Universität Salzburg: Akademische Feier und Ehrendoktorate an Korinek, Mortier und Frith  

erstellt am
15. 05. 03

Salzburg (uni) - Im Rahmen des Festaktes zum 40jährigen Jubiläum der Universität Salzburg und zum 350. Todestag ihres Gründers Fürsterzbischof Paris Lodron wurden am Mittwoch (14. 05.) an Karl Korinek, Gerard Mortier und Christopher Donald Frith Ehrendoktorate verliehen.

Im Beisein zahlreicher Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur fand in der Großen Aula der Universität Salzburg die akademische Feier zum 40jährigen Jubiläum der Paris Lodron Universität statt. In seiner Festrede betonte Rektor Heinrich Schmidinger, dass die heutige Situation der Universität zwar nicht identisch sei mit jener vor 40 Jahren, in gewisser Hinsicht aber doch vergleichbar. Die Universität stehe vor einem neuen Anfang. Das Universitätsgesetz 2002, das gerade implementiert werde und ab 1. Jänner 2004 Realität sein werde, bedeute sicherlich die tiefste und weitreichendste Veränderung, die es je in der Geschichte der Universitäts-Gesetzgebungen gegeben habe. Man habe es mit einem fundamentalen Wandel im Selbstverständnis der Universität als solcher zu tun. Die Paris Lodron Universität sei diese Herausforderung offensiv angegangen. Durch den dramatischen Budgeteinbruch, der den Universitäten in diesem Jahr bevorsteht und der den Bewegungsspielraum erheblich einschränkt, könne einen jedoch gelegentlich der Mut und die Motivation verlassen, insbesondere dann, wenn die Universitäten über die Medien immer wieder hören müssten, dass sie ihre Hausaufgaben erst zu erledigen hätten.

Einer der Höhepunkte bildete die Uraufführung des Auftragswerkes „Machtfestmusik“ des Salzburger Komponisten Klemens Vereno. Aufgeführt wurde das Werk von der Jungen Philharmonie Salzburg und dem Bläserensemble Paris Lodron unter der Leitung von Elisabeth Fuchs. „Der Titel des Werkes bezieht sich auch auf das Ambivalente des Begriffes „Macht“, deren Innehaben und Ausüben nicht von vornherein schlecht ist, sondern eine positive Bündelung der Kräfte bewirken kann, sofern sie mit Demut, Verständnis, Verantwortungsbewusstsein und frei von Eitelkeit ausgebüt wird“, betonte Klemens Vereno. Vereno ist mit der Epoche des Barock sehr vertraut, besonders mit der Musik. Elemente daraus werden in das Werk einfließen, vor allem in der Instrumentierung mit für die Epoche typischen Streichinstrumenten und Bläsern. Die Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit von Universität Salzburg und ARGE Barock Paris Lodron, Herrn Hans Georg Keplinger und Prof. Alfred Winter durchgeführt. Hannes Eichmann vom ORF Salzburg führte durch die Feier.

Gerard Mortier erhielt die Würde eines Ehrendoktors der Philosophie. Die Paris Lodron Universität ehrt Mortier für seine außergewöhnlichen Verdienste um das Salzburger Kulturleben, für die Entwicklung und konsequente Durchsetzung innovativer Leitbilder sowie für die vorbildliche Integration von Kunst und Wissenschaft. Univ.-Prof. Dr. Oswald Panagl betonte in seiner Laudatio, dass Mortiers unermüdliches pädagogisches Engagement für jugendliche Zuhörer, ebenso zu würdigen sei wie die akribisch, wissenschaftlich ambitionierte Vorbereitung eines Vorlesungszyklus über das antike Theater.

Mortier wurde 1943 in Gent, Flandern geboren. Nach einer lateinisch- griechisch- humanistischen Ausbildung bei den Jesuiten in Gent, promovierte er zum Dr. jur. und Lizentiat der Publikumswissenschaften an der dortigen Universität. Von 1981 bis 1991 baut er die Brüsseler Oper zur privilegierten Werkstatt eines neuen Opernverständnisses und erlebnisses in Europa auf. 1991 wird er zum Intendanten und künsterlischen Leiter der Salzburger Festspiele berufen, mit dem Auftrag, den Spielplan zu erneuern, das Publikum zu verjüngen und die Weichen zu stellen, für Festspiele im 21. Jahrhundert. Eine Aufgabe, die er 10 Jahre lang mit Erfolg international durchgesetzt hat. Zur Zeit gestaltet er die „Ruhr-Triennale 2002-04“, ein neues internationales Kunstfest für das Ruhrgebiet. Ab der Saison 2004/05 wird er die Leitung der Opéra de Paris übernehmen.

Karl Korinek erhält die Würde eines Ehrendoktors der Rechtswissenschaften. Univ.-Prof. Dr. Walter Berka betonte, dass Korinek als langjähriges Mitglied und nunmehriger Präsident des Österreichischen Verfassungsgerichtshofes die Entwicklung des Öffentlichen Rechts in Österreich nachhaltig geprägt habe. Als Rechtswissenschafter und hochqualifizierter juristischer Praktiker hat Prof. Korinek sich auch hohe Verdienste für die an der Universität Salzburg vertretenen wissenschaftlichen Anliegen erworben. Karl Korinek wurde 1940 in Wien geboren, besuchte das humanistische Gymnasium und studierte Rechtswissenschaften. 1973 nahm er den Ruf an die Grazer Universität an und wurde dort ordentlicher Professor für öffentliches Recht. 1976 wurde er zum ordentlichen Professor für öffentliches Recht an der Wirtschaftsuniversität Wien bestellt. 1995 trat er die Nachfolge von Prof. Ermacora als Professor für Staats- und Verwaltungsrecht an der Universität Wien an. Korinek ist gemeinsam mit Prof. Holoubek Herausgeber des Großkommentars zum österreichischen Bundesverfassungsrecht und verfasste rund 230 wissenschaftliche Arbeiten. Er ist seit 1978 Mitglied des Verfassungsgerichtshofes und seit 1. Jänner 2003 übt er die Funktion des Präsidenten aus.

Christopher Donald Frith erhält die Würde eines Ehrendoktors der Naturwissenschaften. Univ.-Prof. Dr. Josef Perner betonte in seiner Ansprache, dass Frith aufgrund seiner überragenden Verdienste im Rahmen der interdisziplinären Verbindung von Psychiatrie, experimenteller Psychologie, kognitiver Wissenschaft, Neuropsychologie und Neurowissenschaft und seiner Hilfe bei der Unterstützung derartiger Forschungsvorhaben an der Universität Salzburg geehrt werde. Frith wurde 1942 in Sussex geboren. Er studierte Naturwissenschaften in Cambridge und promovierte 1969 an der London University zum Doktor der Psychologie. Er arbeitete als leitender Wissenschaftler für das Medical Research Council und ist derzeit als Professor für Neuropsychologie am Wellcome Department of Imaging Neuroscience und stellvertretender Direktor des Leopold Müller Functional Imaging Laboratory am University College, London, tätig. Frith war der Erste, der die individuellen Symptome und die Phänomenologie der Schizophrenie experimentell erforschte und eine kognitive Darstellung dieser Symptome entwickelte. Seine experimentellen Entdeckungen waren bahnbrechend für die Beschreibung von Gehirnsystemen, denen eine willentliche Aktion, Kurzzeitgedächtnis, Aufmerksamkeit und Sich-selbst-Bewusstsein zugrundelagen. Frith wies auch nach, dass diese Systeme bei Schizophrenie beeinträchtigt sind. Frith´s Interesse an Ausfällen betreffend die Theorie des Geistes hinsichtlich der Schizophrenie hat zu einer sehr frühen und fruchtbaren Zusammenarbeit an der Universität Salzburg geführt. Erst jüngst hat er an einem Gemeinschaftsprojekt zwischen der Universität Salzburg und der Neurologischen Abteilung an der Christian-Doppler Klinik mitgewirkt.
     
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