Spediteure: »Es geht ums Überleben«  

erstellt am
30. 10. 03

Bollmann: »2004 wird schwerstes Jahr für Österreichs Transportwirtschaft«
Wien (pwk) - Durch "Road Pricing" und EU-Erweiterung wird das kommende Jahr zur bisher größten Herausforderung für die heimischen Spediteure. Mit weiter verbesserten Dienstleistungen und dem neuen (seit Herbst angebotenen) Berufsbild des "Speditionslogistikers" will der Fachverband Spedition und Logistik in der Wirtschaftskammer Österreich auf die dramatisch veränderten Rahmenbedingungen reagieren, erklärte Fachverbandsobmann Harald Bollmann am Mittwoch (29. 10.) in einem Pressegespräch.

Die Einführung der fahrleistungsbezogenen Lkw-Maut per 1.1.2004 wirkt sich nicht nur unmittelbar auf der Kostenseite aus, sondern erfordert einen hohen administrativen Zusatzaufwand und neue Dienstleistungen für die Kunden. Die Transportkosten werden sich um bis zum 30 Prozent erhöhen, die Endverkaufspreise - je nach dem Anteil der Frachtkosten an den Gesamtkosten - im Schnitt um zwei Prozent steigen. Wenn im Zuge der EU-Erweiterung die "Ostfrächter" auch EU-weit operieren dürfen, "könnte das zu einer Last werden, die die meisten heimischen Frächter nicht mehr bewältigen können", warnte Bollmann.

Prof. Sebastian Kummer, Vorstand des Instituts für Transportwirtschaft und Logistik der Wirtschaftsuni Wien, fürchtet, dass heimische Industrie- und Handelsunternehmen nach wie vor die Auswirkungen der Lkw-Maut unterschätzen: "Während sich Transportkosten bisher mit zunehmender Entfernung degressiv entwickelten, steigen sie künftig progressiv".

Kummer legte das Ergebnis zweijähriger Studien und Untersuchungen über die volks- und betriebswirtschaftlichen Auswirkungen des Road Pricing vor. Kernstück sind die vom Institut entwickelten Kalkulationstabellen. Mit Hilfe dieser (durchaus zweideutig so bezeichneten) "Kummertabellen" können die direkten und indirekten Kosten des Road Pricing bereits im voraus so genau errechnet werden, dass der Spediteur ein verbindliches Angebot legen und der Auftraggeber seine Transportkosten in die Preiskalkulation einfließen lassen kann.

Kummer begrüßt zwar aus verkehrswirtschaftlicher Sicht grundsätzlich die Einführung des Road Pricing, kritisiert aber dessen Höhe ("Chancen wurden vertan, Unternehmer wandern ab") und die fehlende Differenzierung nach Emissionsstandards. Es sei zu befürchten, dass es zu einer Veralterung der österreichischen Lkw-Flotten und zu einem Innovationsstop kommt. Daher sei es notwendig, zu einem lärm- und abgasorientierten Lkw-Bemautungssystem zu kommen, erklärte auch der Tiroler Schenker-Chef und Vorsteher der Fachgruppe Spedition in der Wirtschaftskammer Tirol, Hans-Dieter Salcher. Salcher fordert ein rasches Reagieren der Politik und vertraut dabei auf die "ohnehin novellierungsfreudige Gesetzgebung".

Bereits ab 1.1.2004 können Ostfrächter sogenannte Kabotagen (Transporte in einem Staat, der nicht der Zulassungstaat des Zugfahrzeuges ist) auch innerhalb der EU durchführen. Zwar wurden Übergangsfristen ausverhandelt, doch sei das in der Praxis kaum zu kontrollieren, da insbesondere für sogenannte "große Kabotagen" im innergemeinschaftlichen Verkehr keinerlei Übergangsfristen bestehen. erklärt Fachverbandsgeschäftsführer Alexander Piekniczek. Ausbildung und Fuhrpark hätten in den Beitrittsstaaten weitgehend bereits EU-Niveau, die Frächter könnten jedoch mit deutlich günstigeren Lohnkosten operieren. Piekniczek: "Gegenüber Österreich hat ein Frächter in der Slowakei nur ein Fünftel der Lohnkosten. Die werden sich während der Übergangfristen nicht angleichen".

Die seit Herbst mögliche Ausbildung zum "Speditionslogistiker" kann alternativ oder in Ergänzung zum "Speditionskaufmann" gewählt werden. Dazu Bollmann: "Im Unterschied zum Speditionskaufmann, bei dem das Hauptaugenmerk auf dem internationalen Transportwesen liegt, sehen wir den Speditionslogistiker vor allem als Partner der heimischen Wirtschaft. Der Logistiker plant für Unternehmen den kompletten Logistik-Prozess und wickelt diesen auch ab".
 
zurück