Innsbrucker Chirurg wird neuer Präsident der ESOT

 

erstellt am
12. 09. 17
13:00 MEZ

Stefan Schneeberger wird jüngster Präsident in der Geschichte der Europäischen Gesellschaft für Organtransplantationen – Mangel an Spenderorganen: ESOT unterstützt Einführung neuer Methoden – Auszeichnung für Innsbrucker Transplantationszentrum
Barcelona/Innsbruck (imed) - Innsbruck zählt zu den größten Transplantationszentren Europas. Jetzt wird der Leiter der Transplantationschirurgie an der Spitze einer der weltweit aktivsten Gesellschaften in diesem Bereich, der Europäischen Gesellschaft für Organtransplantationen (ESOT), stehen. Stefan Schneeberger übernimmt im Rahmen der Jahrestagung in Barcelona (24.-27.9.2017) als jüngster Präsident in der Geschichte der Organisation den ESOT-Vorsitz für zwei Jahre.

Derzeit warten laut Eurotransplant rund 15.000 Menschen in Europa auf eine Organspende, es gibt zu wenig Spenderorgane. Eine Herausforderung, die sich durch neue Indikationen noch verschärfen wird: Erkrankungen, wie beispielsweise die nichtalkoholische Fettleber (NAFLD), nehmen stark zu. Verbesserte Therapien ermöglichen es, nach einer überstandenen Krebserkrankung das betroffene Organ durch ein Spenderorgan zu ersetzen. In der Transplantationsmedizin wird daher mit Hochdruck an der Einführung und Verbesserung bestehender Methoden gearbeitet. Die „Europäische Gesellschaft für Organtransplantation“ (European Society for Organ Transplantation, ESOT) strukturiert und optimiert diese Aktivitäten in Europa und weltweit. Der neue ESOT-Präsident Stefan Schneeberger ist Leiter der Transplantationschirurgie der Innsbrucker Univ.-Klinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie (Direktor: D. Öfner-Velano). Neben der Förderung der Forschung setzt der 44-jährige Tiroler Chirurg auf die weltweite Vernetzung unter anderem mit Asien und auf die Verbesserung der Fortbildungsmöglichkeiten. Neben zahlreichen etablierten Konferenzen und Ausbildungsprogrammen bietet die Gesellschaft demnächst mit der Veröffentlichung des ESOT Education Chanel das weltweit umfassendste digitale Ausbildungsprogramm. Damit wird ein neuer Meilenstein gesetzt.

Neue Methoden bringen Fortschritt
Einen großen Fortschritt in der Transplantationsmedizin bringt die so genannte ex-vivo Perfusion. Dabei werden zugeteilte Organe außerhalb des Körpers mittels kontinuierlicher Perfusion konserviert. Der Anschluss an solche Maschinen ermöglicht eine bessere Beurteilung der Qualität aber auch eine längere Haltbarkeit der Organe. Im bisher herkömmlichen Verfahren bleibt dem Transplantationsteam nach der Durchtrennung bis zur erneuten Durchblutung im Spenderkörper nur wenige Stunden. „In Zukunft könnten es mehrere Tage oder sogar Wochen sein“, erklärt Stefan Schneeberger. Auch sollen die Rahmenbedingungen und Therapien verbessert werden, um den Erfolg der Eingriffe und die Funktion der Spenderorgane zu steigern. Ein Schlagwort in diesem Zusammenhang ist das „surgery enhancing food“ – also verbesserte Ernährungsstrategien zur optimalen Unterstützung der PatientInnen.

Auszeichnung für Innsbrucker Transplantationszentrum
Die Wahl von Stefan Schneeberger zum ESOT-Präsidenten ist eine Auszeichnung für das Innsbrucker Transplantationszentrum. Seit Beginn des Transplantationsprogramms in Tirol 1974 wurden über 6.600 Organe eingesetzt, allein 242 davon im letzten Jahr. Mit 81 Lebertransplantation 2016 ist Innsbruck österreichweit führend in diesem Bereich. Ein Schwerpunkt liegt auf der Lebertransplantation mittels Lebendspende, also eines Leberteils durch einen nahen Angehörigen. Diese Methode wird vor allem bei Kindern angewendet und kann österreichweit nur in Innsbruck durchgeführt werden. „Fast 100 Prozent der Patientinnen und Patienten, die in Innsbruck eine Bauchspeicheldrüsen-transplantation hatten, benötigen nach der Operation kein Insulin mehr“, sagt Schneeberger. Auch die durchschnittlichen Wartezeiten liegen im europäischen Spitzenfeld: Auf eine Niere warten PatientInnen zwei Jahre, auf eine Leber 78 Tage und 229 Tage auf eine Pankreas-Transplantation. Die interdisziplinäre und klinikübergreifende gute Zusammenarbeit am Standort sei einer der Gründe für das hervorragende internationale Abschneiden, so Schneeberger.

ESOT-Tagung in Barcelona: Weltweit größtes Meeting zur Transplantationsmedizin
Die Jahrestagung der ESOT (24.-27.9.2017) in Barcelona ist das weltweit größte Meeting zur Transplantationsmedizin. Neben 3.500 TeilnehmerInnen vor Ort in Spanien werden zeitgleich weltweit mehrere parallele sogenannte HUB-Meetings (Knotenpunkt-Treffen), insbesondere in Asien, stattfinden. Die ESOT setzt nicht nur auf neue Innovativen in ihrem Fachbereich, sondern auch auf digitale Kongresstechniken: So fand bereits 2013 der erste papierlose Kongress statt. www.esot.org. Heute gilt die Veranstaltung als Innovationsmotor im globalen Kongresswesen. Beispielsweise wird das Monitoring des Suchverhaltens innerhalb der Kongress-Apps für die Analyse von individuellen Interessen und Präferenzen verwendet und daraus ein personalisiertes Kongressprogramm für alle TeilnehmerInnen angeboten.

Stefan Schneeberger
Der gebürtige Österreicher Stefan Schneeberger (44) hat in Innsbruck studiert, promoviert und habilitiert. Der Facharzt für Allgemein- und Visceralchirurgie war von 2006 bis 2010 am renommierten Transplantationszentrum der Universität von Pittsburgh tätig. 2010 kehrte er in Teilzeit nach Innsbruck zurück und fungierte als Visiting-Professor an der bekannten Johns Hopinks Universität in Baltimore (USA). Seit 2014 ist er ausschließlich an der Medizinischen Universität Innsbruck tätig, Leiter der Transplantationschirurgie und Hepatobiliären Chirurgie sowie zweiter Klinikleiterstellvertreter. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Lebertransplantationen, Ischämie-Reperfussionsschäden sowie Extremitäten-transplantationen. Der aktive Forscher kann auf 150 Originalarbeiten verweisen.

 

 

 

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