen Erklärung einen Appell an die EU gerichtet, eine ausgewogene Entwicklung des ländlichen Raumes auch in der kommenden EU-Agrarpolitik 2021 bis 2027 (GAP) zu gewährleisten. Dies könne nur durch eine vollständige Ausfinanzierung der GAP in der bisherigen Höhe sichergestellt werden. Dabei müsse die GAP die landwirtschaftliche Produktion als Grundlage für Regionalität und Identität stärken, sowie die Vielfalt in der Lebensmittelproduktion und der Struktur der bäuerlichen Betriebe sichern.

Im Rahmen der Ländlichen Entwicklung (ELER) müssen weiterhin die Land- und Forstwirtschaft sowie die Lebensmittelindustrie im Fokus stehen und die Schwerpunkte Wettbewerbsfähigkeit, Bildung, Beratung, Agrarumwelt und der Ausgleich für benachteiligte Regionen wie auch Investitions- und Regionalmaßnahmen weiterentwickelt werden. Daneben müssen die EU-Strukturfonds, insbesondere EFRE und ESF, mehr auf die Bedürfnisse der ländlichen Regionen eingehen. In der Erklärung werden Forderungen nach einer Stärkung der Landwirtschaft in der Wertschöpfungskette formuliert, dies könne durch Markttransparenz, Sicherstellung der Sonderstellung der Landwirtschaft sowie durch eine Neudefinierung der Gemeinschaftspräferenz verwirklicht werden. Nach Meinung der beiden Landwirtschaftskammern sei es in der künftigen GAP empfehlenswert, umfassende Risikomanagementmaßnahmen gegen witterungsbedingte oder andere Marktkrisen auszuarbeiten, um Einkommenseinbußen wirksam ausgleichen zu können. Die Finanzierung solcher Maßnahmen soll nicht aus dem Direktzahlungs-Budget, sondern aus anderen Quellen erfolgen.

 

 

 

Allgemeine Informationen:
http://www.lk-oe.at
http://www.nak.hu

 

 

 

 

 

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