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„Wenn jamand eine Reise tut, so kann er was erzählen.“ Besonders viel erzählen können Auslandsösterreicher.
Ihr Lebensweg hat sie oft in ferne Länder geführt, ihre Heimat haben sie dennoch nicht vergessen. Und
sie sind auch gern gesehene Gäste, wie das alljährliche Auslandsösterreicher-Treffen in der niederösterreichischen
Landeshauptstadt zeigt. Die Fäden für diese Treffen zieht die Auslandsösterreicher-Referentin beim
Amt der NÖ Landesregierung, Traude Walek-Doby, die selbst jahrzehntelang im Ausland verbrachte und seit nunmehr
20 Jahren für Auslandsösterreicher tätig ist.
„Für uns sind die Kinder der Auslandsösterreicher eine echte Bereicherung. Sie sind unternehmungslustig,
selbständig, haben einen ganz anderen Blick für die Dinge - richtige kleine Weltbürger.“ Der Leiter
des „Zigeunerlagers“ in Langau, Pater Andreas, zeigt sich beeindruckt von den jungen Gästen und den Erfahrungen,
die er mit Kindern von Auslandsösterreichern gemacht hat. Seit Mitte der achtziger Jahre kommen jedes Jahr
junge Leute aus rund dreißig Ländern der Welt in Ferienlager in Niederösterreich und lernen dabei
auch die Heimat ihrer Vorfahren kennen. Ermöglicht werden diese Aufenthalte vom 1984 gegründeten Verein
„Waldviertler Ferienwerk für Auslandsösterreicher-Kinder“, der Familien auch bei Reise- und Aufenthaltskosten
finanziell unter die Arme greift, wenn´s notwendig ist.
Die Erfahrungen prägen
Ins Leben gerufen wurde die Initiative für Auslandsösterreicher-Kinder von Traude Walek-Doby.
Ihrem persönlichen Engagement ist es zu verdanken, daß bereits 1981 erstmals Kinder von Auslandsösterreichern
bei Privatfamilien im Waldviertel untergebracht werden konnten. Damit wurde der eigentliche Grundstein der Auslandösterreicher-Initiative
gelegt. „Von Anfang an war es mein Ziel“, so Walek-Doby aus tiefer Überzeugung, „auch Kindern aus ärmeren
Familien einen Aufenthalt in Niederösterreich zu ermöglichen.“
Obwohl die Kinder aus ganz „normalen“ Familien stammen, vom Hilfsarbeiter bis zum Universitätsprofessor, aus
unterschiedlichsten Kulturkreisen kommen und unterschiedliche Muttersprachen sprechen, haben sie keine Berührungsängste
- eben richtige kleine Weltbürger. Durch die Ferienaufenthalte der Kinder entstehen oft weltweite Freundschaften,
Erlebnisse und Erfahrungen prägen sie ihr Leben lang. Für Walek-Doby trägt die intensive Betreuung
der Kinder und Enkelkinder ausgewanderter Österreicher ganz wesentlich dazu bei, die menschlichen und kulturellen
Kontakte aufrecht zu erhalten. Sie muß es wissen. Immerhin hat die gebürtige Hollabrunnerin mit ihrer
Familie 30 Jahre in der Schweiz gelebt, als freie Journalistin gearbeitet, zahlreiche Bücher geschrieben und
Reisen in über 50 Länder auf vier Kontinenten gemacht.
Von der Berufung zum Beruf
Die Initialzündung für die Idee, Auslandsösterreichern den weiteren Kontakt zu ihrer Heimt
zu ermöglichen, hatte die Mutter von zwei erwachsenen Töchtern bereits zu jener Zeit, als sie noch in
der Schweiz lebte und sich im Weltbund der Auslandsösterreicher engagierte.1976 erfogte schließlich
die Rückkehr in die Heimat, ihr neues zu Hause fand sie im Waldviertel.
Ein Werkvertrag beim Amt der NÖ Landesregierung Ende der achtziger Jahre ermöglichte Walek-Doby, die
bisher ehrenamtlich tätig war und alle Kosten für Porto, Telefonate etc. selbst zu tragen hatte, in Zusammenarbeit
mit den NÖ Jugendreferat die Auslandsösterreicher-Jugendarbeit voranzutreiben und die Ferienaktionen
auszuweiten. Ihr Engagement blieb auch den Verantwortlichen beim Land nicht verborgen. Seit 1992 ist sie das Hirn,
das Herz und die gute Seele des damals neu gegründeten Referates für Auslandsösterreicher beim Amt
der NÖ Landesregierung, nach wie vor die einzige derartige Einrichtung in Österreich. Die „Weltbürgerin“
hatte damit ihre Berufung zum Beruf gemacht.
Weltweite Kooperationen
Durch ihre zahlreichen Kontakte zu Auslandsösterreichern in aller Welt wußte sie, daß
es viele ausgewanderte Österreicher gibt, die großes Intersse haben, die Verbindungen zur Heimat wieder
herzustellen. Das Auslandsösterreicher-Referat bietet ihnen eine optimale Plattform. Das ganze Jahr hindurch
steht diese Einrichtung den im Ausland lebenden Österreichern als Anlaufstelle zur Verfügung.
Die Lebenswege vieler gebürtiger Österreicher, die in den meisten Fällen aus beruflichen Gründen
ins Ausland gegangen waren, verliefen recht unterschiedlich. Viele von ihnen haben in fernen Ländern Karriere
gemacht und nur mehr wenig Kontakt zur Heimat. Ihr Wissen und ihre Erfahrung sind ein enormes Potential für
Niederösterreich. Nicht zuletzt deshalb wurde im Jahr 1995 das erste VIP-Auslandsösterreicher-Treffen
ins Leben gerufen. Diese Treffen sind in den letzten Jahren zu einer wichtigen Kontaktbörse für wirtschaftliche
Zusammenarbeit, Ausstellungen, Kulturtage und Niederösterreich-Wochen, aber auch für touristische Initiativen
und Partnerschaften verschiedenster Art und vieles andere mehr geworden. Auch so manches Sozialprojekt konnte somit
verwirklicht werden.
Für Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll, der den Gästen immer wieder seine Referenz erweist und dabei
zahlreiche persönliche Gespräche mit den Auslandsösterreichern führt, tragen diese Treffen
wesentlich dazu bei, die Internationalität des Landes voranzutreiben. „Wir wollen das Potential der Auslandsösterreicher,
die wichtige Botschafter für das Land sind, nutzen. Denn sie verfügen nicht nur über enorme Erfahrungen
und ausgezeichnete Kontakte, sie prägen auch das Bild Niederösterreichs im Ausland ganz wesentlich“,
ist der Landeshauptmann überzeugt.
Als genau das sehen sich die Auslandsösterreicher. Sie wollen und können damit ihre Verbundenheit mit
der Heimat zeigen und die auf den verschiedensten Gebieten erworbenen Erfahrungen und Fähigkeiten für
Niederösterreich nutzbar machen. Gleichzeitig sind diese Treffen für die Auslandsösterreicher eine
Art Hafen in der Heimat geworden, in dem man jährlich vor Anker gehen kann.
Franz Klingenbrunner
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