Das Weinjahr 2003: So weit so gut!  

erstellt am
15. 08. 03

Österreichs Weingärten zeigen sich weniger anfällig für die derzeit anhaltende Trockenheit als die heimische Landwirtschaft
Wien (öwm) - Seit Wochen leidet die österreichische Landwirtschaft unter akutem Wassermangel. Unzureichende Regenfälle, die in Form von Gewittern größtenteils nur punktuell auftreten, entschärfen die Lage kaum.

Österreichs Weingärten zeigen sich jedoch widerstandsfähig. Aufgrund der großen Dürre in weiten Teilen des Landes sind – von heutigem Standpunkt aus gesehen - keine nennenswerten Ernteausfälle zu erwarten. Erhöhte Aufmerksamkeit ist aber der sorgfältigen Bearbeitung der Weingärten zu widmen. Von der Trockenheit stärker betroffen sind Junganlagen, die aufgrund ihrer Wurzelsysteme noch keine langen Wurzeltriebe bis tief ins Erdreich aufweisen können und somit auf vorhandene Wassermengen knapp unter der Erdoberfläche angewiesen sind.
„ Bisher verlief das Weinjahr fast optimal“, freut sich Michael Thurner, Chef der Österreichischen Weinmarketingservicegesellschaft (ÖWM). „Ein sonniger August und ein milder Herbst ohne zuviel Niederschlag könnten uns wieder einen großen Weinjahrgang bringen.“

Über die Erntemengen des Jahres 2003 können zu diesem Zeitpunkt noch keine seriösen Angaben gemacht werden. „Viele Winzer beginnen jetzt erst mit dem Ausdünnen der Rebstöcke“, erklärt Michael Thurner. Entscheidend ist die Witterung in den Erntemonaten September und Oktober. Sonnige Herbstmonate ermöglichen eine optimale Ausreifung der Trauben und somit hohe Qualität. Zuviel Niederschlag in dieser Zeit erhöht den Fäulnisdruck in den Weingärten und erfordert eine sehr selektive Ernte, um nur bestes Traubenmaterial zu erhalten. „Wenn alles glatt läuft können wir mengenmäßig mit einer durchschnittlichen Ernte wie in den vergangenen 5 Jahren rechnen“, ist Michael Thurner zuversichtlich.

Zwischenbericht aus Österreichs Weinregionen
Das Burgenland verzeichnete im Mai sehr heiße Temperaturen, resultierend in einer sehr frühen Weinblüte. Aufgrund des feuchten Winters war in den Böden genügend Feuchtigkeit gespeichert, sodass ein mächtiges Wachstum der Rebstöcke eintrat. Bis zu 50ml Niederschlag wurde in der vergangenen Woche im Burgenland gemessen, die Trockenheit wird bisher nicht dramatisch eingestuft. Bei normalem Witterungsverlauf rechnen die burgenländischen Winzer mit einem verfrühten Erntebeginn bereits in der ersten Septemberwoche.

Die Situation in der Steiermark präsentiert sich ähnlich. Auf eine extrem frühe Blüte folgte ein stark vegetatives Wachstum (hohe, vorhandene Winterfeuchtigkeit) und eine sehr frühe, kurze Blüte. Regelmäßiger Niederschlag in ausreichender Menge (mit Ausnahme einiger Teile der Oststeiermark) und viele sonnige Tage verursachten einen Entwicklungsvorsprung in den Weingärten von ca. 3 Wochen. Nur vereinzelte Trockenparzellen in sehr exponierten Lagen und neuausgepflanzte Weingärten bis zu 3 Jahren weisen teilweise Dürreprobleme auf. Bei guter Entwicklung und einem schönem Herbst sehen die steirischen Winzer einem großen Jahrgang entgegen.

In Wien waren die schweren Hagelstürme Mitte Mai verheerend. Ein Totalausfall ist jedoch trotzdem nicht zu erwarten, da in vielen Fällen noch schlafende Augen an den Weinstöcken zeitgerecht austreiben konnten. Generell wird jedoch ein Ertrag unter 50% der durchschnittlichen Ernte erwartet. Längerfristige Schäden des angeschlagenen Rebholzes sind noch nicht absehbar. Auch in Wien erscheint die Trockenheit noch nicht beunruhigend, ein schöner Landregen ist aber erwünscht.

Die Weingärten im Bundesland Niederösterreich weisen eine ähnliche Entwicklung auf, wobei einzelne Subgebiete stärker vom anhaltenden Wassermangel betroffen sind.
Das Weinviertel weist trotz seiner kleinklimatischen Unterschiedlichkeit noch keine Probleme auf. Rebstöcke auf sehr sandigen, durchlässigen, heißen Böden benötigen hingegen in den nächsten Tagen bis Wochen dringend Feuchtigkeit. Kritisch ist die Situation im östlichen Weinviertel rund um Poysdorf, da hier Gewitter nur punktuell Linderung verschaffen konnten.

In den trockenen Hang- und Terrassenlagen der Wachau und des Kremstales wurden bereits vor vielen Jahren Bewässerungssysteme installiert um den ständigen Wassermangel auszugleichen. Teilweise sind hier noch große Grundwasserreserven aus den Überschwemmungstagen des vergangenen Jahres vorhanden. Auch die restlichen Gebiete Niederösterreich kämpfen derzeit nicht mit akuten Problemen aufgrund des geringen Niederschlages. Bei normaler Witterung ist eine verfrühte Ernte in den ersten Septemberwochen zu erwarten.
     
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