Jüdisches Museum Wien präsentiert
 Architekturentwürfe Simon Wiesenthals

 

erstellt am
28. 05. 19
13:00 MEZ

Ausstellung „Café As. Das Überleben des Simon Wiesenthal“ ab 29. Mai zu sehen
Wien (rk) - Das Jüdische Museum Wien, ein Museum der Wien Holding, präsentiert von 29. Mai 2019 bis 12. Jänner 2020 die Geschichte einer Wiederentdeckung: Architekturentwürfe von Simon Wiesenthal, die lange als verschollen galten. Das Konvolut umfasst 80 Zeichnungen für ein nie umgesetztes Kaffeehaus, das „Café As“. Das Zeichnen dieser Entwürfe wurde für Simon Wiesenthal im Konzentrationslager Mauthausen zum Lebenselixier und sie sind Zeugnis des Überlebens im mörderischen System des Nationalsozialismus.

„Eigentlich bin ich Architekt“
Simon Wiesenthal ist heute als jener Mann bekannt, der sein Leben der Gerechtigkeit und den Opfern der Schoah widmete. Sein Beruf als Architekt, den er bis zu seiner Verfolgung durch das NS-Regime ausübte, ist jedoch in Vergessenheit geraten. Wiesenthal lernte im Konzentrationslager Mauthausen einen Mithäftling kennen. Dieser politische Häftling namens Edmund Staniszewski rettete Wiesenthal das Leben, indem er ihm immer wieder Essen zusteckte. Staniszewski hoffte nach Kriegsende, ein Kaffeehaus in Posen eröffnen zu können und bat Wiesenthal um Ideen. Noch im Konzentrationslager Mauthausen fertigte Wiesenthal erste Skizzen an. In den Wochen nach der Befreiung vervollständigte er sie zu Zeichnungen. Simon Wiesenthal entwarf Außen- und Innenansichten, aber etwa auch Kleidung für das Personal und Werbeplakate – ähnlich einer heutigen „Corporate Identity“. Zur Errichtung des „Café As“ kam es jedoch nie. Staniszewski starb 1984. Die Zeichnungen galten als verschollen, bis sein Schwiegersohn entschloss, das Konvolut zu verkaufen und es damit an die Öffentlichkeit zu bringen. Die 80 detailreichen Entwürfe konnte das Jüdische Museum Wien mit Unterstützung der „US Friends of the Jewish Museum Vienna“ erwerben.

Ein Leben für die Gerechtigkeit
Mauthausen war die letzte Station des langen Leidenswegs von Simon Wiesenthal. Dieser führte von seiner Verhaftung in Lemberg, im Sommer 1941, über insgesamt zwölf Konzentrationslager schließlich nach Mauthausen. Bereits kurz nach der Befreiung begann er mit der Suche nach den VerbrecherInnen des NS-Regimes, setzte diese in Linz, später in Wien fort und gründete 1947 ein eigenes Büro. 1960 trugen seine Nachforschungen zur Verhaftung von Adolf Eichmann bei. Wiesenthals detektivischer Akribie ist es zu verdanken, dass auch einige andere hochrangige Nazis vor Gericht gestellt wurden. Die vielen Freisprüche lösten bei Wiesenthal tiefe Betroffenheit aus und sorgten international für Fassungslosigkeit. Zeit seines Lebens blieb Simon Wiesenthal der Gerechtigkeit verpflichtet, dafür wurde er international geehrt und gefeiert. In Österreich allerdings wurde er oft als unbequemer Zeitzeuge verunglimpft.

„Café As. Das Überleben des Simon Wiesenthal“ ist von 29. Mai 2019 bis 12. Jänner 2020 im Jüdischen Museum Wien, einem Museum der Wien Holding, zu sehen. Zur Ausstellung, die von Michaela Vocelka kuratiert und von Cheko Sterneck gestaltet wurde, erscheint ein Katalog zum Preis von 18,- Euro im Eigenverlag. Das Jüdische Museum Wien, Dorotheergasse 11, 1010 Wien, ist von Sonntag bis Freitag 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der zweite Standort, Museum Judenplatz, Judenplatz 8, 1010 Wien, ist von Sonntag bis Donnerstag von 10 bis 18 Uhr, freitags 10 bis 14 Uhr (Winterzeit) bzw. 17 Uhr (Sommerzeit) geöffnet.

 

 

 

Weitere Informationen:
http://www.jmw.at

 

 

 

 

 

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