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Made in China |
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| Ein Bildhauersymposion im Reich der Mitte, das ihn zur Mitte führte: Die "Lichtwesen"
des Alexander Kandut. Von Isabella Straub. Mit halben Sachen gibt er sich nicht zufrieden. Nicht mit halben Anworten, faulen Kompromissen oder oberflächlichen Beurteilungen. Mit Small Talk braucht man ihm nicht zu kommen, der Large Talk ist seine Königsdisziplin. Alexander Kandut, Bildhauer. Ein Gespräch mit ihm ist kein Spaziergang - eher ein mühsames Durchkämpfen durch den Begriffs-Dschungel mit der geschliffenen Machete. Ein Wortwald, in dem es nur so wimmelt von gefährlichen Neologismen und unerhörten Formulierungen. Vom Durchlichtungsprozess ist die Rede,von Transmutation und Heiliger Geometrie. Und man kramt aus einer Ecke des Gedächtnisses den guten alten Wittgenstein hervor, der in die Ewigkeit gemeißelt hatte: Das Unaussprechliche ist - unaussprechlich - in dem Ausgesprochenen enthalten. Ganz hat man das ja damals nicht verstanden, aber das macht nichts, der Satz hatein diffuses Gefühl des Verstehens hervorgerufen, ganz diffus. Und ähnlich ergeht es einem nun mit jenem Bildhauer, mit dem man hier an den Ufern des Längsees sitzt und einen ganz profanen Kaffee trinkt, während die Schöpfung rund um einen herum (See, Parkplatz, Plastikpergola mit Fischernetz, freundlicher vorsaisonaler Kellner) vor sich hin schöpft und so tut als wär nix. Und irgendwo gib t's einen geheimen Konnex zwischen dem Wittgenstein-Postulat und diesem Gespräch unter dem blassblauen St.Georgener Himmel, das spürt man wie eine Gewissheit, wie den Milchschaum auf der Zunge, aber wenn man's in Worte fassen könnte, würde man's tun.
Alexander Kandut schweift ab, und schon ist er ganz weit weg. China. Vor eineinhalb Jahren. Eingeladen zum Internationalen Bildhauersymposion.Zwei Monate auf einem anderen Stern. Grobe Kommunikationsprobleme, gigantische Steinbrocken, Presslufthammer, riesige Skulptur, vier Meter hoch, alles elendsschwer: Ich glaube,ich hatte die meisten Kran-Stunden. Ein hochqualifizierter und bestens ausgebildeter Assistent mit mindestens drei Berufen ist sich nicht zu schade,für den Bildhauer aus Kärnten niedere Dienste zu verrichten. Er hat zu mir gesagt: Was dieser Stein kostet, werde ich mein ganzes Leben nicht verdienen. Das muss man sich einmal vorstellen! Und viel anderes Inspirierendes, den Taoismus etwa. Oder den Rückzug, die Isolation, weit weg von Europa, von allem. Da hat er ein Lichtwesen geschaffen, ein Lichtwesen aus dem Stein geschlagen, das erste Lichtwesen. Kein Engel, nein. Ein Lichtwesen, das mitder Ewigkeit zu tun hat: die Ewigkeit, die in der Endlichkeit durchscheint. Durchscheinen, ein gutes Stichwort. Es geht um Durchlässigkeit, darum, wie es sich anfühlt, ein Berührter im Geist zu sein. Das Lichtwesen sei die Darstellung innerer und äußerer Durchlässigkeit. Das Sichtbarmachen eines Durchlichtungsprozesses. Da haben wir´s. S i n n - S u c h e Für Alexander Kandut geht es immer nur um eines, und das wird er auch nicht müde zu betonen: um die Sinn-Suche, die Essenz in Dir. Etwas, das ihn immer schon beschäftigt hatte, deshalb auch die Studien der Kunst,der Philosophie und Theologie. In China aber habe ich erstverstanden, dass es nicht darum geht,aus deinem Verstand oder deinen Emotionen zu dieser Essenz zu kommen. Sondern durch einen inneren Weg. Ein Weg also - das Sichtbarmachen eines Prozesses. Getragen von der Vorstellung,dass Kunstmehr kann, als nur einen ästhetischen Reiz vermitteln,den man sich gönnt oder nicht gönnt. Kunst,sagt Kandut, kann Impuls sein, um dein Herz zu rühren. Ein Impuls um den Geist in dir zu leben bzw. dein inneres Wesen,auf das hin du angelegt bist. Kunst könne andere Menschen unterstützen, ihre Mitte zu finden,sagt Kandut. Und er meintes auch ganz genau so. Es ist nämlich doch so: Man könne der Reizüberflutung nachlaufen, bis man hundert sei, oder man könne sagen: Meine Lebenswahrheit ist nicht der Reiz, sondern das, was Tiefe hat. Daher raus aus der dreckigen Brühe, die nur vordergründig reizvoll ist. Rein in die klare Quelle der künstlerischen Inspiration durch die Begegnung mit dem Selbst. Ist nicht unbedingt ein einfacher Weg - aber wie heißt es so schön? Den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, rächt sich irgendwann einmal. Der Weg in die Tiefe sei lohnender, auch wenn es zu einer Erstverschlechterung kommt, wie in der Komplementär-Medizin. Während der Arbeitin China sei er draufgekommen, sagt Kandut, wie sehr er sich bereits von sich selbst entfernt hatte und im Geflecht der Illusionen verhaftet war. Die Illusion ist im Körper und in der Seele wie eine Wunde wahrnehmbar. Es geht darum, durch diese Wunde durchzustoßen. Es gehtum den Rückzug aus dem Illusionären und den Aufbruch in das Wahre. Auf dass einem ein Lichtaufgehe.
A p f e l m ä n n c h e n Was mit einem chinesischen Lichtwesen begann, endet nun (vorläufig) in einer kleinen Lichtwesen-Gruppe. Sieben Wesen, geometrisch angeordnet: ein Projekt, das im Bildungshaus St.Georgen am Längsee gezeigt werden wird,wo Kandut derzeit auch ein Atelier zu Verfügung steht. Dortbefinden wir uns gerade, ein heller Raum mit Blick auf viel Grün und viel Blau und ein bissl Grau (Parkplatz), und der Boden des Ateliers ist gepflastert mit Skizzen und Aquarellen. Geometrische Muster - auf den ersten Blick chaotisch, auf den zweiten Blick offenbart sich eine innere Ordnung. An Fraktale erinnern die Zeichnungen, an die Apfelmännchen aus der Chaos-Theorie. Raummuster, in denen sich Körper zu fügen und zu bilden beginnen. Kandut spricht von Heiliger Ordnung. Und diese einfärbigen Skizzen entsprechen jenen inneren Impulsen, die Kandut aus einem inspirierten Zustand herüberrettet. In großer Konzentration aufs Papier gebracht,entwickeln sich aus diesen ersten Skizzen farbige und formal reduzierte Aquarelle. Aquarelle, die als Vorlage dienen für Tonfiguren, die ganz zuletzt schließlich in Stein oder Holz gearbeitet werden. Viele Schritte auf einem inneren Weg, hin zu einer Ordnung, letztlich zu einer Lebens-Ordnung, die nicht von außen übergestülpt wird, sondern von innen her kommt. Und es sind seine Lichtwesen, die Alexander Kandutauf diesem Weg begleiten. |
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