Alex Katz – Cutouts

 

erstellt am
02. 07. 03

Die erste Ausstellung im neuen »Museum Moderner Kunst Kärnten« ist dem international angesehenen amerikanischen Künster gewidmet
(bis 5. 10. 2003)

Das Museum Moderner Kunst Klagenfurt in den neu renovierten und auf internationale Standards gebrachten Ausstellungsräumen der ehemaligen Kärntner Landesgalerie wurde am Sonntag, den 29. Juni mit der Ausstellung „Alex Katz Cutouts“ eröffnet. Es ist die erste Einzelausstellung des international hochgeschätzten amerikanischen Malers in einem Museum in Österreich. Gezeigt werden rund 90 „Cutouts“, also ausgeschnittene, zum Teil lebensgroße Figuren, die zwischen 1959 und 2000 entstanden sind und in denen Malerei und Skulptur in einen faszinierenden Dialog treten.

Alex Katz
Alex Katz (geb. 1927), der in New York und Maine lebt, wurde durch seine großformatigen, flächenhaften Gemälde bekannt, in denen er sich seit den


Foto: MMKK
50er Jahren konsequent mit zwei Themen auseinandersetzt: der Figur und der Landschaft. Die kühle Künstlichkeit anonymer Gebrauchsmalerei, die monumentale Flächigkeit von Filmplakaten und der große Gestus amerikanischer Maltradition vereinen sich in seinen Arbeiten zu eienm Stil, der nicht zufällig mit dem Adjektiv „cool“ versehen wurde. Alex Katz geht es nicht um eine Psychologisierung seiner Figuren, sondern um ihre Erscheinung. „Mir als Künstler geht es nicht um irgendeine Moral, nicht um Wahrheit, sondern um das Visuelle, die Oberfläche der Dinge.“ Diese Betonung der Oberfläche – die fälschlicherweise von Kritikern mit „Oberflächlichkeit“ gleichgesetzt wurde – rückte eine Grundfrage der Malereidiskussion in den Mittelpunkt, die Infragestellung des Bildes als Illusionsraum und die Auseinandersetzung mit der medial vorgegebenen Zweidimensionalität. Die Abstraktion, die sich durch die Flächigkeit der Darstellung ereignet, ist eine Folge des zwar in der Anschauung einfachen, in der Rezeption aber komplexen Verhältnisses von Figur und Grund. Wie ausgeschnitten und collagiert wirken die verdichteten Farbflächen, aus denen sich die Motive seiner Gemälde zusammensetzen.

Den Schritt vom leeren Farbraum, der viele der „beatiful people“, die Katz zu seinen Lieblingsmodellen erkoren hat, zu einem völligen Verzicht auf einen die Figur umgebenden Raum und damit zum „Cutout“, vollzog der Künstler erstmals 1959. Katz schnitt die Figur aus der Leinwand heraus, da ihm der Hintergrund nicht gelungen erschien, das „Cutout“ wurde auf Sperrholz aufgezogen und mit einem Sockel versehen.


Landeshauptmann Dr. Jörg Haider bei einer Führung von Dr. Margit Brehm, Gastkuratorin für die Ausstellung in Klagenfurt

Foto: Österreich Journal
Die skulpturale Präsenz und gleichzeitige Ortlosigkeit der flachen Figur weckte die Neugier des Künstlers und ließen ihn immer wieder parallel zu seinen Gemälden an neuen Varianten des Cutoutprinzips arbeiten. Im Zeitraum von über 40 Jahren, den die Ausstellung dokumentiert, entstanden so beidseitig bemalte freistehende Figuren als Auluminium ebenso die Wandfiguren, in denen die Idee des Ausschnitts als Möglichkeit mit unterschiedlichen Größenrelationen zu spielen erprobt wurden. Ebenso wie die Bilder von Alex Katz leben die „Cutouts“ von der souveränen, großzügigen Pinselschrift des Künstlers, der seine klar konturierten Motive meist in intensiven Farben darstellt.

Seit einigen Jahren wachsendes Interesse in Europa
Während Alex Katz in Amerika schon seit Jahrzehnten unbestritten zu den wichtigsten Malern seiner Generation zählt und sein Werk unter anderem in einer großen Einzelausstellung im Whitney Museum of American Art in New York gezeigt wurde, stieg das Interesse in Europa in den letzten Jahren besonders durch die Auseinandersetzung mit seinem Stilbegriff durch die junge Malergeneration. Die erste Einzelausstellung in


Foto: MMKK
einem deutschen Museum hatte Alex Katz 1995 in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden, wo unter dem Titel „American Landscape“ seine Landschaften gezeigt wurden. 2002 präsentierte die Bundeskunsthalle in Bonn eine umfassende Retrospektive. Die Ausstellung „Alex Katz – Cutouts“, die zum ersten Mal überhaupt eine Übersicht über die Cutouts ermöglicht, wurde von Zdenek Felix für die Deichtorhallen in Hamburg zusammengestellt und wird nur in Klagenfurt als zweiter Station gezeigt werden.

Im Katalog zur Ausstellung schreibt Zdenek Felix über die künstlerische Strategie von Alex Katz: „Die Frage stellt sich, inwiefern es hier auch um die Künstlichkeit dessen geht, was wir für die Wahrnehmung der Welt halten. Alex Katz löst diese Frage als Maler, indem er der Welt der Phänomene mit einem klar definierten, zeitgemäßen Stil begegnet. Da liegt der Grund für die bemerkenswerte Aktualität seiner Malerei, auf die sich viele junge Künstler berufen. Er rehabilitiert die Malerei als eminent zeitgenössisches


Foto: Österreich Journal
Medium, das die Fähigkeit besitzt, die Eigenschaften der Fotografie, des Films, des Fernsehens und der Mode zu integrieren, um sich deren Artifizialität als illusionsloses Prinzip der heutigen Kunst zu bedienen.“

Die Auswahl der Werke sowie die Präsentation im Museum moderner Kunst Klagenfurt wurde in enger Zusammenarbeit zwischen Alex Katz und Dr. Margit Brehm, Gastkuratorin für die Ausstellung in Klagenfurt, realisiert.

Ein Katalog mit Abbildungen nahezu aller ausgestellten Werke und Texten von Zdenek Felix und Carter Ratcliff in deutscher und englischer Sprache ist im Hatje/Cantz-Verlag erschienen. Herausgegeben von Zdenek Felix, 96 S., ca. 80 farbige Abb., 18 x 27 cm, Leinen mit Schutzumschlag, Euro 23,65 ISBN 3-7757-1304-2

MMKK – das »Museum Moderner Kunst Kärnten«
Kärntens Landeshauptmann und Kulturreferent Dr. Jörg Haider übernahm bereits zwei Tage vor der feierlichen Eröffnung symbolisch die Schlüssel, um sie aber sofort an Museumsmannschaft weiterzugeben. In seiner Eröffnungsrede erläuterte der Landeshauptmann die Notwendigkeit, die zur Inangriffnahme dieses großen Projektes geführt hatten. Die Landesgalerie, so Haider, „war ein verstaubter Kokon, in der einige zwar gut gelebt haben, die aber keine Ausstrahlung hatte und deren Akzeptanz vom Publikumsinteresse her erschreckend gering war. Daher haben wir uns nicht nur zum Umbau entschlossen, sondern auch dazu, ein neues Konzept einzusetzen unter Beratung von internationalen Experten, die uns erfreuerlicherweise auch im Finale nocht gut Tipps gegeben haben“, so Haider. Damit sei es gelungen zu verhindern, daß Bürokraten im eigenen Haus und Betonköpfe in der Politik ein Modell oder ein Konzept durchsetzen konnten, das letztlich Kärnten zum Gespött gemacht hätte. Haider: „Hätten wir die Landesgalerie so gebaut, wie ursprünglich geplant, hätten wir wahrscheinlich Probleme gehabt, internationale Leihgeber anzusprechen, weil das Risiko, in der Galerie wertvolle Präsentationen zu machen, zu groß gewesen wäre aufgrund verschiedener Baumängel: bei der Belüftung, bei der Beleuchtung, beim Bodenbelag usw.“ Das habe man noch rechtzeitig abwenden können, weshalb „wir eine völlig renovierte Burg präsentieren können, die den modernsten Ansprüchen entspricht und die sozusagen auch ein Haus der Kultur ist. Wo es eine umfassende Begegnung geben kann, wo sehr viel Raum geschaffen wurde, für die künstlerische Begegnung an sich und auch für die Verwaltung. Hier können die jungen zeitgenössischen Kärntner Künstler in gebührender Form präsentiert, aber auch Brücken zur Tradition und zu den großen Persönlichkeiten der Kärntner Kultur- und Kunstszene geschaffen werden.

Und weil es ein ansprchsvolles Projekt geworden ist, ist es uns gelungen, die bedeutende Sammlerin im Bererich der modernen Kunst und Kärnten-Freundin Heidi Horten als Patin für das neue Museum zu gewinnen. Es war Zeit, daß wir neben der großen Zusammenschau auch in der Dokumentation uns der Aufgabe unterzogen haben, die bedeutenden Kärntner Künstler im 20. Jahrhundert und ihre Impulse für die europäische und die österreichische Moderne entsprechend aufzuarbeiten und ins internationale Licht zu rücken“, so der Landeshauptmann abschließend.

Das MMKK, das nun eröffnet wurde, versteht sich als Ausstellungs-, Aktions- und Diskussionsraum für in Kärnten beheimatete, österreichische und internationale Positionen moderner und zeitgenössischer Kunst.

Den Gegenheiten zeitgenössischer Kunstentwicklung folgend, werden die Erscheinungsformen bildende Kunst, Fotografie, Design, Architektur, Musik, Neue Medien und Performance einzeln wie auch in Cross-Overs und Verknüpfungen vorgestellt.

Mit Fertigstellung der neuen Räume sind für dies Leitlinie wichtige Voraussetzungen geschaffen: Das architektonische Erscheinungsbild beschränkt sich nicht auf statistische Präsentation, sondern läßt sich den jeweiligen Anforderungen der unterschiedlichen Ausstellungen optimal anpassen.

Der angestrebte Kontext der Öffnung und Zusammenarbeit mit bedeutenden Institutionen im In- und Ausland erfordert die Umsetzung neuester Erkenntnisse der Museumslandschaft – beginnend bei Architektur und Infrastruktur bis hin zu den Inhalten. Durch den aufwendigen Umbau entsprechen die attraktiven Räumlichkeiten, die technischen Einrichtungen und Sicherheitsvorkehrungen nun internationalen Standards.

Aufbauend auf der langjährigen Tätigkeit der Kärntner Landesgalerie wird ein dynamisches Team durch wissenschaftlich fundierte und organisatorisch optimierte Aktivitäten dem kunstinteressierten Publikum eine vielschichtige cisuelle und intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Kulturgeschehen ermöglicht.

Zusätzlich zur traditionellen Pflege des historischen Erbes der Kärntner Moderne des 20. Jahrhunderts im Rahmen von Ausstellungen und Publikationen setzt das Museum Moderner Kunst Kärnten in Zukunft auf Innovation, Wechsel und Überraschung:

So erlauben zur Eröffnung des Museums Moderner Kunst Kärnten die komplexen Werke des in der Pop-Art Generation wurzelnden, aber stets eigenen Wegen verpflichteten Alex Katz einen neuen Blick auf die Welt.

In Vorbereitung ist eine mehrjährige Programmschiene mit dem Arbeitstitel „Doppelspiel“. Sie hat das Ziel, jeweils zwei Kärntner Künstler unterschiedlichster Generationen zueinander in Beziehung zu bringen.

Für die erste dieser „Folgen“ wird Dr. Dieter Bogner, internationaler Museumsexperte, als Kurator wirken.

Auch die Fotografie wird ins Ausstellungsprogramm miteinbezogen werden und in einem weiteren Themenprojekt als regelmäßige „Reihe“ positioniert werden.

Im Sommer 2004 widmet sich das Museum Moderner Kunst Kärnten der umfassenden Ausstellung „Eremiten-Kosmopoliten, Moderne Malerei in Kärnten 1900-1955“.

Ergänzt werde diese vier Programmschwerpunkte – zeitgenössische Kunst, Klassische Moderne, das Projekt „Doppelspiel“ sowie die Fotografie-Serie – durch kontinuierliche, begleitende Veranstaltungen.

Die bislang wenig gezeigten, umfangreichen Sammlungsbestände des Hauses sollen künftig unter verschiedenen Aspekten inszeniert und so dem interessierten Publikum zugänglich gemacht werden.

Im Rahmen einer mehrjährigen Serie sind pro Jahr zwei „Doppelspiele“ geplant. Für Spätherbst dieses Jahres ist angedacht, die Bilder des in den 1980er Jahren verstorbenen Malers Johann Fruhmann (1928–1985) und das konzeptuelle Schaffen des in Wien lebenden Künstlers Heimo Zobernig (geb. 1958) in ein kreatives Doppelspiel zu verwickeln.

 
Das Museum Moderner Kunst Kärnten setzt auf einen dynamischen Ausstellungsbetrieb mit folgenden thematischen Schwerpunkten.

»Personale«
Inhaltliches Ziel dieser Programmlinie ist, moderne und zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler internationalen Formats nach Klagenfurt zu bringen. Die erste Ausstellung ist dem amerikanischen Künstler Alex Katz gewidmet.
(29. Juni – 5. Oktober 2003)
Kuratorin: Dr. Margrit Brehm


»Doppelspiel«
Mit dieser Programmschiene setzt das Museum in einer mehrjährigen Serie jeweils zwei oder mehrere Kärntner Künstlerinnen und Künstler unterschiedlicher Generationen zueinander in Bezug. In der ersten Ausstellung werden Johann Fruhmann und Heimo Zobernig vorgestellt.
(Oktober-Jahresende 2003)
Kurator: Dr. Dieter Bogner


»Fotografie«
Im Frühjahr 2004 wird eine internationale Ausstellung der besonderen Art mit dem Titel „Radikale Fotografie“ gezeigt.
Kurator: N. N.


»Themenschwerpunkt«
Unter dem Titel „Eremiten-Kosmopoliten“ wird eine Großausstellung zum Thema der Kärntner Moderne im internationalen Dialog, an insgesamt vier unterschiedlichen Ausstellungsstätten, präsentiert.
(Mai-Oktober 2004)
Kuratorin: Dr. Agnes Husslein-Arco
Co-Kurator: Univ.-Prof. Dr. Matthias Boeckl

Kunstvermittlungsprogramm
Mit einem differenzierten Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm ermöglicht das Museum Moderner Kunst Kärnten Kunstineressierten eine vielseitige visuelle und intellektuelle Auseinandersetzung mit moderner und zeitgenössischer Kunst. Das Vermittlungsprogramm richtet sich an: Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Familien und Schulklassen.


»Museum am Abend«
Jeden Donnerstag um 18.30 Uhr, Gratisführung durch die Ausstellung.
»Workshop für Kinder und Jugendliche«
Jeden 1. Samstag im Monat für Kinder ab 4 Jahren von 14 bis 17 Uhr.


»Familiensonntag«
Jeden 1. Sonntag im Monat Kinderprogramm um 14.30 Uhr Erwachsenenführung um 15 Uhr, um Anmeldung wird gebeten!
Führungen für Gruppen oder Schulklassen nach Vereinbarung
Kontaktperson: Mag. Andrea Kirchmeir
office.museum@ktn.gv.at



Museum Moderner Kunst Kärnten
Burggasse 8 / Domgasse
A 9020 Klagenfurt
T +43.50.536.30507
F +43.50.536.30514
office.museum@ktn.gv.at
http://www.museummodernerkunst.ktn.gv.at

Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 10 - 18 Uhr
Donnerstag: 10 - 20 Uhr

Eintrittspreise:
Erwachsene: 6,50 Euro
Ermässigt: 3.50 Euro
Familien: 11 Euro
Führung für Schul- und Kindergruppen: 1.70 Euro/Pers.
Führungspauschale für Gruppen: 35 Euro
     
zurück  

 

Sind Sie über einen externen Link hierher gekommen? Hier geht´s zum

dem Portal für Österreicherinnen und Österreicher in aller Welt