Blasmusik in Niederösterreich

von Friedrich Anzenberger

   

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Großkonzert beim Landesmusikfest am 23. 6. 2002 in Lilienfeld mit 5000 MusikerInnen

Die Blasmusik hat im Bundesland Niederösterreich eine große Tradition. Bereits zu k. und k. Zeiten wirkten hier bedeutende Militärkapellmeister, darunter der "Marschkönig" Josef Franz Wagner und Karl Komzák Sohn; ihre Kompositionen werden heute noch von vielen Kapellen gespielt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Niederösterreich allerdings in einer wenig beneidenswerten Situation: Musiker mussten im Krieg ihr Leben lassen oder waren noch in Gefangenschaft, Instrumente und Notenmaterial waren vielfach vernichtet.

Festumzug beim Landesmusikfest 2002

Der Gemeindesekretär Josef Leeb - selbst durch eine Kriegsverletzung schwer behindert - war zu dieser Zeit Kapellmeister im kleinen Ort St. Pantaleon nahe der oberösterreichischen Grenze. In unserem Nachbarbundesland war bereits 1949 ein Blasmusikverband gegründet worden, der sehr zur Aufwärtsentwicklung der oberösterreichischen Kapellen beigetragen hat.

Josef Leeb versuchte zunächst, eine Landessubvention für einen Kapellmeisterkurs zu erhalten. Am Abschlussabend dieses Kurses im Jahre 1952 folgte schließlich der Beschluss zur Gründung eines NÖ Blasmusikverbandes, kurz NÖBV, dessen Landesobmann Josef Leeb vier Jahrzehnte lang war. Neben hohen und höchsten Ehrungen (u. a. Verleihung des Berufstitels "Professor") erhält Leeb heuer den Würdigungspreis für Volkskultur im Rahmen der Verleihung der Kulturpreise des Landes NÖ.

Festakt beim Landesmusikfest 2002 mit Landeshauptmann Pröll (links) und Landesobm. Peter Höckner vom NÖBV

Die neue Organisation, die heute ebenso wie damals von ehrenamtlichen Funktionären geführt wird, veranstaltete Ausbildungskurse für Kapellmeister und Funktionäre und baute ein modernes Vereinswesen auf. Die vielfach als unzeitgemäß empfundenen Uniformen der Musikkapellen wurden nach und nach durch heimatliche Trachten ersetzt. An Stelle der alten hohen Stimmung trat die Normalstimmung der Blasinstrumente, wie sie auch von den Militärkapellen der Zweiten Republik benutzt wird. Wesentlichen Anteil hatte der Verband auch am Zustandeskommen eines Rahmenvertrages mit der Gesellschaft der Autoren, Komponisten und Musikverleger.

Marsch-Show beim Landesmusikfest am 22. 6. 2002

Wertungsspiele für Konzert- und Marschmusik bildeten den wesentlichen Grundstein für die stete Qualitätsverbesserung der Blasmusik in Niederösterreich. Die Teilnahme an diesen Veranstaltungen ist übrigens auch Voraussetzung für eine Subvention der NÖ Landesregierung.

Ab den Sechziger Jahren wurde zudem eine intensive Jugendförderung betrieben. In Niederösterreich fand 1960 das erste Jungmusikerseminar statt, unzählige sollten folgen.

Konzert des Landesblasorchesters 1999 in Mistelbach

Bei diesem Fortbildungskursen werden junge MusikerInnen eine Woche in den Sommerferien intensiv geschult; mittlerweile nehmen mehr als 2000 Jugendliche jedes Jahr an den Seminaren teil, die im eigens dafür adaptierten Schulungszentrum Schloss Zeillern bei Amstetten durchgeführt werden. Als wesentliche Motivation zur Leistungssteigerung entwickelte sich das Jungmusiker-Leistungsabzeichen des Verbandes in den Stufen Bronze, Silber und Gold.

Es ist daher nicht verwunderlich, wenn der Niederösterreichische Blasmusikverband in den Fünfziger und Sechziger Jahren rasch Mitgliedskapellen gewann. Heute, im Jubiläumsjahr zum 50. Bestand dieser Organisation, sind mit mehr als 460 Musikkapellen und mit rund 19.000 aktiven MusikerInnen fast alle Blasmusikvereine in Niederösterreich in diesem Verband vertreten; nahezu die Hälfte aller Blasmusiker sind Jugendliche!

Weisenblasen am Lunzer See am 25. 8. 2002, Tenorhorntrio des Musikvereines Lunz

Die Kapellen treten im Jahre bei rund 11.000 Veranstaltungen (Wertungsspiele, Konzerte, Frühschoppen, kirchliche und weltliche Feiern, Begräbnisse etc.) auf; im vergangenen Jahr haben sie mehr als 100 Millionen Schilling für Instrumente, Trachten, Noten usw. ausgegeben, wobei sie den größten Teil davon selbst erwirtschaften mussten.

Die Feierlichkeiten zum Verbandsjubiläum "50 Jahre NÖBV" begannen mit einem überregionalen Konzertwertungsspiel der besten Kapellen des Bundeslandes am 17.2.2002 im Festspielhaus St. Pölten. Ein Kirchenkonzert des NÖ Landesblasorchesters mit MusikerInnen aus ganz Niederösterreich folgte am 24.3. in der Stiftsbasilika Lilienfeld. Nach einem Kammermusikwettbewerb in Schloss Katzelsdorf am 5.5. gab es vom 22. bis 24.6. in Lilienfeld bei prächtigem Wetter das große Landesmusikfest mit 5000 MusikerInnen

Probe einer Horngruppe bei den
Jungmusikerseminaren 2002 in Zeillern

Alle Fotos: Niederösterreichischer Blasmusikverband

aus NÖ sowie mit Gastkapellen aus allen österreichischen Bundesländern und aus Deutschland, Südtirol und Japan. Das stimmungsvolle Echo- und Weisenblasen wurde am 24. und 25.8. am Lunzer See veranstaltet. Für den 29.9. ist der Festakt "50 Jahre NÖBV" und das Festkonzert des NÖ Landesblasorchesters geplant, das von Kammersänger Herbert Prikopa moderiert wird.
  

Nähere Informationen erhalten Sie auf der Homepage des Niederösterreichischen Blasmusikverbandes unter www.noebv.at oder über das Verbandsbüro des NÖBV (Sparkassestr. 3, A-3350 Stadt Haag, Tel. ++43 / (0)7434 / 42248, Fax DW 4, E-Mail office@noebv.at).
   

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