Starke Binnenkonjunktur hält Österreichs
 Wirtschaft auf Wachstumskurs…

 

erstellt am
16. 08. 19
13:00 MEZ

… trotz steigender Herausforderungen im Export – Ruhiges und stabiles Wachstumstempo der österreichischen Wirtschaft im Sommer 2019
Wien (bank austria) - Nach der deutlichen Abschwächung in der ersten Jahreshälfte 2019 bleibt auch zu Beginn der zweiten Jahreshälfte die Konjunkturstimmung in Österreich verhalten. „Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator hat sich im Juli gegenüber dem Vormonat nicht verändert. Mit 1,6 Punkten hat sich der Indikator auf einem Niveau stabilisiert, das für die kommenden Monate zumindest ein moderates Wachstumstempo der österreichischen Wirtschaft signalisiert. Nach dem kräftigen Aufschwung seit Mitte 2016 mit Wachstumsraten von zum Teil um die 3 Prozent-Marke scheint sich der laufende Konjunkturzyklus jedoch nun seinem Ende zu nähern“, meint UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer.

Der Takt für die Konjunkturverlangsamung in Österreich wird weiterhin aus dem Ausland vorgegeben. „Zu Beginn der zweiten Jahreshälfte 2019 hat sich der Graben zwischen der ungebrochen gut laufenden Binnenkonjunktur in Österreich und der sich abschwächenden globalen Wirtschaft weiter vertieft“, so Bruckbauer und ergänzt: „Die politischen Unsicherheiten etwa rund um den Brexit nehmen zu. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China und auch die zunehmende Volatilität an den Finanzmärkten könnte in den kommenden Monaten dem globalen Handel noch stärker zusetzen und die Belastungen für die österreichische Exportwirtschaft erhöhen.“

Weiter Optimismus im Land, doch externe Herausforderungen nehmen zu
Der aktuelle UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator hat sich zu Beginn der zweiten Jahreshälfte 2019 zwar stabilisiert, aber die Entwicklung ist weiterhin von einer spürbaren Verschlechterung des globalen Wirtschaftsumfelds gekennzeichnet und kann kaum durch die derzeit noch anhaltend starke Inlandsnachfrage kompensiert werden. Der auf Basis der österreichischen Außenhandelsanteile ermittelte Exportstimmungsindikator ist im Juli auf den niedrigsten Wert seit Herbst 2009 gesunken, als die Finanzkrise langsam abzuklingen begann. Neben der Abschwächung in China und anderen Wachstumsmärkten belastet die österreichischen Exporteure insbesondere die schleppende Konjunktur in Deutschland. Dagegen erweist sich derzeit einmal mehr die enge Verflechtung mit den osteuropäischen Märkten als Vorteil.

Unter dem Eindruck der nachlassenden Nachfrage aus dem Ausland hat sich die Stimmung in der exportorientierten heimischen Industrie im Juli weiter verschlechtert und unterschreitet nun den zweiten Monat in Folge den langjährigen Durchschnitt. Allerdings ist die österreichische Industrie im internationalen Vergleich weiterhin deutlich zuversichtlicher, denn die kräftige Binnenkonjunktur hält die Auftragsrückgänge in Grenzen. Am Bau hat sich die Stimmung im Juli sogar wieder verbessert und bewegt sich weiter nahe der Rekordstände vom Herbst 2018. Auch im Dienstleistungssektor hat der Optimismus wieder etwas zugenommen, mit einer weiterhin überdurchschnittlich guten Stimmung der österreichischen Konsumenten im Rücken.

Verhaltene Aussichten für die zweite Jahreshälfte
Mittlerweile erhöht sich die Gewissheit, dass die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums auf durchschnittlich 1,6 Prozent in der ersten Jahreshälfte 2019 keine kurze Konjunkturdelle war. Zwar signalisieren jüngste Daten, dass rund um die Jahresmitte der globale Handel wieder etwas an Schwung gewonnen hat, doch gleichzeitig haben die politischen Unsicherheiten und die protektionistischen Tendenzen wieder zugenommen, was die weiteren Aussichten für den weltweiten Handel erneut beeinträchtigt. In diesem Umfeld wird in der zweiten Jahreshälfte die Dynamik der österreichischen Exporte weiter nachlassen. Der Außenhandel wird 2019 daher kaum einen Beitrag zum Wirtschaftswachstum in Österreich leisten können, zumal der Importbedarf aufgrund der starken Inlandsnachfrage in den kommenden Monaten voraussichtlich hoch bleiben wird.

„Die Inlandsnachfrage wird in den kommenden Monaten erneut die treibende Kraft sein, aber das Wirtschaftswachstum wird aufgrund der fehlenden Unterstützung durch den Außenhandel in der zweiten Jahreshälfte die Marke von 1,5 Prozent in Österreich nicht mehr überspringen. Wir erwarten im Gesamtjahr 2019 weiterhin einen Anstieg des BIP um 1,4 Prozent“, so UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. Aufgrund der guten Beschäftigungslage, der gestiegenen Lohndynamik und fiskalischer Impulse wird der private Konsum mit einem Plus um 1,5 Prozent wachstumsbestimmend sein. Dagegen wird die Investitionstätigkeit in der zweiten Jahreshälfte stärker an Schwung verlieren. Während die Auftragslage am Bau noch weiter für Unterstützung sorgen sollte, wird die Entwicklung der Ausrüstungsinvestitionen von der nachlassenden Exportkonjunktur zunehmend belastet.

Wachstumsstabilisierung 2020 unter schwierigen Rahmenbedingungen
Für das Jahr 2020 sind derzeit kaum Wachstumsimpulse erkennbar. Im Gegenteil, der globale Handel wird unter den Auswirkungen der Handelskonflikte und der politischen Spannungen weiter leiden. Hinzu kommen eine spürbare Abschwächung der Konjunktur in den USA und sogar das Risiko einer Rezession. In Europa könnte ein ungeregelter Brexit Bremsspuren hinterlassen, so dass der Außenhandel im kommenden Jahr voraussichtlich keinen Beitrag zum Wirtschaftswachstum in Österreich leisten können wird.

Das Wachstum in Österreich hängt daher im Jahr 2020 noch mehr von der Nachhaltigkeit der Stärke der Inlandsnachfrage ab. Allerdings dürfte die Investitionstätigkeit trotz der ungebrochen günstigen Finanzierungsbedingungen in dem schwächeren Konjunkturumfeld an Kraft verlieren und auch der private Konsum sollte mit geringerer Unterstützung vom Arbeitsmarkt voraussichtlich weniger schwungvoll ausfallen.

„Der private Konsum dürfte im kommenden Jahr spürbare fiskalische Impulse erhalten, die trotz des internationalen Gegenwinds, der sich auch in einer schwächeren Investitionsdynamik niederschlagen sollte, ein Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent ermöglichen werden“, meint Pudschedl. Zum einen dürften die geplanten Reformmaßnahmen der ÖVP-FPÖ-Regierung, wie unter anderem die Reduktion der Krankenversicherungsbeiträge für Geringverdiener, in der Herbstsitzung des Parlaments noch beschlossen werden. Zum anderen wurden im Parlament bereits vor der Sommerpause Maßnahmen, wie die Valorisierung des Pflegegelds, die Anhebung der Mindestpension, die Einführung eines Papamonats und die durch einen Entscheid des Europäischen Gerichtshofs notwendige Änderung der Anrechnung von Vordienstzeiten für Beamte, beschlossen. Diese Änderungen werden den Konsum insgesamt mit bis zu 1,5 Milliarden Euro zusätzlich stützen.

Vorerst keine weitere Verbesserung am Arbeitsmarkt
Die Konjunkturverlangsamung ist mittlerweile am österreichischen Arbeitsmarkt angekommen. Nach saisonbereinigten Daten ist der zwei Jahre andauernde Verbesserungstrend in den ersten Monaten 2019 zum Stillstand gekommen. Die Arbeitslosenquote liegt seit Jahresbeginn relativ stabil bei 7,4 Prozent. Auch in den kommenden Monaten wird die Beschäftigungsdynamik zu schwach sein, um angesichts des anhaltenden Anstiegs des Arbeitskräfteangebots einen Rückgang der Arbeitslosigkeit zu ermöglichen.

„Nach 7,7 Prozent im Vorjahr gehen wir für das Gesamtjahr 2019 von einer durchschnittlichen Arbeitslosenquote von 7,4 Prozent aus. Im voraussichtlich schwächeren Konjunkturumfeld ist auch 2020 keine Verbesserung der Arbeitslosenquote mehr zu erwarten“, meint Pudschedl. Das Beschäftigungswachstum wird sich weiter verlangsamen, sollte jedoch ausreichen, um die Arbeitslosigkeit weitgehend stabil zu halten. Auch 2020 wird die Arbeitslosenquote durchschnittlich 7,4 Prozent betragen, wobei abhängig von der Entwicklung der Verstärkung des Arbeitskräfteangebots aus anderen EU-Ländern in Österreich die tatsächliche Quote eher nach oben abweichen könnte.

Inflation weiter deutlich unter 2 Prozent
In den ersten sieben Monaten 2019 ist die Teuerung in Österreich auf durchschnittlich 1,7 Prozent gesunken. Zwar sorgte das hohe Beschäftigungswachstum und die stärkere Lohndynamik für einen spürbaren Inflationsauftrieb über die Dienstleistungspreise, doch die Nahrungsmittelpreise und insbesondere die Energiepreise dämpften die Teuerung. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China dämpft die globale Konjunktur und drückte damit jüngst die Ölpreise auf unter 60 US-Dollar pro Barrel. Die angespannte Lage im Nahen Osten und der Bürgerkrieg in Libyen können den Ölpreisrückgang derzeit nur mildern. „Die Inflation wird in den kommenden Monaten durch den niederen Ölpreis spürbar gedämpft. Gleichzeitig wird der nach oben gerichtete, nachfrageseitige Druck auf die Preise etwas zunehmen. Diese beiden Effekte werden sich weitgehend ausgleichen. Die Inflation wird in der zweiten Jahreshälfte 2019 weiter sehr moderat ausfallen und im Jahresdurchschnitt voraussichtlich höchsten bei 1,7 Prozent liegen“, meint Bruckbauer abschließend.

 

 

 

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