Suchtgipfel: Konkrete Ergebnisse und Arbeitsaufträge

 

erstellt am
02. 08. 18
13:00 MEZ

LHStv.in Prettner: Unreflektierter Misch-Konsum birgt große Gefahr – Zusammenarbeit mit Ärztekammer wird verstärkt – Augenmerk auf Prävention
Klagenfurt (lpd) - Der Kärntner Suchtgipfel, der am 1. August unter Einbindung von Vertretern der Ärzteschaft, Drogenambulanzen, Streetwork und Exekutive auf Einladung von Gesundheitsreferentin LHstv.in Beate Prettner in Klagenfurt stattfand, brachte zahlreiche konkrete Ergebnisse und Arbeitsaufträge. „Unisono wurde von Seiten der Experten berichtet, dass eines der Hauptprobleme das geänderte Konsumverhalten der Patienten ist. Die Substanzen werden gemischt, zu den bekannten illegalen Drogen kommen verschreibungspflichtige Beruhigungsmittel und synthetisch hergestellte Produkte, deren Wirkung kaum bekannt ist. Das ganze ergibt einen tödlichen Cocktail“, erklärte Prettner bei der anschließenden Pressekonferenz. Auf Anregung der beim Gipfel anwesenden Mediziner solle daher die Bewusstseinsbildung und Schulung der niedergelassenen Ärzte verstärkt werden.

„Eine eigene Kommission wird sich alle Todesfälle in Folge von Suchtgiftkonsum der vergangenen Jahre anschauen und nach Gemeinsamkeiten suchen. Was bereits aufgrund der Obduktionsergebnisse zu beobachten ist: Fast alle Verstorbenen hatten Benzodiazepine genommen. Diese Schlaf- bzw Beruhigungsmittel werden häufig verordnet, stellen aber in Kombination mit illegalen Drogen eine große Gefahr dar“, so die Gesundheitsreferentin. Angeregt wurde von Seiten der Experten eine Art Medikamenten-Vignette, die auf die potenzielle Gefahr solcher verschreibungspflichtiger Produkte hinweist. „Gemeinsam mit der GKK und der Ärztekammer werden wir geeignete Schritte erarbeiten“, kündigte Prettner an.

Der Leiter des Landeskriminalamts, Oberst Gottlieb Türk, schilderte die aktuelle Lage in punkto Drogenkriminalität in Kärnten und betonte, dass die steigende Zahl an Anzeigen in erster Linie mit der erhöhten Kontrolldichte und Schwerpunktaktionen der Polizei zu erklären sei. Im Bundesländervergleich liege Kärnten bei den Anzeigen pro Kopf im Zusammenhang mit Drogendelikten im hinteren Mittelfeld. „Die Stadt Klagenfurt ist im Vergleich mit den anderen Landeshauptstädten sogar Schlusslicht bei den Anzeigen pro Kopf“, so Türk.

Ein weiteres Ergebnis des Suchtgipfels wird die Ausweitung der Präventionstätigkeit sein. „Prävention setzt vor allem bei Einstiegsdrogen an, wir werden sie aber auch auf Hochrisikosubstanzen wie etwa Ecstasy erweitern“, berichtete Prettner. Wichtig sei vor allem das frühe Erkennen von Suchtverhalten, betonte Barbara Drobesch, Leiterin der Unterabteilung Prävention und Suchtkoordination in der Abteilung 5 – Gesundheit und Pflege im Amt der Kärntner Landesregierung. „Hier ist jeder gefragt und gefordert, hinzuschauen: Eltern, Lehrer, Freunde, Nachbarn.“

Festzustellen sei ein Anstieg der Einnahme von leistungssteigernden Mitteln. „Hier sind unter anderem junge Leute hoch gefährdet, die in ihrer Ausbildung unter Druck stehen und Substanzen in Selbstmedikation einnehmen – leistungssteigernde Substanzen, um auf Punkt einsatzbereit zu sein und beruhigende Substanzen, um auf Punkt wieder chillen zu können. So ein Verhalten führt sehr oft direkt in die Abhängigkeit“, erklärte Drobesch. Hier würden vor allem Lebenskompetenzprogramme greifen, die in den Kärntner Volksschulen und neuen Mittelschulen angeboten werden.

Kärnten bietet 1500 ambulante Therapieplätze an. „Darüber hinaus erhält jede Person, die den Antrag auf eine stationäre Entwöhnung stellt, dafür auch einen Platz“, betonte Prettner. Nach der Erweiterung der Drogenambulanz Klagenfurt wird nun die Ambulanz in Villach räumlich erweitert und eine fixe Drogenberatungsstelle in Feldkirchen eingerichtet. „Zudem wollen wir in Zusammenarbeit mit der Ärztekammer mehr niedergelassene Ärzte dazu motivieren, Substitutionsbehandlungen anzubieten, um die Versorgung im ländlichen Raum sicherzustellen“, so die Gesundheitsreferentin. Für Drogenberatung und Therapien gibt das Land Kärnten jährlich rund drei Millionen Euro aus, für Präventionsprogramme 270.000 Euro.

 

 

 

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