Neues Teilchen lässt Physiker rätseln  

erstellt am
17. 11. 03

Österreichische Hochenergie-Physiker sind an der Entdeckung eines ungewöhnlichen, subatomaren Teilchens beteiligt.
Wien (oeaw) - Ein internationales Team von Wissenschaftern, darunter Forscher des Instituts für Hochenergiephysik der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), hat am Japanischen Teilchenlabor KEK in der Nähe von Tokio ein neues, subatomares Teilchen mit ungewöhnlichen Eigenschaften entdeckt. Das Teilchen, dem die Physiker den Namen X(3872) gegeben haben, hat in etwa die Masse des Heliumatoms und zerfällt nach dem Milliardstel einer Billionstel-Sekunde in langlebigere und weniger ungewöhnliche Teilchen. Obwohl diese Lebensdauer nach unseren alltäglichen Begriffen unvorstellbar kurz ist, ist sie doch eine Ewigkeit für ein Elementarteilchen dieser Masse. Die Entdeckung wurde vor kurzem vom Experiment CDF am Fermi-Lab in Illinois (USA) bestätigt.

Üblicherweise ist die Entdeckung neuer Zustände (Teilchen) kein außergewöhnliches Ereignis. X(3872) sorgt aber weltweit für besonderes Interesse unter Physikern, da es in kein bekanntes Schema zu passen scheint. Normale Mesonen bestehen aus einem Quark-Antiquark-Paar, das von der starken Wechselwirkung zusammengehalten wird. X(3872) lässt sich aber aufgrund seiner Masse und seiner Zerfallseigenschaften nicht in dieser Weise deuten. Theoretische Physiker vermuten deshalb, dass das Teilchen einem neuen Typ von Mesonen angehört, die aus zwei Quark-Antiquark-Paaren bestehen anstatt wie normalerweise aus einem einzigen.

Das neue Teilchen wurde unter den Zerfallsprodukten so genannter B-Mesonen gefunden, die im Elektron-Positron-Beschleuniger am KEK in großer Anzahl produziert werden. Dort arbeitet ein Wissenschafter-Team aus insgesamt elf Ländern am Belle-Detektor, der für die Erforschung subatomarer Teilchen konzipiert wurde.

Die Entdeckung wurde in der aktuellen Ausgabe von Physical Review Letters, einem der angesehensten physikalischen Journale, publiziert.
 
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