Evangelischer Oberkirchenrat Bünker: Eucharistie-Enzyklika »enttäuschend«
für ökumenisches Gespräch
 

erstellt am
18. 04. 03

Abgrenzung nach außen, Disziplinierung nach innen – Evangelische Kirche hält an der eucharistischen Gastfreundschaft für alle Getauften fest
Wien (epd Ö) - Als „enttäuschend für das ökumenische Gespräch zwischen evangelischer und römisch-katholischer Kirche“ hat der evangelische Oberkirchenrat Dr. Michael Bünker die Papst-Enzyklika zur Eucharistie bezeichnet, die am Gründonnerstag (17. 04.) veröffentlicht wird. Auch wenn die Enzyklika „Ecclesia De Eucharistia“ in der Sache nichts Neues bringe, hätten die Bemühungen um ein gemeinsames Verständnis des Abendmahles zwischen den Kirchen aus Rom ein klares Nein erhalten, hält Bünker fest. Katholische Priester, die mit evangelischen Pfarrern oder Pfarrerinnen gemeinsam Eucharistie feiern, haben nach der Enzyklika mit nicht näher definierten „Verweisen rechtlicher Natur“ zu rechnen. Das Lehrschreiben stelle damit die in den letzten Jahren begonnenen theologischen Verständigungsversuche zur Eucharistie deutlich in Frage, grenze nach außen ab und diszipliniere nach innen. Besonders bedauerlich ist für Bünker, dass die Hoffnungen der vielen Christinnen und Christen in konfessionsverbindenden Ehen auf eine Öffnung und Änderung der bisherigen Praxis der römisch-katholischen Kirche weiter enttäuscht wurden.

Das Lehrschreiben insistiere an mehreren Stellen darauf, dass das Amts- und Weihepriestertum eine unabdingbare Voraussetzung der Eucharistie sei. Aus diesem Grund fehlt nach Meinung Roms dem Abendmahl in der evangelischen Kirche Wesentliches zu seiner Gültigkeit. Bünker: „Dem muss aus evangelischer Sicht deutlich widersprochen werden.“ Die evangelische Kirche prüfe ihre Lehre an der Heiligen Schrift und feiere die Eucharistie so, wie sie von Jesus selbst eingesetzt wurde. Nach evangelischem Verständnis sei es nicht die jeweilige Kirche, die zum Abendmahl einlade, sondern ausschließlich Jesus Christus selbst. Die verschiedenen kirchlichen Vorschriften dürften daher nicht im Vordergrund stehen, sie können den einladenden Charakter des Abendmahles und damit seinen tiefen Sinn sogar verdunkeln, meint das Mitglied der evangelischen Kirchenleitung. Bünker: „Deshalb steht die evangelische Kirche zu ihrer Erklärung der eucharistischen Gastfreundschaft. Wir laden alle Getauften ein und freuen uns, wenn die Einladung angenommen wird.“
     
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