Wissenschaft & Technik
der Woche vom 21. 08. bis 27. 08. 2001

 

   
Abgasreinigung ist eine wirtschaftliche Chance
St. Aegyd (nöwpd) - Als wirtschaftliche Chance, die nicht unterschätzt werden sollte, betrachtet Dipl.-Ing. Armin Angele, Geschäftsführer der Roth-Technik Austria (RTA) in St. Aegyd am Neuwalde, die Entwicklung und Erzeugung von qualitativ hochwertigen Abgasreinigungsanlagen, die neuen, noch strengeren Grenzwerten entsprechen. Solche peilt die Europäische Union spätestens für das Jahr 2008 an. Diese in der Euro-5-Norm festgelegten Grenzwerte seien ­ so Angele im Gespräch mit dem NÖ Wirtschaftspressedienst ­ "mit Partikelfilter nicht mehr zu erreichen". Deshalb habe der Autozulieferbetrieb, der bis vor kurzem nur Schalldämpfer erzeugt hat, die Produktion von Abgasanlagen aufgenommen, die in die Schalldämpferanlagen integriert werden können. Positive Auswirkungen erwartet sich Angele von einer Vereinbarung zwischen RTA und MAN über eine gemeinsame technische Entwicklungskooperation beider Häuser.
Im Vorjahr erzielte die RTA ­ die neben Schalldämpfern für PKW, Nutzfahrzeuge und Mopeds auch Stanz- und Pressteile sowie Sitzgestelle für Kraftfahrzeuge produziert ­ mit 170 Beschäftigten in St. Aegyd einen Jahresumsatz von 295 Millionen Schilling. Davon entfielen 75 Prozent auf den Export, vor allem nach Deutschland. "Wir sind sehr stark exportorientiert", sagte Angele, wobei der EU-Markt immer mehr zum Inlandsmarkt werde.
Zur derzeitigen Situation der RTA berichtete Angele, daß es "ein bißchen Probleme" gebe: "Die Konjunktur lahmt. Es gibt ungeplante Umsatzrückgänge um ca. zehn Prozent. Das ist natürlich unerquicklich." Der für heuer angepeilte Jahresumsatz von 282 Millionen Schilling werde wohl nicht zu erreichen sein. Es gelte, "die Kosten
zu überprüfen".
Andererseits aber sei das seit 1997 selbständige Unternehmen konsolidiert. Angele: "Immerhin haben wir nach vier Jahren eine Eigenkapitalquote von über 30 Prozent erreicht."
   

   
„Forschung Austria“ erweitert Aufgabengebiet
Alpbach (pts) - Bei der jüngsten Sitzung der „Forschung Austria“ am 22.8.2001 in Alpbach übergab Dr. Bernhard Pelzl den Vorsitz an Dr. Helmut Krünes. „Forschung Austria“ ist die wichtigste österreichische Vereinigung für die außeruniversitäre Forschung. Mitglieder sind derzeit die Austrian Research Centers (ARC), arsenal research und Joanneum Research. Dr. Bernhard Pelzl hat die „Forschung Austria“ während der Aufbauphase als Vorsitzender geleitet. Seine besonderen Leistungen wurden von den Mitgliedern des Verbandes ausdrücklich gewürdigt. Mit der Übernahme neuer Zielsetzungen durch die Vereinigung geht eine wesentliche Intensivierung der Arbeiten einher, die eine starke personelle Verfügbarkeit des Präsidenten erforderlich macht. Dr. Helmut Krünes, Aufsichtsratsvorsitzender von arsenal research will sich der neuen Herausforderung stellen, „Forschung Austria“ zum Träger zweier wesentlicher, neuer Aufgaben zu machen.
Die Europäische Kommission verfolgt derzeit in Vorbereitung des 6. Rahmenprogramms für Forschung, Technologie und Entwicklung das Konzept der Schaffung eines "Europäischen Forschungsraums". Durch Vernetzung von Spitzenforschungs-Unternehmen sollen "Centers of Excellence" entstehen, die Europa in die Lage versetzen, dem Wettbewerb innerhalb der Forschungstriade (USA, Japan, Europa) gewachsen zu sein. Dieses Konzept läßt es auch für Österreich notwendig werden, seine Stärken zu bündeln, um in diesem "Netzwerk der Besten" eine wichtige Rolle zu spielen. Präsident Helmut Krünes sieht es als eine zentrale Aufgabe von „Forschung Austria“ die Konzentration der Kräfte zu organisieren. Dabei sollen nicht nur die Mitgliedsinstitutionen einbezogen werden, sondern es wird ein Angebot an alle Forschungseinrichtungen des Landes ergehen. Helmut Krünes will das neu zu schaffende Netzwerk aber nicht auf Österreich beschränkt sehen: Ein Netzwerk der Forschungskräfte muss jedenfalls auch unsere Nachbarländer umfassen. Hier gibt eine gute Chance gemeinsam mit den potenziellen Beitrittswerbern positive Aktivitäten zu beiderseitigem Nutzen zu setzen".
Einen zweiten Schwerpunkt sieht der neue Vorsitzende in der Stärkung des Technologietransfers in die KMU. Die beabsichtige Steigerung der anwendungsorientierten Forschung und Technologieentwicklung erfordert speziell in Österreich mit seiner klein- und mittelständischen Struktur eine Anpassung der Konzeption auf diesen Bereich. Gemeinsam mit ACR (Austria Cooperative Research) will die „Forschung Austria“ Bemühungen setzen, Hürden beim Zutritt von KMU in den Bereich Forschung und Technologieentwicklung abzubauen. Dazu soll die Zusammenarbeit auf Bundesländerebene forciert werden.
In diesem Zusammenhang sieht Helmut Krünes den baldigen Eintritt von "Salzburg Research" in die „Forschung Austria“ als einen ersten positiven Schritt zur Ausweitung des Verbandes. "Ich hoffe, dass sich in Kürze andere Forschungseinrichtungen der Bundesländer zum Beitritt in die „Forschung Austria“ entscheiden werden, damit wir gemeinsam die konstruktive Vernetzung der österreichischen Forschung vorantreiben können, die notwendig ist, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen", so Krünes.
 

   
Leobener Geowissenschaftler für Publikation ausgezeichnet
Artikel beschäftigt sich mit größter Chromit-Lagerstätte im südlichen Ural
Leoben (pte) - Geowissenschaftler der Montanuniversität Leoben werden für die beste Veröffentlichung der Jahre 1999 und 2001 in der renommierten geologischen Fachzeitschrift "Mineralium Deposita" ausgezeichnet. Der Artikel von Frank Melcher, Walter Grum, Tatjana und Oskar Thalhammer, der sich mit der größten Chromit-Lagerstätte im südlichen Ural beschäftigt, wurde von einer internationalen Jury aus europäischen und US-amerikanischen Geologen ausgewählt. Der Preis in der Höhe von über 1.500 Euro wird nächste Woche anlässlich der 6. Tagung der Lagerstätten-Geologen in Krakau verliehen.  

Foto: Montanuniversität Leoben
Die vier Autoren waren bzw. sind am Institut für Geowissenschaften beschäftigt und forschten in einem Zeitraum von vier Jahren intensiv über das Chromitvorkommen im südlichen Ural. Mit geologisch-mineralogischen und geochemischen Untersuchungen gelang es dem Forscherteam, die Bildung dieser riesigen Chrom-Vorkommen zu erklären. Der Artikel wurde in Vol. 34, Issue 3 (1999), pp 250-272 veröffentlicht.
Die einstige sowjetische Lagerstätte in Kempirsai machte die UdSSR neben Südafrika zum Weltmarktführer bei Chromit, das als Stahlhärter für rostfreie Stahlüberzüge zum Einsatz kommt. Seit dem Zerfall der Sowjetunion gehört das Vorkommen zu Kasachstan. Russland verlor damit seine führende Rolle am Chromit-Weltmarkt.
 

   
Donauexpedition 2001:
Von Regensburg bis zur Mündung in das Schwarze Meer
Wien (bmlfuw) - Österreich - als Sitz des Donauschutzübereinkommens – sieht sich mehr denn je als die internationale Drehscheibe zum Schutz der Donau. Vor dem Hintergrund der neuen europäischen Wasserrahmenrichtlinie setzt das Landwirtschafts- und Umweltressort neue Impulse für eine einheitlich erhobene Gesamtsicht des Zustandes der Donau.  

Foto: BMLF
Vom 12. August bis 20. September 2001 führen Österreich und Deutschland unter Einbindung aller Donauanrainerstaaten ein von der Internationalen Kommission zum Schutz der Donau (IKSD) koordiniertes Messprogramm in Form einer wissenschaftlichen Donaumessfahrt durch. Für Österreich ist der grenzüberschreitende Schutz der Donau ein besonderes Anliegen und wird seit Jahren forciert, erklärt Wilfried Schimon vom Landwirtschafts- und Umweltressort anlässlich der Pressekonferenz im Rahmen der Donaumessfahrt 2001.

Donau hat in Österreich gute Wasserqualität
Im letzten Bericht des Bundesamtes für Wasserwirtschaft wird der Donau in Österreich sowohl eine gute chemisch-physikalische wie auch eine gute saprobiologische Wasserbeschaffenheit bescheinigt. Die Donau wurde im Untersuchungszeitraum 1999 zwischen Passau und Wolfsthal aus saprobiologischer Sicht in Güteklasse II, nur in wenigen Passagen II-III (unterhalb von Linz und Wien), eingestuft. Die schlechten Güteklassen III und IV kommen überhaupt nicht mehr vor. Über die Erweiterung der Hauptkläranlage Wien und der Kläranlage Linz wird auch unterhalb dieser Ballungszentren noch eine weitere Verbesserung der Wassergüte der Donau erwartet.
Eine sehr wichtige Frage stellt der Nährstoffeintrag über die Donau in das Schwarze Meer dar. Dieses Problem löst auch immer wieder Diskussionen auf internationaler Ebene aus. Vor einigen Jahren hat eine niederländische Consultingfirma die Nährstoffsituation am gesamten Verlauf der Donau näher untersucht. Diese hat ergeben, dass
- 25 % der Wassermenge der Donau aus Österreich stammt,
- nur 11,5 % der Stickstoffeinträge
- nur 6,5 % der Phosphorfrachten
aus Österreich stammen, was den hohen Standard der österreichischen Gewässerreinhaltung dokumentiert. Die aktuellen Untersuchungen der Donau belegen, daß die einschlägigen Qualitätsvorgaben fast immer deutlich unterschritten werden.

Zuverlässige Informationen über die Qualität der Donau
Die Donau durchläuft 9 Anliegerstaaten mit unterschiedlichen geografischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten. Der Fluss selbst ändert auf der Fließstrecke von ca. 3000 km Länge seinen Charakter von einem Gebirgsfluss zu einem Tieflandstrom. Die Anfänge der Kooperation der Donaustaaten reichen noch in jene Zeiten zurück, als das Donaueinzugsgebiet vom Eisernen Vorhang zerschnitten war. Schon damals gab es auf Fachebene auf Grundlage der Bukarester Deklaration eine Zusammenarbeit, die auch Güteuntersuchungen an der Donau und den Austausch der Daten zum Inhalt hatte. In der Folge hat Österreich das Zustandekommen der "Konvention über die wasserwirtschaftliche Zusammenarbeit zum Schutz der Donau" maßgeblich unterstützt. Das Abkommen wurde 1994 in Sofia unterzeichnet und ist 1998 in Kraft getreten. Inhaltlich verfolgt die Konvention vor allem die Vermeidung, Bekämpfung und Verringerung grenzüberschreitender Beeinträchtigungen.
Mit dem Projekt der wissenschaftlichen Donaumessfahrt 2001 soll erstmals eine Gesamtbefahrung der Donau und ein einheitliches Monitoring vom Beginn der befahrbaren Strecke bis zur Mündung in das Schwarze Meer durchgeführt werden. Die 6-wöchige Längsbefahrung wird mit dem hessischen Laborschiff "Argus", einem ungarischen Begleitschiff "Szechenyi" und einem Team von neun internationalen Wissenschaftern an Bord, unter denen sich auch zwei Österreicher befinden, durchgeführt. Beginnend bei Regensburg ist vorgesehen, entlang der über 2600 Kilometer langen Strecke in Abständen von durchschnittlich 30 Kilometer Proben zu entnehmen. Damit können vergleichbare und zuverlässige Informationen über die Qualität der verschiedenen Kompartimente des aquatischen Ökosystems (Wasser, Sediment, Schwebstoffe) sowie über die Anreicherung von Schadstoffen in Lebewesen im Längsverlauf der Donau gewonnen werden. Besonderes Augenmerk wird neben der chemischen Analytik auch auf die umfassende Untersuchung der verschiedenen Wasserorganismen (aquatischen Lebensgemeinschaften) gelegt. Finanziert wird die Donauexpedition vom deutschen Umweltministerium und dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft.
Die Messfahrt der Schiffe Argus und Szechenyi dient – in Übereinstimmung mit dem Donauschutzübereinkommen und in Ergänzung der in diesem Rahmen erfolgenden grobmaschigen nationalen Maßprogramme – folgenden Zielen:
- Herausarbeiten von Donauabschnitten in ihren Unterschieden
   und Gemeinsamkeiten auf Basis eines einheitlichen und vergleichbaren
   Datensets
- Untersuchung des Flusses auf Verunreinigungen und Erkennen von
   Verunreinigungsquellen
- Verbesserung der angewendeten Praxis für Probenahme und Untersuchung
- Information der Öffentlichkeit
Wichtig und neu ist, dass die einzelnen Parameter über den gesamten Verlauf der Fahrt von jeweils einem Labor analysiert werden. Da aber den in den einzelnen Staaten tätigen Labors die Möglichkeit geboten wird, sich an der Analytik zu beteiligen, kann die Messfahrt also auch als großangelegter Laborvergleichsversuch betrachtet werden. In einem gemeinsamen Bericht werden die Ergebnisse der Donaumessfahrt 2001 zusammengefasst und veröffentlicht werden.
Informationen im Internet: www.icpdr.org/DANUBIS
 

   
Alzheimer-Wirkstoff von Sanochemia in USA zugelassen
Wiener Pharmaunternehmen sieht "ungeheures Absatzpotenzial"
Wien (pte) - Die "erste Zulassung" des von Sanochemia synthetisch hergestellten Galantamine für den US-Markt ist vor wenigen Tagen erfolgt. Wie Sanochemia Dienstagabend mitteilte, gaben dies die Marketingpartner des Unternehmens, Janssen (Johnson & Johnson), bekannt. Das am Neuen Markt notierte Wiener Pharmaunternehmen besitzt das exklusive weltweite Recht auf die synthetische Produktion des Wirkstoffes bis zum Jahr 2014. Galantamine wird in der Alzheimertherapie eingesetzt. Mit der EU-Zulassung des Wirkstoffes ist bis Oktober zu rechnen, gab das Unternehmen in einer Aussendung weiters bekannt.
Der amerikanische Markt bedeutete für Sanochemia ein "ungeheures Absatzpotential" für den synthetisch hergestellten Wirkstoff. In Amerika leiden derzeit etwa vier Mio. Patienten an der Alzheimer´schen Krankheit, ein Anstieg auf rund 14 Mio. Erkrankte bis 2005 wird erwartet. Bisher wurde pflanzliches Galantamine zur Alzheimer-Behandlung verwendet.