Graz: Neues Museum für Geschichte eröffnet

 

erstellt am
02. 05. 17
13:00 MEZ

Landesgeschichte neu erleben
Graz (museum-joanneum) - Das Museum im Palais Herberstein hat sich neu erfunden. Gemäß dem Motto: „Kommen Sie zu uns, Ihre Geschichte ist schon da!“, besuchten am Abend des 27.04. zahlreiche Interessierte die große Eröffnung des neuen Museums für Geschichte, das fortan die Kulturhistorische Sammlung und die Multimedialen Sammlungen des Universalmuseums Joanneum unter einem Dach vereint. Eröffnet wurde das Museum in der Sackstraße in Anwesenheit des neuen Kulturlandesrats Christopher Drexler und von Wolfgang Muchitsch, Direktor des Universalmuseums Joanneum.

Bettina Habsburg-Lothringen, Leiterin der Abteilung Kulturgeschichte, hat in den vergangenen Monaten gemeinsam mit ihrem Team und dem Architekturbüro INNOCAD intensiv an der inhaltlichen und räumlichen Umgestaltung des Museums gearbeitet – und freut sich über den Erfolg dieses Großprojekts: „Die Steiermark hat einen neuen Ort bekommen, der dazu einlädt, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen. Es ist ein Museum über Menschen und für Menschen, das die Landesgeschichte zeitgemäß vermitteln und auch zur Bewusstseinsbildung beitragen will.“ Die Zusammenführung der beiden Sammlungen sei ein wichtiger Entwicklungsschritt für das Universalmuseum Joanneum, so Leiterin Bettina Habsburg-Lothringen. Das neue Museum für Geschichte zeigt ab 28. April 2017 Fauth fotografiert, die erste Sonderausstellung der Multimedialen Sammlungen am neuen Standort, und das neue Schaudepot der Kulturhistorischen Sammlung. Beide Ausstellungen werden von einem umfangreichen Vermittlungsangebot begleitet. Für das Museums-Foyer und -Stiegenhaus hat die international renommierte Lichtkünstlerin Brigitte Kowanz zwei subtile Arbeiten geschaffen, die ebenso am gestrigen Abend in Anwesenheit der Künstlerin vorgestellt wurden.

Fauth fotografiert: Eine zeit- und fotohistorische Spurensuche
Mit ihrer ersten Ausstellung am neuen Standort präsentieren die Multimedialen Sammlungen einen ganz besonderen „fotoarchäologischen“ Fund: Fauth fotografiert erinnert an Franz Fauth (1870–1947), der im Bezirk Deutschlandsberg auf dem Bauernhof seiner Eltern ein professionelles Foto-Atelier betrieb. Auf dem dortigen Heuboden fanden Mitarbeiter der Multimedialen Sammlungen im Jahr 2016 Tausende Objekte aus vordigitaler Zeit. Eine von den Kuratoren Heimo Hofgartner und Walter Feldbacher getroffene Auswahl dieser Funde erzählt nun die Geschichte dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit und erlaubt Einblicke in die Weststeiermark in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In drei Räumen rekonstruiert die Ausstellung die Geschichte des Ateliers Fauth. „Wenngleich Fauth in all den Jahren seinen Hof in Korbin nie für längere Zeit verlassen hat, finden sich dennoch die großen gesellschaftlichen Veränderungen und politischen Umbrüche der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in seinen Porträts abgebildet“, erklärt Kurator Heimo Hofgartner. Ergänzt durch O-Töne von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen wird die Ausstellung Fauth fotografiert. Ein weststeirisches Hof-Atelier für die Besucher/innen zur spannenden historischen Spurensuche.

Blick ins Depot – Blick ins Land: Gesammelte Geschichte im neuen Schaudepot
Mit der Umgestaltung der Dauerausstellung wurde auch das neue Schaudepot der Kulturhistorischen Sammlung eröffnet. Unter dem Schlagwort „Gesammelte Geschichte“ werden hier etwa 2.000 der insgesamt rund 35.000 Sammlungsobjekte als dichte Collage nach neun Themenbereichen wie „essen & trinken“, „reisen & fortbewegen“ oder auch „forschen & wissen“ geordnet präsentiert. Auf einer Fläche von rund 450 m2 sind Musikinstrumente, Möbel, technische Geräte, Damen-, Herren- und Kindermoden, Monstranzen, Werkzeug, Kacheln und Büsten, Schlösser, Leuchter und Grabkreuze, Schmuck, Uhren, Fahrräder u.v.m. zu sehen. Das Konzept der Innenraumgestaltung der historischen Räumlichkeiten im Palais Herberstein basiert auf einer fließenden Wandverkleidung aus Metallkabeltassen, die gleichzeitig als Träger der Exponate dienen. Die leichttragende, frei gestaltbare Metallkonstruktion ist zum einen schonend für die Innenwände und zum anderen vermittelt sie den industriellen, modularen Charakter eines Depots – „eine zeitgemäße Leichtigkeit trotz der Fülle an Objekten“, wie es Martin Lesjak, CEO und Co-Founder des Architekturbüros INNOCAD treffend beschreibt.

Mit dem neuen Schaudepot will die Kulturhistorische Sammlung des Universalmuseums Joanneum vor allem auch eines: herzeigen, was sie hat. Die Dauerausstellung Gesammelte Geschichte wird ab Herbst 2017 zusätzlich durch Bestände der Multimedialen Sammlungen erweitert, die mit ihren über zwei Millionen Objekten zu den bedeutendsten audiovisuellen Sammlungen Österreichs zählen. Die Präsentation der beiden Sammlungen im Schaudepot vermittelt erstmals einen dauerhaften Einblick in die umfangreichen Bestände. Das Zusammenspiel ermöglicht es, das Werden und den Wandel der Steiermark vom Mittelalter bis in die Gegenwart aus immer wieder neuen Perspektiven zu betrachten. Der Fokus auf die Menschen, der Blick ins Depot und der Bezug zur Region sollen zukünftig im Mittelpunkt stehen. Darüber hinaus dürfen sich die Besucherinnen und Besucher auf ein umfangreiches Vermittlungsangebot und Rahmenprogramm freuen, bestehend aus Gruppen-Führungsrouten, Dialogangeboten, monatlichen Themenführungen sowie einer Geschichtswerkstatt für junge Leute.

Neon trifft Barock: Brigitte Kowanz’ Untersuchung von Raum, Licht, Sprache und Schrift
Am Eröffnungsabend wurde auch die speziell für den Eingangsbereich des Museums konzipierte Arbeit M (2017) der international renommierten Künstlerin Brigitte Kowanz präsentiert, die bei der Eröffnung anwesend war. Kowanz’ Lichtinstallation ist eine subtile Arbeit rund um Schrift, Geschichte und Barockarchitektur und zugleich Teil des Jahresschwerpunkts „Licht 2017“ des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark. „In zeitgemäßer Leuchtschriftenformulierung zitiert die Arbeit von Brigitte Kowanz nicht nur aus der Geschichte, sie irritiert durch das Öffnen eines Diskursfeldes“, betont Elisabeth Fiedler, Kuratorin und Leiterin des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark. Das neue Museum für Geschichte freut sich darüber hinaus über eine zweite Arbeit von Brigitte Kowanz als Leihgabe auf zehn Jahre: Die unendliche Falte ist das Charakteristikum des Barock (2007/2016) ist ein von der Künstlerin handschriftlich in Neon überführtes Zitat aus dem Buch Die Falte von Gilles Deleuze. In schlichter Schönheit faltet sich das Zitat am Prunk-Stiegenhaus empor, dem barocken illusionistischen Deckengemälde entgegen.

Das neue Museum für Geschichte vereint in der Sackstraße somit Geschichte mit der Gegenwart: Mit den neuen Ausstellungen spannt das Museum den Bogen vom Schaudepot mit historischen Objekten über die Ausstellung Fauth fotografiert, die das 20. Jahrhundert beleuchtet, bis zur zeitgenössischen Lichtkunst.

 

 

 

Weitere Informationen:
http://www.museumfürgeschichte.at

 

 

 

 

 

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