Gespräch über das Erinnern und den
 Umgang mit Österreichs NS-Vergangenheit

 

erstellt am
09. 05. 19
13:00 MEZ

Tag der Befreiung Fest der Freude: NR-PräsidentInnen Sobotka und Bures sowie in Vertretung Rosenkranz in ORF III-Talkrunde
Wien (pk) Der 8. Mai wird als Tag der Befreiung, der Beendigung des Zweiten Weltkriegs in Europa gefeiert und ist dem Gedenken an die Opfer der NS-Herrschaft gewidmet. Das Mauthausen Komitee Österreich veranstaltet an diesem Tag seit 2013 jährlich auf dem Wiener Heldenplatz das Fest der Freude mit einem Konzert der Wiener Symphoniker. Im Rahmen eines ORF III-Themenschwerpunkts diskutierte ORF-III-Chefredakteurin Ingrid Thurnher am 8. Mai mit Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka, Zweiter Nationalratspräsidentin Doris Bures sowie FPÖ-Klubobmann Walter Rosenkranz in Vertretung von Dritter Nationalratspräsidentin Anneliese Kitzmüller über die Bedeutung des Erinnerns und über den Umgang mit Österreichs Vergangenheit im Nationalsozialismus.

Sobotka: Gesamtheitlicher Bildungsauftrag gegen Antisemitismus
Österreich widme sich dieser Tage vielfältig dem Gedenken, strich Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka hervor. Nach der Gedenkveranstaltung in der Hofburg und der Befreiungsfeier in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen bringe beim Fest der Freude die Zivilgesellschaft zum Ausdruck, was die Befreiung für Österreich bedeute. Das sei keine Frage eines Feiertages am 8. Mai, sondern der Einstellung, so Sobotka.

Was die Erinnerungskultur betrifft, zeige eine vom Parlament in Auftrag gegebene und Anfang des Jahres präsentierte Antisemitismusstudie, dass es nach wie vor einen gesamtheitlichen Bildungsauftrag gibt zumal ein nach wie vor vorhandener, latenter Antisemitismus dort zurückgehe, wo junge Leute gebildet sind. Der Auftrag betreffe auch den so genannten importierten Antisemitismus, sagte Sobotka, wo alles daran zu setzen sei, Bewusstsein zu vermitteln.

Dass der Koalitionspartner FPÖ nicht zur Befreiungsfeier in Mauthausen eingeladen wurde, bedauerte der Nationalratspräsident, das sei aber eine Angelegenheit des Mauthausen Komitees.

Bures: "Niemals wieder", aber auch "Wehret den Anfängen"
Wesentlich ist für Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures, dass der 8. Mai der Tag der Freude, der Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschrechte ist und hierzu eine historische Klärung herbeigeführt wurde. Es sei noch nicht so lange her, dass auf der einen Seite des Platzes für Menschenwürde und Demokratie als Fest der Freude eingetreten wurde, auf der anderen Seite WKR-Burschenschafter einen Tag der Trauer, der militärischen Niederlage ausgerufen haben.

Wichtig ist der Zweiten Nationalratspräsidentin auch, dass gerade die Feier dieses Tages das Friedensprojekt Europa unterstützt. "Heute liegt es an uns, dafür zu sorgen, dass nächste Generationen auch in Frieden und Demokratie leben können," betonte Bures im Rückblick auf die Situation nach 1945 und die Lehren, die daraus zu ziehen seien. Bei den Gedenkfeiern gelte es zugleich "Niemals wieder", aber auch "Wehret den Anfängen" zu sagen. Nationalismus, Rassismus, Minderheitenfeindlichkeit und das politische Ausspielen von Religionen dürfen keinen Platz in unserer Gesellschaft haben, so die Zweite Nationalratspräsidentin.

Rosenkranz: Zunehmende Distanz führt zur Erkenntnis der ausschließlichen Freude
Ein Tag der Trauer oder des Gedenkens einer Niederlage habe seitens des Korporationsrings so nicht stattgefunden, entgegnete FPÖ-Klubobmann Walter Rosenkranz Doris Bures. Vielmehr sei dort aller Opfer des Zweiten Weltkrieges gedacht worden, der zivilen wie militärischen.

Der 8. Mai sei ein Tag, an dem es millionenfach Schicksale gibt, sagte Rosenkranz auch aus seiner eigenen, familiären Sicht. Wäre der Krieg früher beendet worden, hätte er vielleicht seinen Großvater noch kennengelernt. Sein Vater wiederum sei zurückgekehrt an diesem Tag. Aus Sicht von Rosenkranz bringe zunehmende Distanz auch mehr Erkenntnis, dass es ausschließlich ein Tag der Freude ist: ein Beenden des Schlachtens auf dem europäischen Kontinent, des Völkerringens, des diktatorischen Systems und die Befreiung aus den Konzentrationslagern.

Das Mauthausen Komitee bezeichnete er - als private Institution, die hervorragende Arbeit leiste - in der Gestaltung seiner Feier völlig frei. Es schmerze ihn zwar, als demokratisch legitimierte Partei mit Regierungsverantwortung nicht eingeladen worden zu sein, so Rosenkranz, der aber auch in den Raum stellte, dass in "all diese Dinge" etwas Parteipolitik hineinspiele.

Der ORF III-Sendebeitrag mit der Talkrunde ist unter https://tvthek.orf.at online abrufbar.

 

 

 

Allgemeine Informationen:
https://www.parlament.gv.at

 

 

 

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