Auf Stifters Spuren entlang der Donau  

erstellt am
04. 06. 03

Eine »wanderbare« Reise zu den neun Wanderwirten im oberösterreichischen Donauland-Strudengau. Von Valerie Hader.

"Wenn von unserem wunderschönen Lande ob der Enns die Rede ist und man die Herrlichkeiten preist, in welche es gleichsam wie ein Juwel gefasst ist, so hat man gewöhnlich jene Gebirgslandschaften vor Augen, in denen der Fels luftblau emporstrebt, die grünen Wässer rauschen und der dunkle Blick der Seen liegt: wer


Traumblick auf die Donau am Donau-Höhen-Rundwander- weg Foto: Donau OÖ/Riffert
sie einmal gekannt und geliebt hat, der denkt mit Freuden an sie zurück, und ihr heiteres Bild mit dem duftigen Dämmern und dem funkelnden Glänzen steht in der Heiterkeit seiner Seele - aber es gibt auch andere, unbedeutende, gleichsam schwermütig schöne Teile, die abgelegen sind, die den Besucher nicht rufen, ihn selten sehen und, wenn er kommt, ihm gerne weisen, was im Umkreise ihrer Besitzungen liegt: wer sie einmal gekannt und geliebt hat, der denkt mit süßer Trauer an sie zurück wie an ein bescheidenes liebes Weib, das ihm gestorben ist, das nie gefordert, nie geheischt und ihm alles gegeben hat." (Auszug aus Adalbert Stifters "Der Waldgänger", 1847.)

Stifters Spuren folgend, machen wir uns also auf, dieses Land zu besuchen, es zu durch- wandern und seine Schönheiten zu entdecken. Zu Fuß, den


Bizarre Granitformationen in der Mühlviertler Hügelland- schaft Foto: LVT OÖ
Donau-Höhen-Rundwander- weg entlang, über Berg und Tal in das Mühl- und weiter bis ins angrenzende Waldviertel.

290 Kilometer liegen vor uns. Vorbei an malerischen Dörfern und Märkten durchqueren wir die herrliche Hügellandschaft mit seinen bizarren Granitformationen. Gemütlich und ohne Hast lassen wir uns treiben. Immer wieder lernen wir Einheimische kennen, die Zeit finden, mit uns zu plaudern und uns manche Geschichte über dieses romantische und geheimnisvolle Land zu erzählen. Besonders gerne verweilen wir bei den zahlreichen Mostbauern entlang der Strecke, die uns mit ihren hausgemachten Schmankerln verwöhnen.

Müde von den zahlreichen Eindrücken machen wir uns am späten Nachmittag auf, ein Nachtquartier zu suchen. Ein freundlicher Spaziergänger erzählt uns von den Wanderwirten, die einmalig sein sollen und nur am Donau-Höhen-Rundwanderweg zu finden wären. Zwölf Hotels, Pensionen und Gasthöfe haben sich zusammengeschlossen,


Wunderbar belebend: Das Whirlfußbad beim Wirt
Foto: Donau OÖ/Rif
um die Wanderer mit ihrem speziellen Angebot zu umsorgen. Also nichts wie hin. Am Zielort entlang des Rundwanderweges empfängt uns bereits der Wirt: "Sag ma halt gleich du" - und ab zum Hotel.

Nach diesem Tag voller neuer Impressionen sind wir rechtschaffen müde und freuen uns auf einen gemütlichen Abend. Während wir mit dem Wirt ein Begrüßungsstamperl - einen Obstler - trinken, wird unser Gepäck auf die Zimmer gebracht. Duschen, Toiletten, Fernsehapparat - alles Standard. Hotel samt Zimmer sind der regionalen Architektur angepasst. Zum speziellen, auf den Gast abgestimmten Service der Wanderwirte, gehört ein Trockenraum, Putzzeug für die Schuhe und eine Wanderapotheke mit Verbandszeug, Salben und Hausmittel. Wunderbar belebend ist das Whirlfußbad. Aber dann treibt uns doch der Bärenhunger in die gemütliche Gaststube unseres Wirtes.

Wir lassen uns ein 3-gängiges Wandermenü mit den regionalen Schmankerln schmecken. Der Koch verrät uns das Rezept, so dass wir zu Hause unsere Freunde mit diesen Köstlichkeiten überraschen können. So lässt es sich leben, denken wir und genießen ein weiteres Glaserl Most. Most - das typische Getränk des Mühlviertels. Er wird aus Äpfeln und Birnen gewonnen und erfrischt herrlich. Jetzt kommen uns auch die alten Obstbäume wieder in Erinnerung, die uns auf unserer Wanderung aufgefallen waren.

Beim Wirt holen wir uns noch zahlreiche Informationen über die aktuellen kulturellen Angebote, deren es zahlreiche gibt. So geraten wir schnell ins Plaudern,


Das hügelige Mühlviertel Foto: LVT OÖ
verbringen einen rund um gemütlichen, wunderschönen, geselligen Abend. Später als angenommen begeben wir uns schließlich müde und glücklich über den traumhaften Urlaubstag ins Bett.

Am Morgen wecken uns die Sonnenstrahlen am blauen Himmel. Sie versprechen einen warmen, herrlichen Tag. Gutgelaunt genießen wir das sagenhafte Frühstücksbuffet, ein biologisches Frühstück mit allen Köstlichkeiten, die das Mühlviertel bietet: Bauerneier, Vollkornbrot, Tomaten aus dem eigenen Garten,...

So gestärkt bereiten wir uns auf den kommenden Abschnitt des Donau-Höhen-Rundwander- weges vor. Unser Gepäck wird bereits zum nächsten Wanderwirt transportiert, so dass wir den Weg unbeschwert genießen können. Vorher noch ein Abschiedsfoto vor dem Portal des Hotels, zusammen mit dem freundlichen Wirt. Aber unsere Wehmut verfliegt bald auf der Strecke dem nächsten Wanderwirt entgegen.Zufrieden,


Mostbauern entlang der Strecke verwöhnen mit hausge- machten Schmankerl Foto: TV Waldhausen
glücklich und voll von Tausenden von Reiseeindrücken gelangen wir Tage später über Grein, Ybbs und Enns zurück an unseren Ausgangspunkt Linz. Ein Land zu Fuß durchqueren: Das ist mit die schönste, abwechslungsreichste und prägendste Urlaubserfahrung. Tief beeindruckt von der herrlichen Landschaft, von den Bewohnern, den idyllischen Dörfern und Städten beenden wir unsere Wanderung in der Gewissheit, dieses Land wirklich kennengelernt zu haben, seine Geschichte und die Lebensweisen der Menschen verstanden zu haben.

Für uns steht fest, dass Stifters Liebeserklärung an das Mühlviertel eine der schönsten und treffendsten Beschreibungen für dieses Land "ob der Enns" ist.
     
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