Sausgruber: Unser Ziel ist Ökologie und Hochwasserschutz
Chur/Bregenz (vlk) - Unter Vorsitz von Vorarlbergs Landeshauptmann Herbert Sausgruber tagten am Montag (02. 12.) in Chur die Internationale Regierungskommission Alpenrhein (IRKA) und die Internationale Rheinregulierung (IRR). Hauptinhalt der Konferenz war das "Entwicklungskonzept Alpenrhein", durch das, so Sausgruber, "Ökologie und Hochwasserschutz am Alpenrhein langfristig vereint werden sollen". Sausgruber: "Dadurch ist dieses Projekt für den ganzen Alpenraum von Bedeutung".

IRKA-Vorsitzender LH Sausgruber sieht im Konzept die Chance, "die vielen Nutzungsinteressen am Alpenrhein zu vereinen". Eine konkrete Antwort aus dem Konzept erwartet sich Sausgruber etwa auch "zur besseren Vorhersage extremer Hochwasser- Ereignisse". Sausgruber: "Erst vor zwei Wochen war es bekanntlich zum größten November-Hochwasser gekommen, das am Alpenrhein je gemessen wurde", obwohl allein die Kraftwerke in Graubünden fast 30 Millionen Kubikmeter Wasser zurückhielten oder ableiteten.

Alpenrhein: Vielfältige Nutzungen und Anforderungen
Hochwasserschutz ist laut Sausgruber bei weitem nicht die einzige Anforderung an den Alpenrhein. Ökologie, Schutz des Grundwassers, Energie, touristische Nutzung, Raumplanung – das sind nur einige der Themenfelder. Diese unterschiedlichen Anforderungen werden im Entwicklungskonzept Alpenrhein erstmals gemeinsam bearbeitet.

Gerade Themen wie Ökologie und Hochwasserschutz sind gar nicht so unvereinbar, wie man das auf den ersten Blick meinen könnte. Eine Aufweitung des Flussprofils zum Beispiel kommt der Umwelt und dem Hochwasserschutz zu Gute. Eine ausgewogene Lösung zwischen allen legitimen Interessen zu finden und bis Ende 2004 vorzuschlagen, ist Aufgabe der Experten.

Experten und Betroffene erarbeiten konkrete Massnahmen
Innerhalb von zwei Jahren entsteht am Alpenrhein das erste langfristige fachübergreifende Entwicklungskonzept. Das Planungsteam umfasst renommierte Experten aus allen Fachrichtungen und den vier Anrainerländern. Projektleiter Klaus Michor versichert: "Wir machen kein Konzept für die Schublade, wir planen konkrete Massnahmen."

Das Projektteam besteht aus Spezialisten für Flussbau, Geschiebehaushalt, Hydrologie, Gewässerökologie, Wasserbau, Energienutzung und Raumplanung. Bis Mitte 2003 wird eine Analyse des Ist-Zustands, bis Ende 2003 ein Leitbild und bis Ende 2004 ein detaillierter Massnahmenplan erstellt. An Gesamtbudget steht für das Konzept eine Million Schweizer Franken zur Verfügung.

Von Domat/Ems bis zum Bodensee: Öffentlichkeit eingebunden
In die Arbeit am Entwicklungskonzept werden auch Anrainergemeinden, Umweltorganisationen und andere betroffene Gruppen wie Landwirtschaft und Fischer (über eine begleitende Plattform) einbezogen.

Untersucht werden die 90 Kilometer lange Strecke vom Zusammenfluss von Vorder- und Hinterrhein bei Domat/Ems (Kanton Graubünden) bis zum Bodensee. Auftraggeber sind die IRKA und die IRR.

November-Hochwasser belegt aktuell Bedeutung des Konzeptes
Laut Sausgruber beobachten die Experten schon jetzt, dass Hochwasser-Extremereignisse immer häufiger auftreten. Bei einem Katastrophen-Hochwasser, wie es heuer an Elbe und Donau auftrat, wäre im Alpenrheintal mit Schäden von mehreren Milliarden Euro zu rechnen. Das Entwicklungskonzept Alpenrhein wird deshalb untersuchen, wie der Hochwasserschutz am wirkungsvollsten verbessert werden kann.

Auch IRR-Vorsitzender Dölf Gmür sieht im jüngsten November-Hochwasser "einen Beweis für die Notwendigkeit, die bestehenden Planungen zu aktualisieren". Sausgruber und Gmür sind sich einig: Hochwasserschutz hat Vorrang, in vielen Fällen sind ökologische Interessen und Hochwasserschutz zu vereinbaren. Manche Projekte kommen beiden Anliegen zugute.

Das Projektteam sieht als Hauptaufgabe nun, "eine fachübergreifende Gesamtschau der Situation zu erarbeiten". Absehbar sind für Benno Zarn schon jetzt Probleme etwa mit der Eintiefung der Flusssohle, durch den Schwallbetrieb der Kraftwerke und die Verengung im untersten Abschnitt. Auch das Ziel hat Zarn klar vor Augen: "Wir wollen Verbesserungen bei Ökologie und Hochwasserschutz erreichen, ohne die nachhaltige Nutzung der Ressource Wasser wesentlich einzuschränken".
 
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