Festakt zu 100 Jahre Landesregierung im Schloss Porcia

 

erstellt am
16. 10. 19
13:00 MEZ

Landesregierung und Landtag vor 100 Jahren nach Spittal verlegt – LH Kaiser sieht Festakt als Referenzerweisung gegenüber damaligen Entscheidungsträgern – Flucht oder taktisches Kalkül: Regierungsarbeit wurde gewährleistet
Klagenfurt (lpd) - In einem Festakt im Ahnensaal des Schloss Porcia wurde am 15. Oktober jener Zeit gedacht, die Grundlage für die Grenzziehung des heutigen Kärnten war und in der viele Menschen für ihr Heimatland ihr Leben lassen mussten. „Spittal – 100 Jahre Sitz der Kärntner Landesregierung“ lautete die Einladung zur Feierlichkeit.

Wegen massiver Angriffe der Südslawischen Truppen auf Kärnten übersiedelten im Mai 1919 die Kärntner Landesregierung sowie der Landtag nach Spittal. Die Politik zog sich in das Schloss Porcia zurück, um von dort die Geschicke des Landes zu leiten. „War es Flucht oder strategischer Rückzug, taktisches Kalkül, der damaligen Regierung? In meiner Funktion als Landeshauptmann weiß ich, wie gravierend tägliche Entscheidungen sind, kann ich erahnen, wie entscheidend die Verlegung der Regierung nach Spittal damals war. War es Flucht, sodass der Eindruck entstand, die Politik hätte Landesteile bereits aufgegeben? Oder war es ein Rückzug, der es ermöglichte, das Heft des Handelns weiter in der Hand zu halten und Widerstand zu leisten? Die Entscheidung hat sich als richtig erwiesen, war richtungsentscheidend für unsere Heimat“, betonte Landeshauptmann Peter Kaiser in seiner Festansprache und verwies vor allem auf den positiven Grundgedanken des heutigen Festaktes.

„Denn zwei Regionen, die damals nicht positiv zueinander standen, schließen heute hier eine Partnerschaft: die Städte Kocevje/Gottschee und Spittal. Damit ist wieder bewiesen, dass wir aus der Vergangenheit für die Gegenwart und Zukunft lernen“, so Kaiser.

Nur durch die strategische Verlegung der Regierung sei es damals möglich gewesen, dass Kärnten den SHS-Ansprüchen auf Südkärnten mit dem Abwehrkampf entgegengetreten werden konnte. Und in den zweieinhalb Monaten, in welchen die Regierung in Spittal tätig war, fiel auch die Entscheidung für eine Volksabstimmung, die Kärnten den Verbleib bei Österreich sicherte. „Die Regierung wurde ein weiteres Mal verlegt, nach St. Veit, wo sie außerhalb der festgelegten Abstimmungszonen walten konnte. In Spittal wurde die Landesagitationsleitung gegründet, die die damalige Propagandaarbeit für die Volksabstimmung leistete. Später entstand daraus der Kärntner Heimatdienst“, blickte Kaiser in die Geschichte zurück.

So habe es in der Geschichte die Verlegung von Regierungen mehrmals gegeben. Die Flucht Metternichs nach England, die Flucht von Kaiser Ferdinand I nach Innsbruck und Olmütz, die Verlegung des Reichstages nach Kremsier, zählte Kaiser auf.

Der ehemalige Direktor des Kärntner Landesarchiv umriss die politischen Geschehnisse, die dazu führten, dass Landesregierung und Landtag 1919 nach Spittal verlegt worden sind und auch der ehemalige stellvertretende Landesamtsdirektor Karl Anderwald ging im Festakt auf die Geschichte ein.

Kärntner Landesregierung in Spittal:

  • Nov. 1918: Südslawische Truppen dringen in Kärnten ein, um Teile des Landes dem SHS-Staat anzuschließen.
  • 5. Dez. 1918: Die provisorische Kärntner Landesversammlung (Landtag) beschließt die militärische Abwehr.
  • Jän/Feb. 1919: Eine amerikanische Studienkommission (Sherman Miles) bereist Teile Kärntens, berichtet über die Zustände in Paris, plädiert mehrheitlich für Karawankengrenze; daraufhin tritt Präsident Wilson für die Abhaltung einer Volksabstimmung im Klagenfurter Becken ein.
  • 29. Mai 1919: Rat der Vier fasst in Paris den endgültigen Beschluss über die Durchführung der Volksabstimmung; die südslawische Diplomatie als Vertreterin eines Siegerstaates erfuhr davon früher als die österreichische und als Reaktion versuchten SHS-Truppen ab 28. Mai, durch eine militärische Generaloffensive vollendete Tatsachen zu schaffen.
  • Nacht vom 29. auf den 30. Mai 1919: Die Kärntner Landesregierung verlegt ihren Sitz aus der Landeshauptstadt Klagenfurt nach Spittal.
  • 6. Juni 1919: SHS-Truppen besetzen Klagenfurt
  • Ende Mai bis Mitte August 1919 residieren Landesregierung und Landtag in Spittal (Schloss Porcia, BH, Hotel „Alte Post“ u. v. a.); in Klagenfurt verblieb zur Wahrung der staatlichen Hoheitsrechte eine Expositur.
  • 31. Juli 1919: (verspätete) Räumung Klagenfurts durch die SHS-Truppen auf Grund von Entente-Befehlen
  • 2. Augusthälfte 1919: Umzug der Regierung nach St. Veit; es entsprach dem Wunsch der Alliierten, dass die politische Verwaltung des Landes außerhalb der beiden Abstimmungszonen, wo die Volksabstimmung abgehalten wurde, amtieren solle.

 

 

 

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