36. ASPR-Sommerakademie auf Burg Schlaining

 

erstellt am
15. 07. 19
13:00 MEZ

Emotionen im Konflikt - Emanzipation in Zeiten von Ressentiment
Stadtschlaining (aspr) - Die diesjährige Sommerakademie wurde mit Begrüßungs- und Dankesworten vom ASPR-Präsidenten Norbert Darabos, sowie von LAbg. Christian Drobits, ASPR-Direktorin Gudrun Kramer und Gerhard Benetka, Dekan für Psychologie an der Sigmund Freud Universität Wien, eröffnet. In fünf Tagen hielten rund 40 ReferentInnen samt ModeratorInnen spannende Vorträge und aufschlussreichen Diskussionen aus philosophischen, politik- und medien-wissenschaftlichen, soziologischen und/oder sozialpsychologischen Perspektiven. Eingeläutet wurde die Sommerakademie am Mittwoch durch Thomas Macho, der eine tiefgründige Festrede über die Politik des Ressentiments und über Julien Bendas "Verrat des Intellektuellen" aus dem Jahr 1927 hielt und abschließend Bobbio mit den Worten zitierte:

"Ich habe gelernt, die Ideen anderer zu respektieren, vor dem Geheimnis innezuhalten, das jedes individuelle Bewusstsein birgt, zu verstehen bevor ich diskutiere, und zu diskutieren bevor ich verurteile." Die Vorträge und Fishbowls der ersten beiden Panels am Donnerstag waren hauptsächlich theoriegeleitet und behandelten vorweg die Themen Angst und Ressentiments sowie Emotionen und ihre Dynamiken in Konflikten. Sie dienten allen voran dem Finden einer gemeinsamen Sprache in Bezug auf die verschiedenen Konzepte. Die als Abendveranstaltung durchgeführte Paneldiskussion versuchte im Speziellen den komplexen Ressentimentbegriff und seine Bedeutung mit Nietzsche, Schoppenhauer, Kant, Scheler und Amery zu ergründen. Diese Aufarbeitung der Grundlagen war essentiell für die Vorträge und Diskussionen am Freitag, in denen Forschungs-ergebnisse gegenwärtiger identitätspolitischer Bewegungen und aus der Mitte entstehender Ressentiments präsentiert wurden. Als Beispiele dafür standen (Rechts)Populismus, Antifeminismus, antimuslimischer Rassismus und weitere rassistische, libertäre oder nationalkonservative Mobilisierungen auf der Tagesordnung, wodurch die Frage nach Anerkennung und Status, Verletzlichkeit und Leid Betroffener in den Fokus rückte. Im internationalen Kontext lag der Fokus einerseits auf der Situation Nordirlands im Zusammenhang der Brexit-Frage, und andererseits auf der Situation in Israel-Palästina. Eine bildgewaltige Veranstaltung über Emotionen in der medienjournalistischen Produktion, Distribution und Vermittlung leitete am Abend noch den lösungsorientieren Themenkomplex am Samstag ein. Am Plan stand die Beschäftigung mit Möglichkeiten und Bedingungen für eine emanzipatorische Konfliktbearbeitung. Dabei wurden konkrete und abstrakte Konzepte im jeweiligen Kontext des Ressentiments oder Konflikts vorgestellt, wie etwa die Entwicklung eines weltbürgerlichen Bewusstseins, von Eckpunkten einer Politik des radikalen Humanismus, einer Friedens- und Medienpädagogik oder anderen konflikt-transformatorischen Zugängen.

Zu Ende ging die ASPR-Sommerakademie 2019 am 14. Juli mit einem Vortrag, inwiefern Österreich eine Nation des Ressentiments sei, bevor in einem Round Table der Frage nachgespürt wurde, was Politik, Medien und Zivilgesellschaft tun könnten, um Ressentiments abzubauen. Nach einer kurzen Lesung mit dem Titel "Wer sich verantwortlich fühlt, der handelt", bildete den Schlusspunkt ein allumfassender Rückblick auf die Sommerakademie und Ausblick für die weitere Friedens- und Konfliktforschung. Am Ende stand das Ergebnis einer erfolgreichen wissenschaftlichen Veranstaltung, in der aufgeworfene Fragen intensiv abgehandelt und neue Fragen darauf aufbauend gestellt wurden.

 

 

 

Weitere Informationen:
https://www.aspr.peacecastle.eu/

 

 

 

 

 

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