Linz wird zur Krippenstadt
Linz (mag) - Ganz im Zeichen des Krippenbrauchtums steht vom 30. November bis 22. Dezember die Landeshauptstadt Linz. Mit der von Kulturreferent Vizebürgermeister Dr. Reinhard Dyk und Wirtschaftsreferent Stadtrat Dr. Peter


Terrakottakrippe des 1986 verstorbenen ehemaligen Leiters der Meisterklasse Bildhauerei der früheren Linzer Kunstschule Prof. Walter Ritter aus der Linzer Pfarrkirche St. Theresia. Ausstellungsort: Landhaus




„Linzer Altstadtkrippe“ des 1991 verstorbenen Keramikers Konsulent Maximilian Kosmata (siehe Pressekonferenzunterlage). Ausstellungsort: Schlossmuseum


Hammerschmied-Krippe des an der HTL Neufelden unterrichtenden Schmiedekünstlers Rudolf Kehrer aus Aigen/Mühlkreis. Ausstellungsort: Friseurgeschäft Leufen, Altstadt 28

Foto: Magistrat der Stadt Linz
Sonnberger initiierten Aktion „Krippenstadt Linz" wird Linz zum Schauplatz der größten Krippenausstellung Österreichs. Mehr als 300 Krippen aus öffentlichen und privaten Sammlungen verbreiten in den Schaufenstern von 225 Geschäften und in sechzehn öffentlichen Gebäuden weihnachtliche Stimmung. Sie sind in den Schaufenstern von Innenstadtgeschäften ebenso zu sehen wie im Urfahrer Zentrum, am Bindermichl, in den Einkaufszentren Muldenstaße und Biesenfeld, in der Krypta der Pöstlingbergkirche, im Hotel Schillerpark und in Geschäften in Ebelsberg und an der Wiener Straße. Auch auf dem Weihnachtsmarkt im Volksgarten, dem Christkindlmarkt auf dem Hauptplatz, im Alten und Neuen Rathaus, im Nordico, Schlossmuseum und Ursulinenhof sowie im Neuen Dom, im Ars Electronica Center und in einer Reihe weiterer öffentlicher Einrichtungen werden Krippen ausgestellt. Das Nordico – Museum der Stadt Linz zeigt überdies vom 30. November bis 22. Dezember 2002 eine Sonderausstellung mit Druckgrafiken und Meisterzeichnungen aus dem 16. und 19. Jahrhundert zu den Themen „Mariä Verkündigung", „Christi Geburt" und „Die Heiligen Drei Könige". Im Rahmen der Aktion „Krippenstadt Linz" veranstaltet die Allgemeine Sparkasse am 30. November von 9 bis 18 Uhr im Sparkassenhof einen nostalgischen Adventmarkt mit weihnachtlichen Schmankerln. Der für soziale Zwecke bestimmte Erlös wird an Vizebürgermeister Dr. Reinhard Dyk und Stadtrat Dr. Peter Sonnberger übergeben.

Folder informiert über alle Standorte
Als handlicher Wegweiser für den „Krippenstadt-Bummel" ist ein alle Krippenstandorte enthaltender Folder erschienen. Er liegt unter anderem in zahlreichen Geschäften, in der Tourist-Information im Alten Rathaus und in der Tourismusservicezentrale (Urfahrmarkt 1) auf.

Linzer Betriebe und Krippenexperten wichtige Partner
Das Projekt „Krippenstadt Linz" ist ein weiterer Akzent der erfolgreichen Linzer Werbelinie „Einkauf mit Kultur" und gibt auch dem Tourismus Impulse. Eng in die Realisierung eingebunden waren die Wirtschaftskammer-Bezirksstelle Linz-Stadt und ihr Leiter Gemeinderat Heinz Hofmann sowie der Linzer Tourismusverband und sein Obmann KR Manfred Grubauer. Organisiert wurde die unkonventionelle Krippenschau vom Wirtschaftsservice der Stadt Linz. Für die fachkundige Betreuung der Aktion sorgten der Krippenexperte Dr. Dietmar Assmann und die Obfrau der Linzer Krippenfreunde, die Krippenbaumeisterin Gertrude Emerstorfer.

Krippenführungen und Krippenschnitzer in Aktion
Eineinhalbstündige Krippenführungen beginnen zwischen 1. und 22. Dezember jeweils freitags um 15 Uhr und an Sonntagen um 14 Uhr beim Alten Rathaus. Im Einkaufszentrum Biesenfeld zeigen vom 30. November bis 8. Dezember Krippenschnitzer aus Südtirol ihr Können.

24 Krippen im Wilheringer Stiftshaus in der Altstadt
Ein besonders reizvolles Spektrum von Krippen wird auf Initiative des Vereines „Altstadt Neu" im Wilheringer Stiftshaus, Altstadt 13, ausgestellt. Unter den 24 ausgestellten Krippen befinden sich jene der Pfarre Christkönig und der Stadtpfarrkirche sowie die in den Neunzigerjahren entstandene Krippe „Die große Botschaft" des freischaffenden Künstlers Sepp Aumüller aus Walding.

Krippenschau im Linzer Schlossmuseum mit „Linzer Altstadtkrippe"
Vom 1. Dezember bis 2. Februar lädt das Linzer Schlossmuseum zum Besuch seiner umfassenden Krippensammlung ein. Im 1999 eingerichteten Krippenraum im zweiten Stock wird ein Überblick über die Vielfalt an historischen Krippen in Oberösterreich geboten. Krippen aus Papier in Form eines Kulissentheaters sind ebenso zu sehen wie Kastenkrippen und verschiedenste Formen von Figuren von aus Ton gemodelten „Loammandeln" über geschnitzte und bemalte Figuren bis zu Wachsfiguren mit kostbaren Textilien und Keramikfiguren. Einen Ausstellungsschwerpunkt bilden die Landschaftskrippen des Salzkammergutes, die eine Vielzahl von Szenen aus dem täglichen Leben wie pflügende Bauern und die Arbeit von Holzfällern zeigen. Zu den reizvollsten Exponaten des Krippenraumes zählt die auf dem Titelblatt des Krippenstadtfolders abgebildete „Linzer Altstadtkrippe" des 1991 verstorbenen Keramikers Konsulent Maximilian Kosmata, der das Weihnachtsgeschehen in die Altstadt zur Zeit der amerikanischen Besatzung verlegt. Die vier Meter lange, zwei Meter tiefe und einen Meter hohe Szenerie wird von 125 Keramikfiguren bevölkert. Der Statthalter Herodes herrscht im Linzer Schloss. Maria und Josef suchen im Hotel „Roter Krebs" eine Herberge, werden aber vom Wirt abgewiesen. Inmitten der Altstadt schlagen sie in den Trümmern eines römischen Tempels mit dem Jesukind ihr Quartier auf. Währendessen spielt eine Blasmusikkapelle in Linzer Tracht auf und die Linzer Astronomische Gemeinschaft hält mit ihrem Fernrohr nach dem Stern von Bethlehem Ausschau. Die Heiligen Drei Könige sind mit ihren Geschenken auf der Donau nach Linz gefahren. Stromaufwärts ist die Flucht nach Ägypten dargestellt. Den Aufruf von Herodes zur Volkszählung hat ein amerikanischer General der Besatzungsmacht unterzeichnet.

Drei Krippen im Hotel Schillerpark
Die hohe Kunst des Krippenbaues wird auch im Hotel Schillerpark vor Augen geführt. Die dort ausgestellte „Stille Nacht-Krippe" des 80-jährigen Herrgottsschnitzers Karl Gruber aus Hohenzell entstand in den Neunzigerjahren für die Linzer Pfarre St. Leopold. Gruber schuf auch Krippen für die Pfarren St. Konrad und St. Franziskus. Seine Frau Therese bemalte die Figuren.

Weiters im Hotel zu sehen ist eine von der Porzellanmanufaktur Hutschenreuther für die Pfarrkirche Pram angefertigte Keramikkrippe nach dem Vorbild der im Pfarrhof Pram ausgestellten Schwanthaler-Krippe. Sie wurde von dem aus der berühmten Innviertler Bildhauerdynastie stammenden Künstler Johann Peter Schwanthaler dem Älteren (1720 - 1795) und Mitarbeitern seiner Werkstätte geschaffen. Neben den Szenen der Anbetung durch die Hirten und die Heiligen Drei Könige sind die Beschneidung Christi, der bethlehemitische Kindermord, die Flucht nach Ägypten sowie die Hochzeit von Kana mit großer Liebe zum Detail dargestellt.

Das dritte Krippenkunstwerk stammt vom 72-jährigen Linzer Plastiker Jakob Kopp, der sich unter anderem mit der Gestaltung von Kirchentoren und steineren Altären einen Namen machte.

Exponate der TeilnehmerInnen von Krippenbaukursen
Im Ursulinenhof werden 63 Krippen gezeigt, die heuer im Rahmen von Krippenbaukursen der Linzer Krippenfreunde entstanden. 50 Krippen wurden von Erwachsenen, 13 von Kindern angefertigt.

Aktion Krippenstadt belebt Linz-Tourismus
Für den Tourismusverband Linz ist die Aktion „Krippenstadt Linz" ein wichtiger touristischer Impulsgeber, der entsprechend intensiv beworben wurde. Bereits im Sommer erschien der Folder „Linzer Advent-Bummel 2002", der über die Linzer Advent- und Weihnachtmärkte ebenso informiert wie über vorweihnachtliche Konzerte.

Spezielles Wochenendarrangement
Der Tourismusverband Linz bietet in Zusammenarbeit mit der Linzer Hotellerie und dem Passage City Center ein attraktives Wochenendarrangement mit einer Übernachtung im Zeitraum Freitag bis Montag. Es kostet bei Übernachtung im Doppelzimmer pro Person 53 Euro (Drei-Sterne-Hotel) oder 60 Euro (Vier-Sterne-Hotel). Inhaber der ÖBB-Vorteilscard erhalten fünfzehn Prozent Rabatt.

Enthalten sind neben dem Hotelaufenthalt mit Frühstück das Linz City Ticket (Eintrittsskarte für zehn Museen, Fahrt mit dem „City Express", Berg- und Talfahrt mit der Pöstlingbergbahn, Restaurantgutschein im Wert von zehn Euro), ein Einkaufsgutschein für das Passage City Center im Wert von zehn Euro und ein Gutschein für das Kerzenziehen im Hotel Wolfinger.

Jahrhundertelange Linzer Krippentradition
Die erste schriftlich dokumentierte Linzer Krippe errichteten die Jesuiten 1603 in der Minoritenkirche. Sie war mit barockem Prunk gestaltet. Im gleichen Jahrhundert wird auch eine Krippe in der Urfahrer Nikolaikirche erwähnt. Im 18. Jahrhundert wurden manche Krippen zu kleinen mechanischen Kunstwerken ausgebaut. Über eine dieser Krippen schrieb ein Chronist: „Man erblickte die Stadt Bethlehem, auf deren Gassen es von Menschen wimmelte, die der Mesner, der darunter versteckt war, durch ein Drahtwerk nach Gefallen in Bewegung setzte. Der Zulauf des Volkes bei dieser Vorstellung war ungemein groß". Um die Mitte des 19. Jahrhunderts erregte das „Linzer Kripperl", eine mit Figurentheater verbundene mechanische Krippe großes Aufsehen: „Die Schmiede hämmerten, der Schreiner hobelte, der Gerber bearbeitete sein Fell, die Zimmerleute hieben mit blanken Eisenbeilchen auf einen Balken los, in der Spinnstube schnurrten die Rädchen und spannen die Mädchen".

Eine lange Tradition haben in Linz auch Hauskrippen. 1787 hieß es über dieses Brauchtum: „Zu diesen weihnachtlichen Zeiten fand man schier kein Haus in der Stadt, in welchem nicht ein dergleichen Kripperl en miniature war zur größeren Belustigung der Kinder und zum Angaffen der Besuchenden. Man fand Privat-Krippels, die so kostbar waren und an welchen keine Art des Backwerks gespart wurde."
 
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