Seelenmessen bringen Flughafen Graz ins Schwitzen  

erstellt am
12. 08. 03

Jährlich eine Seelenmesse auf seinen Äckern, das wünschte ein Bauer vor 80 Jahren. Heute steht auf einem Acker der Tower des Grazer Flughafens. Was ist mit den Seelenmessen? kath.net hat recherchiert …
Graz (kath.net) - Jährlich eine Seelenmesse: Diese im Grundbuch eingetragene Verpflichtung bringt derzeit die Vertreter des Grazer Flughafens ins Schwitzen. Wie kath.net recherchierte, ist das Grundstück, auf dem der Tower des Flughafens steht, mit der grundbücherlichen Verpflichtung belastet, jährlich Seelenmessen lesen zu lassen. Seit 1969 ist es der Republik Österreich nicht gelungen, diese Verpflichtung loszuwerden und ihr Eigentum im Grundbuch anschreiben zu lassen.

Die Geschichte begann vor 80 Jahren: Im Jahre 1924 errichtete ein frommer Bauer aus Feldkirchen bei Graz eine Seelenämterstiftung für sich und seine verstorbene Mutter und ließ die Verpflichtung zur jährlichen Lesung je einer Seelenmesse auf allen seinen Äckern grundbücherlich sicherstellen, um auch seine Nachfahren und Erben in die Pflicht zu nehmen. Dabei machte das Grundbuchsgericht den Fehler, die „Seelenämterstiftung“ als Begünstigten einzutragen, obwohl sie keine Rechtsperson und juristisch gar nicht handlungsfähig ist.

1969 kaufte die Republik Österreich einen der „Seelenheiläcker“, um den Grazer Flughafen erweitern zu können. Die Republik wollte verständlicherweise die Messleseverpflichtung nicht mitübernehmen und suchte verzweifelt nach einem Berechtigten, der rechtsgültig auf die Messleseverpflichtung verzichten konnte. Schließlich fand sich die Diözese Graz-Seckau zur Ausstellung einer Verzichtserklärung bereit, die aber vom Gericht nicht anerkannt wurde. Als man endlich doch einen juristischen Weg gefunden zu haben meinte, starb die damalige Grundeigentümerin völlig unerwartet, die Erben waren in Deutschland nicht greifbar und die Sache verlief im Sande - bis im Jahre 2001 ausgerechnet auf diesem Acker der neue Tower des Grazer Flughafens erbaut wurde.

Nun wurde die Sache mit der fehlenden Grundbuchseintragung und den Messleseverpflichtungen wieder höchst virulent, doch die alte Verzichtsbestätigung der Diözese ist mittlerweile in Verlust geraten. Wie kath.net in Erfahrung bringen konnte, wird demnächst im Wiener Finanzministerium ein hochrangiges Treffen von Beamten und Flughafenvertretern stattfinden, die versuchen, die Sache nach 35 Jahren endlich zu bereinigen. Ob der Grazer Flughafen pünktlich die jährlichen Seelenmessen lesen lässt, konnte nicht festgestellt werden.
     
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