WIFO: Tourismusanalyse Mai bis August 2019

 

erstellt am
02. 10. 19
13:00 MEZ

Bisherige Sommersaison beschert heimischem Tourismus Zuwächse
Wien (wifo) - Das Nachfragewachstum der ersten Sommerhälfte 2019 (Mai bis Juli; Gästeankünfte +3,3%, Nächtigungen +3,1%) setzte sich im Hauptreisemonat August fort, womit dieser auch deutlich besser bilanzierte als der Juli. Die Ankünfte zogen mit +4,3% kräftig an, die Übernachtungen stiegen moderater (+1,6%). Für den gesamten Analysezeitraum (Mai bis August 2019) lagen die Zuwachsraten bei +3,6% (Ankünfte) bzw. +2,6% (Nächtigungen) und damit geringfügig über dem Mengenwachstum der vergangenen Sommersaison.

Die Entwicklung des bisherigen Sommerhalbjahres setzt damit den Trend fort, der seit 2010 im Zeitraum Mai bis August sowohl bei Ankünften als auch bei Nächtigungen beobachtet werden konnte. Österreich ist dabei vor allem für ausländische Gäste ein attraktives Sommerurlaubsziel: Deren Zuwachsraten lagen (mit Ausnahme des Jahres 2016) durchwegs über jenen der inländischen Gäste.

Der August trägt mit einem Nächtigungsanteil von mehr als einem Viertel wesentlich zur Entwicklung der Sommersaison (Mai bis Oktober) bei. Zwar ist die Bedeutung dieses Monats in den vergangenen 25 Jahren um etwa vier Prozentpunkte zurückgegangen, weil die frühen und späten Sommermonate an Gewicht hinzugewannen.

Auf Basis dieser Entwicklung kann auch mit einer Zunahme der aus dem Tourismus erzielten Umsätze gerechnet werden. Nach ersten Schätzungen des WIFO für Mai bis August 2019 ist mit nominellen Einnahmen im österreichischen Tourismus in Höhe von 10,07 Mrd. zu rechnen, was einen Anstieg um 2,7% im Vergleich zum Vorjahr und eine Abschwächung des Umsatzwachstums auf nomineller Basis bedeutet. Real erreichten die Umsätze ein Plus von 1,1%, womit zum aktuellen Zeitpunkt nominell und auch preisbereinigt neue historische Höchstwerte verzeichnet wurden.

Regional betrachtet konnten in der Städte-Destination Wien (+7,0%), in Ober- und Niederösterreich (+5,2% bzw. +5,0%) sowie im Burgenland (+3,2%) und in Vorarlberg (+3,1%) überdurchschnittliche Zuwächse der nominellen touristischen Einnahmen erzielt werden. In Salzburg (+2,5%) lag das Umsatzwachstum nur knapp unter dem bundesweiten Wert, während der Abstand in Tirol und der Steiermark (je +1,6%) deutlicher ausfiel. Einzig in Kärnten gingen die nominellen Einnahmen aufgrund einer ungünstigen Nächtigungsentwicklung in den Monaten Juli und August im gesamten Analysezeitraum leicht zurück.

Bedingt durch die nasskalte Witterung und Feiertagsverschiebungen brachte der Mai 2019 einen Nächtigungsrückgang von 12,2%, während der diesbezüglich begünstigte Juni mit +17,0% diesen Trend kompensierte und die gesamte Sommervorsaison damit einen Zuwachs von 3,1% verzeichnete. In der Hauptsaison des Sommers 2019 zeigte sich der Juli (+2,1%) ebenso wie der August überdurchschnittlich heiß und trocken, womit sich diese beiden unter die zehn wärmsten Vergleichsmonate der 253-jährigen Messgeschichte reihten. Im August stieg die Nachfrage, ausgehend vom bereits sehr hohen Niveau der vergangenen Jahre, um 4,3% bei den Ankünften bzw. 1,6% bei den Übernachtungen.

Im gesamten Betrachtungszeitraum (Mai bis August 2019) erreichte die Zahl der Ankünfte mit 18,48 Mio. (+3,6%) ebenso einen neuen Höchstwert wie jene der Nächtigungen, die sich auf 58,91 Mio. (+2,6%) erhöhte. Folglich lag die durchschnittliche Aufenthaltsdauer je Gast in derselben Unterkunft bei 3,19 Nächten um 1,0% unter dem entsprechenden Wert des Vorjahres. Der langfristig zu beobachtende Trend zu kürzeren Aufenthalten je Unterkunft ist nicht nur dadurch bedingt, dass öfter, aber kürzer verreist wird, sondern auch durch häufigere Unterkunfts- bzw. Ortswechsel während einer Reise. Insgesamt reduzierte sich die Aufenthaltsdauer seit der Vergleichsperiode 1993 um gut 2 Nächte (39,2%).

Mit einem Anteil von 71,2% (bei 41,94 Mio. Übernachtungen, die gegenüber Mai bis August 2018 um 3,0% zunahmen) haben internationale Gäste nach wie vor eine weit größere Bedeutung für die heimische Tourismuswirtschaft als heimische Urlauber. Mehr als die Hälfte (51,9%) dieser internationalen Gäste kommt aus dem wichtigsten Auslandsmarkt, Deutschland. Mit einer nur unterdurchschnittlichen Veränderungsrate der Nächtigungen von +2,4% lag der Wachstumsbeitrag deutscher Urlauber zur bisherigen Sommersaison aber nur bei 41,3%.

Deutschland und weitere 14 ausgewählte Herkunftsländer deckten im Analysezeitraum 85,6% der internationalen Nächtigungen ab; diese für Österreich wichtigsten Länder entwickelten sich jedoch im Durchschnitt mit +2,7% etwas schwächer als die ausländische Gesamtnachfrage. Die heimischen Beherbergungsbetriebe verzeichneten besonders aus osteuropäischen Ländern (Rumänien +14,1%, Polen +11,5%, Tschechien +8,4%, Ungarn +6,9%) sowie aus Schweden (+7,9%) deutlich mehr Nächtigungen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Nachfrage aus den USA (+4,2%), Dänemark (+3,8%) und dem zweitwichtigsten Markt Niederlande (+3,3%; Marktanteil 8,3%) legte ebenfalls überdurchschnittlich zu. Öfter als im Vergleichszeitraum des Vorjahres nächtigten auch Gäste aus Belgien (+2,7%), der Schweiz (+1,0%) und Frankreich (+0,7%) in Österreich, während die Nachfrage aus Italien stagnierte (-0,8%; August -4,4%). Einzig aus dem Vereinigten Königreich (-5,7%; Marktanteil 2,3%) wurde ein merklicher Nachfragerückgang registriert, der möglicherweise angesichts eines drohenden harten Brexits bereits Verunsicherung und Konsumrückhaltung bei den Auslandsreisen widerspiegelt.

Die Nachfragedynamik der inländischen Österreich-Gäste zeigte sich von Mai bis August 2019 - wie auch schon in den Vergleichsperioden 2017 und 2018 - gegenüber jener aus dem Ausland verhaltener. Nur im August des aktuellen Jahres war diese Diskrepanz nicht zu beobachten, die heimische Nachfrage konnte mit der ausländischen mithalten (Ankünfte: jeweils +4,3%, Nächtigungen: aus dem Inland +1,4%, aus dem Ausland +1,6%).

Bei den einzelnen Unterkunftsarten zeigte sich wiederum, dass die Ferienwohnungen (gewerblich +8,0%, privat +3,2%) bei den Übernachtungsgästen weiter an Beliebtheit gewannen, womit deren Marktanteil von Mai bis August 2019 auf 19,4% anstieg (+0,47 Prozentpunkte). In der Hotellerie übertraf hingegen nur das Top-Segment (5/4-Stern +3,3%) das durchschnittliche Nachfragewachstum. 3-Stern-Betriebe steigerten ihre Nächtigungszahlen um 1,0% und die 2/1-Stern-Kategorie blieb annähernd auf Vorjahresniveau (+0,1%). Hotels und ähnliche Betriebe insgesamt stellen mit 59,5% weiter das bedeutendste Unterkunftssegment dar, ihr Marktanteil nahm jedoch im Vergleich zu 2018 um 0,26 Prozentpunkte ab. Auch die Privatquartiere mussten im Analysezeitraum einen Rückgang um 0,7% ihrer Nächtigungen und 0,13 Prozentpunkte ihres Marktanteils auf aktuell 3,9% hinnehmen. Die Zuwächse der übrigen Beherbergungstypen in Summe (Campingplätze, Unterkünfte für Kinder und Jugendliche, Kurheime, bewirtschaftete Schutzhütten und sonstige Unterkünfte) fielen etwas unterdurchschnittlich aus (+2,1%), ihr Gewicht an den Unterkünften insgesamt reduzierte sich somit leicht um 0,1 Prozentpunkt auf 17,2%.

 

 

 

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