Politik der Woche vom 18. 06. bis 24. 06. 2002

   
Projekte im Rahmen der Behindertenmilliarde
Wien (bpd) - Vizekanzlerin Dr.Susanne Riess Passer zeigte sich im Pressefoyer nach dem Ministerrat am Mittwoch (19. 06.) sehr erfreut darüber, dass die im Rahmen der Behindertenmilliarde gesetzten Massnahmen so erfolgreich ihr Ziel der Förderung und Verbesserung der Integration von behinderten Menschen in den Arbeitsmarkt und damit in die Gesellschaft verfolgen würden.
Als konkrete Projekte nannte Riess Passer die sog. Clearing-Teams, deren Aufgabe es sei, einen harmonischen Übergang von der Schule ins Berufsleben zu ermöglichen. Das im Aufbau befindliche Unternehmerservice, dass die Bedürfnisse behinderter Menschen im Rahmen grosser Unternehmen analysieren und überwinden helfe. Das Beratungsprojekt "Support", das mit 18 Beratungsbüros österreichweit ein überregionales und professionelles Beratungsangebot sicherstelle. Das Projekt Laube, das auf die Verbesserung der Zugänglichkeit von öffentlichen und privaten Gebäuden für Menschen mit Behinderungen abstelle. Ebenso wesentlich sei sie Entwicklung barrierenfreier Websites gewesen.
Die Ergebnisse 2001 würden den grossen Erfolg der Behindertenmilliarde belegen. So konnte 10 000 behinderten Menschen geholfen werden, mehr als 3000 Arbeitsplätze konnten geschaffen werden, rund 2500 vor allem Jugendliche konnten erfolgreich an den Arbeitsmarkt herangeführt und begleitet werden. Dass Frauen im grossen Ausmass von diesen Projekten und Massnahmen profitieren konnten, bewertete Riess Passer besonders positiv.

 
Gehrer legt Schulreformpaket dem Ministerrat vor
Informatikunterricht in der 5. Schulstufe, Autonomie in der AHS-Oberstufe und Integration geistig Behinderter in der Polytechnischen Schule sind Hauptpunkte
Wien (bmuk) - Grünes Licht gab es am Mittwoch (19. 06.) vom Ministerrat für das von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer vorgelegte Schulreformpaket. Die Einführung des Unterrichtsgegenstandes "Informations- und Kommunikationstechnologie" in der ersten Klasse der Hauptschule und der allgemein bildenden höheren Schulen (AHS), die Ausweitung der Schulautonomie auf die Oberstufe der allgemein bildenden höheren Schulen und die Integration von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in die Polytechnische Schule sind Hauptpunkte der Schulpaketes.
"Die rasante Entwicklung im Wirtschafts- und Arbeitsleben und die damit verbundenen neuen Anforderungen sind große Herausforderungen für das Bildungswesen. Mit dem heute vorgelegten Schulreformpaket werden Maßnahmen gesetzt, die die Weiterentwicklung unserer Schulen unterstützen und so den Schülerinnen und Schülern eine bestmögliche Ausbildung für ihr späteres Leben sichern", erklärte Gehrer.
Erste wichtige Neuerung wird die Einführung des verpflichtenden Unterrichtsgegenstandes "Informations- und Kommunikationstechnologie" in der ersten Klasse der Hauptschule und der allgemein bildenden höheren Schule sein. Bis jetzt fand der erste verpflichtende Informatikunterricht erst in der 5. Klasse Gymnasium statt. "Durch die Einführung des neuen Unterrichtsgegenstandes in der ersten Klasse erhalten alle Schülerinnen und Schüler eine gute Grundausbildung im Umgang mit den neuen Technologien. Vor allem Schülerinnen und Schüler, die zuhause keinen Computer stehen haben, erhalten die Chance, die neuen Medien kennen zu lernen. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass ein Einführungsunterricht in die Informationstechnologie in der 9. Schulstufe zu spät ist", sagte Gehrer.
Die drei Formen der AHS, nämlich das Gymnasium, das Realgymnasium und das Wirtschaftskundliche Gymnasium werden weiterhin bestehen bleiben. Durch eine Lehrplanreform wird es den allgemein bildenden höheren Schulen jedoch möglich sein, auch in der Oberstufe schulautonom Schwerpunkte zu setzen. Der Lateinunterricht bleibt in einer Form der AHS, dem Gymnasium, weiterhin verpflichtend erhalten. Schülerinnen und Schüler der Gymnasien werden künftig in der dritten Klasse zwischen Latein oder einer weiteren Fremdsprache wählen können. Ab der 5. Klasse ist dann für alle der Unterricht in Latein sowie zwei weiteren Fremdsprachen verpflichtend. Um schulautonome Schwerpunktsetzungen besser darstellen zu können, werden Schulen künftig Zusatzbezeichnungen führen können.
Im Rahmen des Schulpaketes ist die Ausweitung der Integration von geistig behinderten Kindern in die Polytechnische Schule geplant. Die erfolgreichen Schulversuche der vergangenen Jahre werden damit ins Regelschulwesen übergeführt. "Ziel der Integration in der neunten Schulstufe ist es, die geistig behinderten Kinder ins Leben und in die Gesellschaft hinein zu begleiten und, soweit es möglich ist, auf eine Berufstätigkeit vorzubereiten. Die Polytechnische Schule, die die Berufsvorbereitung der Schülerinnen und Schüler zur Aufgabe hat, bietet dafür die besten Voraussetzungen", erklärte Gehrer.

Weitere Punkte des Schulreformpaketes enthalten die Umbenennung des Unterrichtsgegenstandes "Leibesübungen" bzw. "Leibeserziehung" in "Bewegung und Sport" sowie die Umbenennung der "Sonderschule" in "Förderschule". "Damit bringen wir das Wesen dieser Schulart besser zum Ausdruck, nämlich die Schülerinnen und Schüler in ihren Fähigkeiten besonders zu fördern", so Gehrer abschließend.

 
Wie soll man organisierte Schlepperei bekämpfen?
Hauptausschuss diskutiert Themen des Europäischen Rates in Sevilla
Wien (pk) - Im Zentrum der Beratungen des Hauptausschusses unter der Vorsitzführung von Nationalratspräsident Fischer standen am Mittwoch (19. 06.) europäische Themen. Im Vorfeld des kommenden Europäischen Rates von Sevilla diskutierten die Abgeordneten und die anwesenden Mitglieder des Europäischen Parlaments über Fragen der Migrationspolitik, einer internationalen Grenzschutztruppe sowie über die öffentlich diskutierte Reform des Rates. Ein Antrag auf Stellungnahme, der von SPÖ und Grünen gemeinsam eingebracht wurde, fand nicht die erforderliche Mehrheit.
Anschließend kam es im Rahmen einer aktuellen Aussprache unter Anwesenheit österreichischer Mitglieder im Konvent zu einem Gedankenaustausch über die unterschiedlichen Positionen zur zukünftigen Gestaltung der Europäischen Union. Am Ende der Beratungen standen Entsendungen zu internationalen Organisationen.

Koordinierte Asyl- und Immigrationspolitik Internationale Grenzschutztruppe
Hauptthema beim kommenden Europäischen Rat in Sevilla werde die Asyl- und Immigrationspolitik sein, berichtete Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Mittlerweile, so der Kanzler, seien auch sozialdemokratische Regierungschefs von der Wichtigkeit dieses Themas überzeugt. Auslöser dafür seien eine Initiative Tony Blairs, die dramatischen Vorfälle an der Küste Italiens und im Tunnel zwischen Frankreich und Großbritannien gewesen. Für Österreich sei es besonders wichtig, dass dem florierenden Zweig des organisierten Schlepperwesens, das ca. 5 Mrd. umsetze - das sei mehr als im Drogenhandel -, Einhalt geboten werde. Österreich liege hinsichtlich der Haupteinfallsschleusen für Schlepper nach der Mittelmeerküste und Spanien bereits am dritten Platz, weit vor der gesamten deutschen Ostgrenze. Was die Asylanträge betreffe, belege Österreich mit 30.000 pro Jahr den fünften Platz, wenn man die Anträge pro Kopf berechne.
Der Kampf gegen das organisierte Schlepperwesen bedürfe daher einer umfassenden europäischen Koordination und der Schaffung gemeinsamer Standards für Asylbewerbungen. Darüber hinaus sei eine intensive Zusammenarbeit der Grenzpolizei erforderlich, vor allem in Bezug auf ein gemeinsames Training, eine gemeinsame Ausbildung und einheitliche Standards. Dazu soll ein Forum für einen strategischen Aktionsplan geschaffen werden. Das Ganze plane man mit einer Hilfe vor Ort durch internationale Verträge zu verknüpfen.
Die Zielsetzung, für Asylanträge einheitliche Standards zu schaffen, werde von der SPÖ unterstützt, sagte Caspar Einem (S). Skepsis zeigte er jedoch im Zusammenhang mit der Entwicklungspolitik. Finanzielle Leistungen abzudrehen, könne nicht das richtige Mittel sein, so Einem, vielmehr müsse man den Ländern helfen, damit sie ihren BürgerInnen auch eine Perspektive anbieten könnten. Die EU-Abgeordnete Maria Berger (S) kritisierte, dass man die in Tampere gefassten Beschlüsse wegen mangelnder Koordination der Ratsformationen und wegen des Einstimmigkeitsprinzips noch umgesetzt habe.
In dieser Auffassung wurde sie vom EU-Abgeordneten Johannes Voggenhuber (G) unterstützt. Er warf dem Rat sogar vor, gegenüber Tampere eine "dramatische Kurskorrektur" vornehmen zu wollen. Der Rat reduziere die Probleme auf die militärische und politische Abwehr von Flüchtlingen und ImmigrantInnen und nehme offenbar auch eine Zusammenarbeit Europas mit der Polizei und den Armeen der Verfolgerstaaten in Kauf. Dies bedeute einen "historischen Bruch in der Menschenrechtstradition Europas", betonte Voggenhuber. Auch Abgeordnete Terezija Stoisits (G), die nicht von illegaler, sondern von "irregulärer" Einwanderung sprechen wollte, ortete die Schuld für die derzeitige Situation im Fehlen einheitlicher Bezugspunkte. Insbesondere müssten Anreizsysteme und Kooperationen für die Rückführung von ImmigrantInnen geschaffen werden. Sie machte sich dafür stark, die ökonomische Situation in diesen Ländern durch politische und finanzielle Hilfe zu verbessern anstatt mit militärischer Macht vorzugehen. Die Verknüpfung dieses Themas mit der Entwicklungshilfe wurde von beiden abgelehnt.
Im Gegensatz zu den kritischen Anmerkungen der Opposition hielten die Abgeordneten der Regierungsparteien die geplanten Maßnahmen im Kampf gegen die illegale Immigration für den entscheidenden Punkt. In diesem Sinne äußerte sich zum Beispiel Abgeordneter Reinhard Eugen Bösch (F). Auch seine Klubkollegin Ilse Burket stellte unter Hinweis auf das Nachhaltigkeitsprinzip auch in der Entwicklungszusammenarbeit fest, es könne nicht angehen, dass Länder ihre Leute auswandern ließen und sich somit der Verantwortung entzögen.
Im Gegensatz zu den Grünen und SozialdemokratInnen wertete Bundeskanzler Wolfgang Schüssel das Einstimmigkeitsprinzip im Bereich der Asylpolitik als wichtig. Er gab zu bedenken, dass es gerade bei der Entwicklung des Erst-Acquis um äußerst sensible Punkte gehe, weshalb man vorsichtig vorgehen müsse, um nicht nationalstaatliche Steuerungsmechanismen außer Kraft zu setzen. Die Einstimmigkeit sei ein absoluter Schutz gewesen. Bei der Weiterentwicklung könne man durchaus aufmachen, so Schüssel. Vehement wehrte er sich gegen den Vorwurf Voggenhubers, man überlasse die Asylanten den Verfolgern. Das Asylrecht sei ein selbstverständliches Credo dieser Regierung. Es sei aber notwendig, dass man für die Länder der Dritten Welt klare Spielregeln schaffe, meinte Schüssel. Die Androhung von Konsequenzen bei Nicht-Kooperation werde ihre Wirkungen haben, zeigte er sich überzeugt.
Bundesministerin Benita Ferrero-Waldner ergänzte, dass es für die EU als größten Zahler legitim sei, Dinge einzufordern. Es gehe darum, die Rute ins Fenster zu stellen, um die bestmögliche Kooperation zu gewährleisten. Nachdem Abgeordneter Gerhard Fallent (F) darauf hingewiesen hatte, dass in Europa 28 Mrd. für die Entwicklungszusammenarbeit auf Eis lägen, erläuterte die Außenministerin, dass man um die bessere Verwaltung der Gelder in der Kommission bemüht sei und man sich genau anschauen werde, was vor Ort getan wird.
Zu einer gemeinsamen Grenzkontrolleinheit vertrat Abgeordneter Caspar Einem (S) den Standpunkt, dass die Aufgabe weiterhin eine nationale Angelegenheit bleiben müsse. Aus Gründen der Vertrauensbildung sei es aber durchaus sinnvoll, auch eine gemeinsame Grenzkontrolleinheit zu haben. Abgeordnete Evelin Lichtenberger (G) stellte in diesem Zusammenhang jedoch die Frage in den Raum, wer diese kontrolliere und wem gegenüber diese verantwortlich sei. Bundeskanzler Schüssel meinte dazu, dass sich die Grenzschutztruppe erst langfristig entwickeln werde und man jetzt über gemeinsame Standards nachdenke. Das Thema sei jedoch äußerst sensibel und man habe derzeit vor allem Bedarf nach gegenseitiger Information. Jedenfalls müsse die nationale Kontrolle gewahrt bleiben, betonte auch Schüssel.

 
Gusenbauer sieht die Sozialdemokratischen Parteien als "übriggebliebene Anwälte des europäischen Projekts"
150 Jahre Victor Adler - Diskussion über Traditionen und Perspektiven der Sozialdemokratie
Wien (sk) - "Die Sozialdemokratischen Parteien sind die übrig gebliebenen Anwälte des europäischen Projektes", konstatierte SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer am Montag (17. 06.) Abend im Rahmen einer vom Renner Institut organisierten - und akademisch hochrangig besetzten - Veranstaltung zum Thema "Am Ende des Dritten Weges?".
Konkreten Anlass für die Veranstaltung gab der 150.Geburtstag von Victor Adler, den Nationalratspräsident Heinz Fischer für dessen Scharfsichtigkeit bei der Erkenntnis der Bedeutung der sozialen Frage und der Demokratie, würdigte. Neben dem SPÖ-Vorsitzenden sprachen Donald Sassoon, Professor an der University of London, und Chantal Mouffe von der University of Westminster, London über die Traditionen und Perspektiven der Sozialdemokratie in Europa.
"Ein wesentliches Problem" der Europäischen Sozialdemokratie ortete Gusenbauer darin, dass in den letzten Jahren die "Koalitionen der Mitte", also Bündnisse zwischen Mitte-Links und Mitte-Rechts-Parteien zerbrochen sind. Es sei dabei kein Zufall, dass die Koalitionen just zu dem Zeitpunkt zerbrochen seien, wo es für die Sozialdemokratie interessant geworden sei: nämlich dann, als es um die sozialen Verheißungen, um die soziale Gestaltung Europas gegangen sei, bemerkte Gusenbauer. Die neuen Bündnisse zwischen den gemäßigten Rechten und den Rechtspopulisten wertete Gusenbauer als Signal dafür, dass der Integrationsprozess gestoppt werden solle. Für die Sozialdemokratie bedeute das nunmehr, dass sie alleine die Verantwortung für den Erfolg des europäischen Projektes zu tragen haben - und deshalb als einzige "Anwälte des europäischen Projektes" zu agieren haben.
Hinsichtlich der Entwicklung des Europäischen Projektes nannte Gusenbauer die Demokratisierung der EU als wesentliches Ziel. Vor allem unter Berücksichtigung auf die bevorstehende Erweiterung betonte Gusenbauer: "Ein erweitertes Europa ohne mehr Demokratie kann bald zu einer Krise der gesamten EU werden." Als nächster Schritt in Richtung einem Mehr an Demokratie müsse den Bürgern die Möglichkeit eingeräumt werden, den Kurs der EU mit zu bestimmen. Zu diesem Zweck sei eine klare Trennung der institutionellen Verantwortlichkeiten innerhalb der EU unumgänglich, stellte Gusenbauer fest.
"Die Globalisierung menschlich und sozial zu gestalten ist kein esoterischer Anspruch, sondern eine politische Kampfansage", unterstrich Gusenbauer - und kritisierte damit die mangelnde Bereitschaft von Seiten Europas, potentielle Konflikte auf machtpolitischer Ebene auszutragen. Über das Potential dieses Konfliktstoffes ließ Gusenbauer keine Zweifel kommen: So verstoße die soziale Gestaltung der Globalisierung eindeutig gegen die Logik des vorherrschenden "Washington Consensus". Mit dieser Ansage traf Gusenbauer bei Mouffe genau ins Schwarze. Mouffe hatte in ihrem Redebeitrag die Notwendigkeit der Entwicklung einer europäischen Alternative zum Neoliberalismus und der neoliberalen Globalisierung betont und sich gegen die Anpassung an das "Schicksal der Globalisierung" gewendet.
"Die Niederlagen der sozialdemokratischen Parteien haben viel damit zu tun, dass sie vorher an der Regierung waren", zeigte sich Gusenbauer überzeugt. Es handle sich bei deren Wahlniederlagen weniger um eine anti-sozialdemokratische Welle, sondern vielmehr um einen allgemeinen Trend, nach dem Regierungen aufgrund der weithin verbreiteten Verunsicherung und der Unzufriedenheit von der Bevölkerung abgewählt werden. Als Indiz dafür wertete Gusenbauer die Wahlerfolge der Sozialdemokraten in Mitteleuropa, wie in Ungarn, Polen und Tschechien, die auf deren sozial orientierte Politik zurückzuführen seien.
Selbstkritisch zeigte sich Gusenbauer im Zusammenhang mit dem sozialdemokratischen Steckenpferd des Wohlfahrtsstaates. Dieser habe nicht nur soziale Gerechtigkeit, sondern auch neue Ungerechtigkeiten produziert - nicht zuletzt deshalb, weil er auch "Ausdruck des Kräfteverhältnisses der verschiedenen Lobbys" sei. Diese politisch - und nicht durch den Markt - entstandenen Ungerechtigkeiten stießen bei der Bevölkerung - "zu Recht" - auf Akzeptanzprobleme, analysierte Gusenbauer.
Sassoon sah eines der größten Probleme der Sozialdemokratie darin, dass sie vor allem national organisiert seien und keine starken supranationalen Formationen entwickelt haben. Die Zukunft der Sozialdemokratie sei dennoch nicht gefährdet, zeigten sich Sassoon und Mouffe überzeugt. "Was wir brauchen, ist nicht mehr Modernisierung, sondern die Schaffung einer linken Identität", strich Mouffe hervor - und machte damit die Notwendigkeit deutlich, eine Allianz zwischen Mittelklasse und Arbeitern zu schaffen. Gusenbauer bekräftigte dies, indem er auf die Bedeutung der Kommunikation zwischen der sozialdemokratischen Parteien und der Bevölkerung aufmerksam machte. An die Sozialdemokratischen Parteien werden moralische und ethische Ansprüche gestellt. "Und das mit Recht", betonte Gusenbauer. Moral solle in der Politik auch eine Rolle spielen.

 
Haupt: Dank Kindergeld mehr Geburten in Österreich
Im April um 5,2 Prozent mehr Geburten als im Vorjahr
Wien (bmsg) - "Es gibt wieder mehr Geburten in Österreich. Dafür ist das von der Bundesregierung eingeführte Kindergeld mit Sicherheit mitverantwortlich". Mit diesen Worten kommentierte Familienminister Mag. Herbert Haupt die jüngsten von der Statistik Austria veröffentlichten Zahlen, die in den ersten Monaten dieses Jahres und hier vor allem im April eine signifikant gestiegene Geburtenzahl ausweisen.
Die größten Zuwächse gab es dabei im April dieses Jahres in der Steiermark mit einem Plus von 13,1 Prozent, gefolgt von Vorarlberg mit einem Plus von 10,7 Prozent und Kärnten mit einem Plus von 8,3 Prozent. Insgesamt gab es im April dieses Jahres um 321 Kinder mehr als im April des Vorjahres.
"Ich bin davon überzeugt, dass dieses Mehr an Geburten sich auf die neue Familienpolitik der Bundesregierung zurückführen lässt, die mit einem "bunten Strauß an neuen Familienleistungen" den Österreicherinnen und Österreichern ein Leben mit Kindern wieder schmackhaft gemacht hat", betonte der Familienminister. An erster Stelle stünde hier selbstverständlich das Kindergeld, der "Worldchampion" unter den Familienleistungen, aber auch die erhöhte Familienbeihilfe, der Mehrkindzuschlag, Pflegegeld ab der Geburt usw. Auch die Familienhospizkarenz und die Abfertigung Neu berücksichtigen in besonderem Maße die Interessen der Familien. "Eine neue, familienfreundliche Atmosphäre hat in unserem Lande Platz gegriffen. Und deshalb gibt es auch wieder mehr Kinder. Ich freue mich über diesen positiven Trend, der sich mit Sicherheit fortsetzen wird", so der Familienminister abschließend.

 
Molterer: Imponierende Naturschutzbilanz für Österreich
Nationalparks orientieren sich an internationalen Kriterien - Ein Viertel des Bundesgebietes steht unter Schutz
Wien/Pörtschach (bmlfuw) - Eine erfolgreiche Bilanz der österreichischen Naturschutzpolitik präsentierte Umwelt- und Landwirtschaftsminister Mag. Wilhelm Molterer Ende vergangener Woche (14. 06.) am Europakongress der Welt-Naturschutzunion IUCN in Pörtschach (Kärnten).
"In Österreich steht rund ein Viertel des Bundesgebietes nach verschiedenen Kategorien unter Schutz. Das ist im europäischen Vergleich ein erfreulich hoher Wert und unsere fünf Nationalparks orientieren sich überwiegend an den strengen IUCN-Kriterien. Österreich ist sich seiner Vorbildrolle also sehr bewusst", sagte Molterer bei der Eröffnung der Tagung, in deren Mittelpunkt das Thema Zusammenarbeit im Natur- und Umweltschutz zwischen den westeuropäischen und den zentral- und osteuropäischen Ländern steht.
Eine der Hauptaufgaben der IUCN ist unter anderem die Festlegung von Kriterien und Qualitätsstandards für Schutzgebiete. Österreich verfügt insgesamt über rund 180 Gebiete in den einzelnen Schutzkategorien. So entsprechen die Nationalparks Neusiedler See, Kalkalpen, Thayatal, Donau-Auen und der Kärntner Teil des Nationalparks Hohe Tauern der IUCN-Kategorie II für Nationalparks. Zwei dieser Nationalparks sind grenzüberschreitende Schutzgebiete. Der Großteil des Nationalparks Thayatal liegt auf tschechischem Staatsgebiet und ein Teil des Nationalparks Neusiedlersee auf ungarischem Territorium. "Diese Naturschutzprojekte sind "Grüne Brücken" und tragen wesentlich zur Zusammenarbeit mit unseren Nachbarn bei", betonte Molterer.
54 Gebiete zählen zur Kategorie IV ("Biotop- bzw. Artenschutzgebiet mit Management") und 120 zur Kategorie V ("Geschützte Landschaft"). Für die Einstufung in die höchste Schutzstufe ("Wildnisgebiet") hat Österreich als sein erstes Gebiet den "Urwald Rothwald" in Dürrenstein (Niederösterreich) nominiert, die Bestätigung steht aber noch aus.
Zu den internationalen Schutzgebieten auf österreichischen Staatsgebiet zählen 56 biogenetische Reservate des Europarates, elf Feuchtgebiete gemäß Ramsar-Konvention und fünf UNESCO-Biosphärenreservate.
Österreich ist daneben auch zahlreichen internationalen Konventionen beigetreten, wie etwa dem Übereinkommen über die biologische Vielfalt, der Berner Konvention zum Schutz wildlebender Pflanzen und Tiere, dem Washingtoner Artenschutzabkommen und der Alpenkonvention. Addiert man die Flächen aller Gebiete, die nach verschiedenen Kategorien geschützt sind, kommt man auf rund 25 % des Staatsgebietes.
Den Erfolg und den Stellenwert der heimischen Nationalparks führt Molterer auf drei Faktoren zurück: "Das sind die frühe Einbeziehung von Grundbesitzern und Bevölkerung in den Entscheidungsprozess, die Gewährung von angemessenen Entschädigungen für wirtschaftliche Nachteile und die Ausrichtung der Nationalparkpolitik nach den Kriterien der IUCN." Moderner Naturschutz lebe von der Partnerschaft zwischen den Interessengruppen, so der Minister. "Bevölkerung, Grundeigentümer, Jagd, Land- und Forstwirtschaft müssen mit den Anliegen des Naturschutzes vertraut werden. Das ist nur in ständigem Dialog möglich."
Die Nationalparks haben sich in den letzten Jahren zu besonderen Anziehungspunkten entwickelt. Im Jahr 2001 haben rund vier Millionen Menschen die fünf heimischen Parks besucht. Ein großer Teil von ihnen hat dort spezielle Informations- und Bildungsangebote in Anspruch genommen. Insgesamt wurden mehr als 3.000 Exkursionen und Veranstaltungen organisiert. Mehr als 60.000 Schüler und Schülerinnen waren im Rahmen von Projektwochen in den österreichischen Nationalparks unterwegs.
"Einer der Gründe für die steigende Anerkennung der Nationalparks ist auch ihre wirtschaftliche Sogwirkung", betonte Molterer. Nationalparks fungieren als Leitprojekte für die Regionen, als Impulsgeber für die lokale Wirtschaft und den Fremdenverkehr. Außerdem seien sie durch die Verbindung von Naturschutz, Tourismus, Bildung und Forschung zu Zentren der Umweltbildung geworden, schloss Molterer.

 
Vorarlberg lässt Anforderungen an die Kinderbetreuung erheben
Evaluation der Kindergruppe Hampelmann
Dornbirn (vlk) - Die Kindergruppe Hampelmann in Dornbirn, die vor Kurzem ihr Betreuungsangebot von halb- auf ganztägig ausgeweitet hat, wird einer umfassenden Evaluation unterzogen. Die Vorarlberger Landesregierung stellt dafür 25.000 Euro zur Verfügung.
Der Anstoß zu diesem Vorhaben kam von AK-Direktor Heinz Peter beim Kinderbetreuungsgespräch im März dieses Jahres. Landesrätin Greti Schmid dazu: "Die wissenschaftliche Begleitung wird uns darüber Aufschluss geben, welche Wünsche und Anforderungen berufstätige Eltern an die Kinderbetreuung stellen und wo ihre Motive für die Inanspruchnahme der Betreuungseinrichtung liegen." Die Erfahrungen aus diesem Projekt sollen in der Folge in die Verbesserung der Kleinkinderbetreuung im ganzen Land einfließen.
Mit der FHS St. Gallen/Rorschach konnte ein kompetenter Partner, der besonders in der Evaluationsforschung tätig ist, gewonnen werden. Die Ergebnisse sollen bis November 2002 auf dem Tisch liegen.
Landesrätin Schmid: "Der bedarfsgerechte Ausbau unserer Kinderbetreuungsangebote trägt zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei. Im Mittelpunkt aller unserer Bemühungen steht vor allem das Wohl der Kinder."