PädagogInnenbildung braucht
 mehr Kompetenzorientierung

 

erstellt am
06. 08. 19
13:00 MEZ

Qualitätssicherungsrat fordert außerdem größere Anreize für QuereinsteigerInnen
Wien (pk) Der Grundsatz der Kompetenzorientierung in Lehre, Lernen und Prüfen werde nur teilweise verwirklicht. Die Curricula seien daher systematisch an definierten Lernergebnissen auszurichten. So lautet eine der Feststellungen beziehungsweise Empfehlungen des Qualitätssicherungsrats (QSR), der die PädagogInnenbildung NEU bei der Implementierung begleitet. Als Monitoringstelle für die 2013 novellierte Lehrkräfteausbildung zeigt der QSR in seinem aktuellen Bericht (III-313 d.B.) auch noch eine Reihe anderer Bereiche mit Optimierungsbedarf auf. Unter anderem gebe es derzeit zu wenig Angebote und Anreize für QuereinsteigerInnen, in den Lehrberuf zu wechseln.

Positiv werten die QSR-ExpertInnen allerdings das Engagement aller beteiligten Organisationen. Bildungsministerium, Pädagogische Hochschulen und Universitäten haben laut Bericht seit Einführung der PädagogInnenbildung NEU große Kooperationsbereitschaft gezeigt. Zur erfolgreichen Bewältigung noch anstehender Herausforderungen müsse die Zusammenarbeit in dieser Weise fortgesetzt werden. Kern der neuen Lehrerausbildung für sämtliche Schulformen ist ihr akademisches Element, da werdende PädagoInnen nach einem vierjährigen Bachelorstudium ein ein- bis zweijähriges Masterstudium zu absolvieren haben. Österreichs Pädagogische Hochschulen und Universitäten arbeiten dabei in vier Verbundregionen zusammen (Süd-Ost, Nord-Ost, West, Mitte).

Neues Studienrecht erforderte Überarbeitung der Curricula
Das 2017 geschaffene gemeinsame Studienrecht für Universitäten und Pädagogische Hochschulen diente dazu, für alle Studierende einheitliche Bedingungen und studienrechtliche Klarheit zu schaffen. Mit dieser Gesetzesänderung entfiel auch die bislang vorgesehene Kenntnisnahme der Curricula durch das zuständige Ministerium. Die Prüfung der Rechtskonformität des Studienangebots obliegt nunmehr dem Qualitätssicherungsrat, geht aus dem Bericht hervor. Bis zum Stichtag 15.01.2018 sind demnach 107 Bachelor- und Mastercurricula zur studien-, berufsrechtlichen und inhaltlichen Überprüfung im QSR eingelangt und konnten nach entsprechendem Stellungnahmeverfahren mit dem Studienjahr 2018/19 in Kraft treten.

Inhaltlich beanstandet wurde an den Studienprogrammen neben dem eingangs erwähnten Mangel an didaktischer Kompetenzorientierung auch eine unzureichende Berücksichtigung der Diversität der Lernenden, sowohl in der Primar- als auch in der Sekundarstufe. Für die Induktionsphase, die das Unterrichtspraktikum ersetzt, beziehungsweise die Praxisteile der Mastercurricula mahnt der QSR pädagogisch-didaktische Konzepte ein. Im Bereich der Fachdidaktiken (Primar- und Sekundarstufe) benötige man weitere Programme zur Qualifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Die häufig nur standortbezogene Umsetzung der Curricula sei außerdem nicht dienlich für die gemeinsame Nutzung von Personal durch mehrere Schulen. Hier brauche es eine abgestimmte Personalentwicklung im Verbund sowie bundesweite Qualitätskriterien und Standards. Hinsichtlich der Ausbildung von QuereinsteigerInnen seien qualitätssichernde Maßnahmen erforderlich.

QSR: Möglichkeit für berufsbegleitenden Master erhalten
Besorgt zeigt sich der QSR über die aktuelle gesetzliche Regelung, die nach Ansicht der ExpertInnen ab 2029 für Lehrkräfte ein berufsbegleitendes Masterstudium verunmöglicht. Als dienstrechtliche Voraussetzungen für eine reguläre Anstellung seien dann nämlich sowohl ein Bachelor- als auch ein Masterabschluss vorgesehen. Das Absolvieren des Masterstudiums nach Diensteintritt infolge eines Bachelorabschlusses müsse jedoch weiterhin ermöglicht werden, appellieren die BildungswissenschafterInnen an den Gesetzgeber. Bestehende organisatorische und rechtliche Hürden bei der Umsetzung berufsbegleitender Masterstudien gelte es in diesem Sinne auszuräumen. Weiters rät das QSR-Team auf Grundlage der letzten Erhebungen, die Strukturen der Pädagogischen Hochschulen für eine starke duale Berufsausbildung zu bewahren, sodass die Anbindung an die Wirtschaft als Voraussetzung für eine bedarfsgerechte Ausbildung erhalten bleibt.

Monitoring und Evaluation
Abgesehen von der Begutachtung der Curricula widmeten sich die BildungsexpertInnen im QSR vor allem folgenden Schwerpunkten: der Fortführung des bereits 2016 konzipierten Monitoringprozesses, der die Umsetzung der Reform in den vier Verbundregionen mit Rückmeldungen an die Studienanbieter begleitet und dabei Probleme an zuständige Stellen weiterträgt; der impulsgebenden Mitarbeit in Foren zur Steuerung der Pädagoginnen- und Pädagogenbildung; und der Anbahnung einer gesamtösterreichischen Evaluation. Diese hat zum Ziel, den Wirkungsgrad der Reform auf die professionelle Entwicklung der Studierenden darzustellen.

Untersucht werden sollen bei dieser Wirkungsmessung Art und Umfang der Kompetenzen, die Lehramtsstudierende nach ihrem Studium aufweisen, sowie davon abgeleitet die Effekte des Kompetenzprofils auf die Arbeit mit SchülerInnen. Grundsätzlich will man die Unterschiede zwischen "alter" und neuer PädagogInnenbildung eruieren. In Übereinstimmung mit dem Arbeitsprogramm der ehemaligen ÖVP-FPÖ-Regierung hat der QSR gemeinsam mit dem Bildungsministerium 2018 eine derartige österreichweite Evaluierung der PädagogInnenbildung NEU in Auftrag gegeben.

 

 

 

Allgemeine Informationen:
https://www.parlament.gv.at

 

 

 

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