Ein Jahr grosser Herausforderungen und Umsetzungen
Kulturbericht 2001 liegt vor
Wien (pk) - "Das Jahr 2001 war im Bereich der Bundesmuseen und anderer Institutionen, die sich mit dem Erhalt des kulturellen Erbes Österreichs beschäftigen, neuerlich ein Jahr großer Herausforderungen, aber auch ein Jahr wichtiger Umsetzungen", hält Bundesministerin Elisabeth Gehrer in ihrer Einleitung zum Kulturbericht 2001 fest (III-178 d.B.), dabei auf die im Bundesmuseengesetz 1998 beschlossene Überleitung der österreichischen Bundesmuseen in vollrechtsfähige wissenschaftliche Anstalten, die Novellierung des Denkmalschutzgesetzes und auf den fristgerechten Abschluss der Arbeiten am Museumsquartier verweisend. Wie gewohnt gliedert sich der Bericht dabei in die Abschnitte "Bundesmuseen", "Österreichische Nationalbibliothek", "Volkskultur", "Öffentliches Büchereiwesen", "Hofmusikkapelle" und "Denkmalschutz".

Besucherzahlen
Im Jahr 2001 besuchten insgesamt 2,770.555 Personen die österreichischen Bundesmuseen (gegenüber 2,699.332 Personen im Jahr zuvor), was einer Steigerung von 2,64 Prozent entspricht. Besonders bedeutsam waren dabei die Besucherzuwächse im Museum für angewandte Kunst (+45 Prozent) und im Kunsthistorischen Museum (+14 Prozent). Die Ausgaben der Bundesmuseen beliefen sich im Jahr 2001 auf 67,3 Mill. Euro gegenüber 65,4 Mill. Euro im Jahr zuvor. Gestiegen sind allerdings auch die Einnahmen auf nunmehr 22,7 Mill. Euro gegenüber 19,7 Mill. Euro im Jahr zuvor.

Das Museumsquartier
Nach nur dreijähriger Bauphase konnten im Jahr 2001 die Übergabe der einzelnen Häuser an die Nutzer sowie der Abschluss der Bauphase I im Museumsquartier gefeiert werden. Das neue Kulturviertel wurde sowohl von der Wiener Bevölkerung als auch von Touristen bereits im ersten Jahr erfreulich gut angenommen. Offiziell eröffnet wurde das Areal planmäßig im Juni 2001 mit einem dreitägigen Fest, an dem insgesamt 300.000 Personen teilnahmen. Bis Jahresende besichtigten 800.000 Besucher die Örtlichkeiten des Museumsquartiers, welches u.a. das Tabakmuseum, die Kunsthalle Wien, das Museum Moderner Kunst sowie das Leopold- Museum beherbergt. Seit September 2001 hat auch das Kindermuseum seine Pforten geöffnet, überdies befinden sich Tanzquartier Wien und das Architekturzentrum Wien im "MQ".

Der vorliegende Bericht geht detailliert auf Standortmarketing, Serviceeinrichtungen und die Öffentlichkeitsarbeit des Museumsquartiers ein und liefert auch eine Vorschau auf die Bauphase II, in welcher der Fischer-von-Erlach- sowie der Ovaltrakt renoviert werden sollen, wodurch Ende 2002 die Nutzung durch das "quartier 21" als "international einzigartige Trägerstruktur für die Produktion, Vermittlung und Präsentation von zeitgenössischen Kulturangeboten" ermöglicht werden soll: "Das Museumsquartier bietet damit vor allem jungen Kultur- und Kunstinitiativen die Möglichkeit, an einem zentralen, hochfrequentierten Standort in Wien präsent zu sein und ergänzt damit noch einmal das vielfältige Kulturangebot am Areal."

Die Museen im Einzelnen
Das Kunsthistorische Museum konnte auch im Jahr 2001 wieder einige spektakuläre Ausstellungen präsentieren, unter denen vor allem die Schau "El Greco" herausragte, die auch international für höchste Anerkennung sorgte. Nebenbei gab es noch Exhibitionen über "7000 Jahre persische Kunst" und über "Das Geld der Römer". Mit 1,4 Millionen Besuchern per anno ist das KHM immer noch das Flaggschiff der heimischen Museen schlechthin.

Unter den Ausstellungen des Naturhistorischen Museums ragten v.a. jene über Bionik und jene über den "Atem der Wildnis" heraus, wie auch weiterhin die Ergebnisse der hauseigenen Forschung präsentiert wurden. Die Besucherzahlen wiesen leicht steigende Tendenz auf, waren doch 2001 366.000 Personen (gegenüber 356.000 im Jahr 2000) zu Gast im "Naturhistorischen".

Die Österreichische Galerie im Belvedere sicherte sich 2001 die Bronzemedaille unter den heimischen Bundesmuseen. Mit rund 350.000 Besuchern zählt die Galerie zu den bestbesuchten Kunsttempeln Österreichs, wozu freilich auch im Berichtsjahr wieder attraktive Sonderschauen wie jene über "Italienische Reisen" maßgeblich beitrugen. Die Galerie agierte darüber hinaus überaus sparsam und verzichtete auf spektakuläre Ankäufe. Die wissenschaftliche Publikationstätigkeit des Hauses war hingegen rege wie eh und je.

Die Albertina musste ob der Umbauarbeiten de facto ihren Ausstellungsbetrieb einstellen. Ab 2003 soll wieder der herkömmliche Betrieb im Haus möglich sein, heißt es in dem Bericht.

Überaus erfolgreich bilanzierte auch das MAK, das mit seiner Luis Barragan-Ausstellung eines der unbestrittenen Ausstellungshighlights des Jahres 2001 präsentieren konnte. Aber auch die Präsentationen der Werke von Dennis Hopper oder Franz West fanden ihre Interessenten. Die Besucherzahlen des MAK steigerten sich trotz des hohen Niveaus der letzten Jahre neuerlich. Bewährt hat sich auch das Konzept der "MAK-Nite", wo lange Öffnungszeiten und abwechslungsreiches Programm auf reges Besucherinteresse stießen.

Zurückgegangen ist hingegen der Besuch des Museums moderner Kunst, Stiftung Ludwig (von rund 120.000 auf knapp unter 100.000 Besucher), was wohl aber auch daran lag, dass 2001, sieht man von einer Ausstellung über "diskursive Malerei" ab, keinerlei nennenswerte Sonderschauen im Programm der Sammlung waren.

Das abwechslungsreiche Programm des TGM stieß auch 2001 wieder auf großes Interesse, und so erzielte das Technische Museum mit knapp 320.000 Besuchern hinter KHM, Naturhistorischem Museum und Österreichischer Galerie neuerlich das viertbeste Ergebnis aller Bundesmuseen. Das pathologisch-anatomische Bundesmuseum und das Österreichische Theatermuseum konnten ihre Vorjahrsresultate im wesentlichen halten, ebenso das Museum für Volkskunde, was auch der innovativen Ausstellungsgestaltung im Ethnographischen Museum in Schloss Kittsee geschuldet ist, das sich in den letzten Jahren zu einem Schmuckkästchen unter den Bundesländermuseen entwickelt hat.

Österreichische Nationalbibliothek
Bis 13. Januar 2001 wurde die Sonderschau "10 Jahre Buchpatenschaft" im Prunksaal der Nationalbibliothek gezeigt, wo eine Zwischenbilanz der wohl erfolgreichsten Aktion zur Rettung alter Bücher gezogen wurde. Dank des großen Engagements der ÖNB wie der Hilfsbereitschaft aus dem In- und Ausland können so zahllose wichtige Werke nicht nur vor dem Verfall gerettet werden, sondern sogar in neuem Licht erstrahlen. Weitere Highlights des Jahres 2001 waren eine Thomas Bernhard-Ausstellung sowie eine Schau über Österreich und Ungarn von 1526 bis 1918. Im Rahmen der Öffnung der ÖNB kam es auch zu einer Reihe von Veranstaltungen, unter denen die Lesereisen des Wieser-Verlags aus Klagenfurt hervorragen, bei denen Prominente jeweils einen Band der exklusiven Reihe "Europa Erlesen" vorstellen. Große Erfolge konnte die ÖNB aber auch bei der fortschreitenden Digitalisierung ihrer umfangreichen Kataloge erzielen. Bemerkenswert auch, dass die Zahl der Besucher mit 114.422 (ein Plus von sieben Prozent gegenüber 2000) einen neuen Rekordwert erreichte.

Hofmusikkapelle
Traditionell hoch blieb die Auslastung der Veranstaltungen der Hofmusikkapelle mit durchschnittlich 88 Prozent. Die Kapelle selbst wurde im Berichtsjahr von rund 4.200 Personen besucht. Höhepunkt der Aktivitäten der Hofmusikkapelle war fraglos die Präsentation verschollener Schätze der Barockmusik aus der in Kiew wiederentdeckten Musiksammlung der Berliner Singakademie, aus deren Collection einige Werk konzertant aufgeführt wurden. In der Burgkapelle selbst wurden im Jahr 2001 42 Messen aufgeführt.

Denkmalschutz
Beim Denkmalschutz wurde auch 2001 bedachtsam vorgegangen. Wurden 2000 1.284 Objekte gepflegt, restauriert oder saniert, so waren es 2001 1.304. Die aufgewendete Summe hiefür betrug 2001 10 Mill. Euro gegenüber 10,6 Mill. Euro im Jahr 2000. Spitzenreiter bei den so bedachten Objekten sind quantitativ abermals Nieder- und Oberösterreich, während Wien, das Burgenland und Vorarlberg im Berichtszeitraum die Schlusslichter bildeten. Die österreichische Hilfe für die Reformstaaten Bulgarien, Slowakei, Ungarn und Tschechien wurde fortgesetzt, außerdem fördert der Bund das Europäische Zentrum für Berufe in der Denkmalpflege in Venedig.

Österreichische Kulturinformation
Die Auseinandersetzung mit der kulturellen Identität unseres Landes sowie mit den vielfältigen kulturellen Ausdrucksformen ist ein zentrales Anliegen der kulturpolitischen Aktivitäten des Ministeriums. Die Erhaltung und Verfestigung dieser Identität erfordert, so der Bericht, "umfassende Kenntnisse und somit entsprechende Informationsmöglichkeiten sowie Maßnahmen zur Erhaltung und zum Schutz des kulturellen Erbes". Die entsprechenden Maßnahmen werden vom Ministerium ideell und materiell gefördert.

2001 konnten einige Projekte in dieser Hinsicht abgeschlossen werden, so "Kunst ohne Grenzen" zu Geschichte und Gegenwart der Wiener Secession, die EDV-gestützte Erfassung des Programmarchivs der Konzerthausgesellschaft, eine Datenbank über AutorInnen jüdischer Herkunft vom 18. bis zum 20. Jahrhundert sowie eine Bilddatenbank für Schule und Forschung betreffend die Nationalratswahlen der Ersten Republik.

Abschnitte über die Volkskultur und das öffentliche Büchereiwesen runden den ebenso umfangreichen und detaillierten wie übersichtlichen und anschaulichen Bericht ab, mit dem eines der zentralen Anliegen der Politik des Ministeriums unterstrichen wird, oder, wie es Bundesministerin Gehrer formuliert: "Es wird weiterhin eine wichtige Aufgabe meines Ressorts bleiben, das Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit für die Bedeutung des Erhalts des reichen kulturellen Erbes unseres Landes zu fördern."
 
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