Europa investiert zu wenig in Wissensförderung 
EU-Forschungs-Kommissar: Busquin fordert Tate statt Worten
Brüssel (pte) - Europa investiert nicht genug in die Wissensförderung. Die Anstrengungen im Hinblick auf eine echte "wissensgestützte Wirtschaft", wie diese vom EU-Rat in Lissabon im März 2000 gefordert wurde, sind nicht groß genug. Gemäß dem Gesamtindikator für Investitionen in die wissensgestützte Wirtschaft, in dem die Bereiche Forschung, Bildung und Ausbildung sowie Humanressourcen berücksichtigt werden, sind Dänemark, Schweden und Finnland führend, teilte die EU-Kommission am Freitag (08. 11.) in einer Aussendung mit. Italien und Spanien müssen dringend zusätzliche Ressourcen mobilisieren. Schlüsselzahlen unter http://www.cordis.lu/rtd2002/indicators.

"Mit den geringen Investitionen in Forschung und Humankapital gefährden die Mitgliedstaaten das Erreichen des in Lissabon gesetzten Ziels. Wohlklingende Erklärungen reichen nicht aus, die Zusagen müssen auch erfüllt werden", erklärte Forschungs-Kommissar Philippe Busquin. In Lissabon wurde für die Union das Ziel festgelegt, bis 2010 die Forschungsinvestitionen möglichst auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) anzuheben.

Werden keine weiteren Investitionen getätigt, rückt das Ziel, Europa zur wettbewerbungsfähigsten wissensgestützten Wirtschaft weltweit zu machen, in immer weitere Ferne. Der Abstand zwischen der Europäischen Union insgesamt und den Vereinigten Staaten ist weiterhin sehr deutlich. Dies sowohl in Bezug auf die Höhe der Investitionen als auch auf deren Wachstum. Hinter diesem Gesamtergebnis verbergen sich jedoch bedeutende Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten. Während Dänemark, Schweden und Finnland an der Spitze liegen – mit Investitionen, die in Bezug auf Höhe und Zunahme eindeutig über denen der Vereinigten Staaten liegen – haben Griechenland, Portugal und Irland eine starke Dynamik in ihren Ländern geschaffen, mit Hilfe derer sie ihren Rückstand rasch aufholen könnten. Die meisten Länder liegen aber im europäischen Durchschnittsbereich und damit im Rückstand gegenüber den Vereinigten Staaten. Große Länder wie Italien und Spanien müssen dringend zusätzliche Anstrengungen unternehmen, hieß es weiter.

Allein die Investitionen zu erhöhen reicht laut Europäischer Union nicht aus. Darüber hinaus sei es wesentlich, dass größere Anstrengungen auch zu einer spürbaren Verbesserung der wissenschaftlichen und technologischen Ergebnisse, zu verstärkter Innovation und einer erfolgreichen Integration der neuen Technologien in das wirtschaftliche Umfeld führen. In den meisten europäischen Ländern sind die Fortschritte noch zu langsam: bei den wissenschaftlichen und technologischen Leistungen ist zwar ein stärkeres Wachstum zu verzeichnen als in den Vereinigten Staaten, dieses ist jedoch nicht ausreichend, um bis 2010 ein mit der amerikanischen Wirtschaft vergleichbares Niveau zu erreichen.