25 Jahre bemannte Raumfahrt in Europa  

erstellt am
26. 08. 03

2003 ist für Europas bemannte Raumfahrt in mehrfacher Hinsicht ein Jubiläumsjahr
Paris (esa) - Vor 25 Jahren trat unser Kontinent mit dem Flug des Tschechoslowaken Wladimir Remek im Rahmen des Kooperationsprogramms Interkosmos zwischen der Sowjetunion und verschiedenen Partnerländern in die Ära der bemannten Raumfahrt ein. Remek hob am 2. März 1978 an Bord der Sojus 28 von Baikonur zu einer 8-tägigen Mission zur Raumstation Saljut 6 ab. Kurz darauf, vom 27. Juni bis 5. Juli, nahm der Pole Miroslaw Hermaszewski an der Mission Sojus 30 teil. Am 26. August desselben Jahres brachen der deutsche Kosmonaut Sigmund Jähn und sein sowjetischer Mannschaftsgefährte Valerij Bykowski mit der Sojus 31 von Baikonur zur dritten bemannten Interkosmos-Mission auf; während der 8-tägigen Mission zur Raumstation Saljut 6 umkreisten sie 141mal die Erde, bevor sie am 3. September sicher zur Erde zurückkehrten. Der erste Westeuropäer, der an einer Mission mit einem sowjetischen Raumfahrzeug teilnahm, war der französische CNES-Astronaut Jean-Loup Chrétien, der am 24. Juni 1982 mit einer Sojus T-6 zur Raumstation Saljut 7 flog.

Vor 20 Jahren, 1983, startete Westeuropa im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung zwischen der ESA und der NASA sein erstes eigenes Weltraumlabor: Das Spacelab absolvierte während der 10-tägigen Mission STS-9/Spacelab 1 vom 28. November bis 8. Dezember an Bord des NASA-Raumtransporters „Columbia“ seinen Jungfernflug. Dieser Flug war gleichzeitig der erste eines Westeuropäers - und der erste eines Nichtamerikaners überhaupt - mit einem US-Raumfahrzeug, nämlich des deutschen ESA-Astronauten Ulf Merbold, der danach noch zweimal im All war: bei der Spacelab-Mission mit dem Internationalen Schwerelosigkeitsforschungslabor 1 (Flug STS-42) im Januar 1992 und - im Rahmen des Gemeinschaftsprogramms Euromir 94 zwischen der ESA und Rußland - an Bord einer Sojus TM-20 zur russischen Raumstation Mir vom 3. September 1995 bis 29. Februar 1996. Damit ist Merbold als erster Europäer sowohl mit einem amerikanischen als auch mit einem russischen Raumfahrzeug geflogen.

Der Zufall will, daß Sigmund Jähn und Ulf Merbold zwar in der Zeit ihrer historischen Raumflüge unterschiedliche Pässe besaßen - Jähn kam aus der DDR, Merbold aus der Bundesrepublik -, jedoch beide aus derselben Region im „grünen Herzen“ Deutschlands stammen, dem Vogtland zwischen Nürnberg und Leipzig. Jähn wurde in Morgenröthe-Rautenkranz geboren, Merbold in Greiz.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs im Jahr 1989 haben Jähn und Merbold dann bei denselben Weltraumprogrammen zusammengearbeitet, zunächst für die russische Raumstation Mir und anschließend für die Internationale Raumstation.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) organisiert mit Unterstützung der Europäischen Weltraumorganisation am Samstag, den 30. August in Markneukirchen im Vogtland eine Jubiläumsveranstaltung zum 25. Jahrestag des Raumflugs von Sigmund Jähn. Sie beginnt um 11.00 Uhr.

Unter dem Motto „Raumfahrt - eine Zeitreise“ werden der Vorstandsvorsitzende des DLR, Professor Sigmar Wittig, und der ESA-Direktor für bemannte Raumfahrt, Jörg Feustel-Büechl, im Beisein von Bundespräsident Johannes Rau und der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn, mehr als 1 000 geladene Gäste empfangen.

In einem vielseitigen und informativen 90-Minuten-Bühnenprogramm, das live im Fernsehen und im Internet übertragen wird, sollen Jähns Beitrag zur friedlichen internationalen Zusammenarbeit im Weltraum gewürdigt und Merbolds Rolle beim ersten Flug des im Auftrag der ESA von einem europäischen Industriekonsortium unter der Leitung des deutschen Unternehmens ERNO (heute EADS Space Transportation) in Bremen gebauten Spacelab erläutert werden. Auch die mehr als 20 weiteren Spacelab-Flüge sollen beleuchtet werden, insbesondere die deutsche Spacelab-Mission D-2 vor zehn Jahren (26. April bis 6. Mai 1993) mit den deutschen Astronauten Hans Schlegel und Ulrich Walter. Schlegel stieß später zum Europäischen Astronautenkorps der ESA in Köln, dessen Leiter Ernst Messerschmid mit dem niederländischen ESA-Astronauten Wubbo Ockels und dem deutschen DLR-Astronauten Reinhold Furrer an der ersten deutschen Spacelab-Mission, Spacelab D-1 (Flug STS-61 A), im Jahr 1985 teilnahm.

Die „Zeitreise“ wird auch auf die vier Missionen zur russischen Raumstation Mir unter Beteiligung europäischer Astronauten eingehen. Zwei davon fanden im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen dem DLR und Rußland bei Mir 92 und Mir 97 statt, die beiden anderen im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen der ESA und Rußland bei Euromir 94 und Euromir 95.

Viele der an diesen Missionen beteiligten europäischen und russischen Astronauten und Kosmonauten werden bei der Veranstaltung in Markneukirchen dabeisein, darunter Sigmund Jähn, Eberhard Köllner (Jähns Ersatzmann für Sojus 31), Valerij Bykowski (Sojus 31), Ulf Merbold (Spacelab 1, Spacelab IML-1 und Euromir 94), Ernst Messerschmid (Spacelab D-1), Klaus-Dietrich Flade (Mir 92), Ulrich Walter (Spacelab D-2), Thomas Reiter und Jurij Gidzenko (Euromir 95), Reinhold Ewald, Wassilij Zbliyew und Valerij Korsun (Mir 97).

Auf der Jubiläumsfeier sollen indes nicht nur die bisherigen Leistungen Europas in der bemannten Raumfahrt gewürdigt werden. Auch die Gegenwart und die Zukunft sollen zur Sprache kommen: Edelgard Bulmahn, Jörg Feustel-Büechl und Sigmar Wittig werden die europäischen und deutschen Ansichten und Pläne für die Internationale Raumstation präsentieren und über Europas und Deutschlands künftige Rolle in der bemannten Raumfahrt informieren.

Einer der Höhepunkte wird eine Video-Liveschaltung zur Internationalen Raumstation sein, in der die beiden derzeitigen Besatzungsmitglieder Jurij Malenchenko (Rußland) und Edward Lu (USA) - die im Oktober Besuch vom spanischen ESA-Astronauten Pedro Duque bekommen sollen - zum Publikum sprechen werden.

Die Veranstaltung wird über das ASTRA-Satellitensystem europaweit live übertragen und kann in allen Haushalten mit einer analogen Satellitenanlage empfangen werden. Die Empfangsdaten lauten: ASTRA 19,2° Ost, Analog-Empfang, Frequenz 10,921 GHz, Polarisation horizontal, Stereoton auf 7,02 / 7,20 MHz. Parallel dazu wird eine weltweite Live-Übertragung per Internet im „Streaming Video“-Modus über http://www.dlr.de und http://www.esa.int erfolgen.

Die Übertragung beginnt um 11.00 Uhr und endet um 12.30 Uhr.

An der Veranstaltung kann nur auf Einladung teilgenommen werden.
     
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