Die Heimatgeschichte Oberösterreichs

Diesen Beitrag widmet Ihnen
Prof. DI Dr. Karl-Heinz Aubuger (der auch zur Mitarbeit einlädt)

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Geschichtliche Entwicklung Oberösterreichs
(ausgehend vom 4. Jahrhundert)

Die Baiern besiedeln das Land
Babenberger vorerst nur im Mühlviertel
"Austria superior" - Oberösterreich
Von den Habsburgern zum Bundesland Oberösterreich
Die Stände gegen den Landesherrn
Oberösterreich wird protestantisch
Die ersten Schritte zur Demokratie
Vom Kronland zum Bundesland
Das 1000jährige Reich hinterlässt ein Chaos
Das neue Oberösterreich

Seit Beginn des 4. Jahrhunderts, also seit Kaiser Diokletian, liegt unsere Heimat im Bereich der römischen Provinz "Noricum repense", der Ufernorikums, dessen nördliche Grenze allerdings die Donau bildet. Unterteilt ist sie in zwei Stadtbezirke: Ovilava (Wels) und Lauriacum (Enns); das obere Innviertel und der Attergau gehören zum Salzburger Stadtbezirk, während Lauriacum in spätrömischer Zeit eine Grenzfunktion.

Als sich im 5. Jahrhundert die Einfälle germanischer Stämme mehren, wird der heilige Severin geistige Stütze der Menschen des Grenzlandes. Nach dem Sieg Odoakers räumen 488 die römischen Besatzungstruppen das Land und nehmen den Leichnam des verstorbenen Heiligen ins Mutterland mit. Bescheidene Aufzeichnungen ( wie die "Vita Severini") informieren uns über das Geschehen im Lande. Von der romanisierten Bevölkerung verbleiben Reste, im oberen Kremstal und im Raume von Lorch.

   
Die Baiern besiedeln das Land
Nach der Zeit der Völkerwanderung normalisiert sich die Lage erst Mitte des 6. Jahrhunderts, als die Baiern Oberösterreich besiedeln und in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts den christlichen Glauben annehmen.

Oberösterreich wird wieder Kriegsschauplatz, als die Awaren in das nunmehrige bairische Herzogtum einbrechen; auch Slawen dringen, von Süden kommend, im 8. Jahrhundert in den Raum südlich der Linie Ebensee-Steyr ein. Hatten die Römer ihr Reich nach Norden zu schützen, so verschiebt sich die Abwehrfront nach Osten und Süden.

Unter den bairischen Agilolfingerherzögen entstehen vier Gaue, der Traungau (Wels), der Attergau (St. Georgen), der Mattiggau (Mattighofen) und der Rottgau (Passau). Neben diesen Verwaltungseinheiten werden im 9. Jahrhundert Adelsherrschaften sichtbar, die Sicherheit und Schutz geben.

Die Baiern müssen sich neuerlich an das Frankenreich um Hilfe wenden, und 788 wandelt König Karl das Herzogtum Baiern in eine seiner Provinzen um. Als Ergebnis seines Sieges über die Ungarn reicht das Frankenreich weit nach Ungarn hinein, und um 900 ist der Raum zwischen Aschachschlinge und Wienerwald eine (Markt-) Grafschaft mit drei Untergrafschaften (Wels, Lorch, St. Pölten/Traismauer).

Nach der Schlacht am Lechfeld 955 entsteht eine neue Mark ostwärts der Enns unter Herrschaft der Babenberger aus dem ostfränkischen Geschlecht. Es hat allerdings für das spätere Oberösterreich wenig Bedeutung. Hier sitzen mächtige Adelsgeschlechter, etwa rings um Lambach die Adalberonen, die mit den Staufern verwandt sind. Der letzte des Geschlechts, der heilige Adalbero, verwandelt seine Burg in Lambach in ein Benediktiner Kloster und wird Bischof von Würzburg. Die Adakberonen sterben 1055 aus, als Machtträger folgen die Grafen von Frombach, von Steyr und andere.

Die von den Adelsgeschlechtern mit Grund reich bedachten Stifte (Kremsmünster 777, Lambach, Baumgartenberg, Wilhering und a.) betätigen sich in der Seelsorge, aber auch als Grundherren.
   
Babenberger vorerst nur im Mühlviertel
Das Mühlviertel gehört, wie der größte Teil des Landes südlich der Donau, zum Herzogtum Baiern, nur das Machland ist seit dem 10. Jahrhundert Teil der Babenberger Ostmark, also vorerst das einzige Gebiet von Oberösterreich, in dem sie Herrschaftsrechte ausüben können.

Praktisch sind es verschieden mächtige Adelsgeschlechter, die Herrschaft und Gerichtsbarkeit über ihre Untertanen aus üben. Erst an der Wende vom 12. Zum 13. Jahrhundert kommt es zur Bildung von Ländern und Staaten, die, immer wieder verändert, bis in unsere Gegenwart reichen.

Die Babenberger, seit 976 Markgrafen von Österreich, konsolidieren die Grenze gegen Ungarn und können dann ab ca. 1100 in der Reichspolitik mitmischen. Als sie gemeinsam mit dem Geschlecht der Staufer, die Welfen niederringen, wird der Staufer Konrad III. deutscher König und der Babenberger Markgraf Leopold IV. Herzog von Baiern. Nach anfänglicher Absicherung vor allem gegenüber Osten erkennt man eine Schwerpunktverlagerung nach Westen.

Aber Welfen und Staufen versöhnen sich wieder und die Babenberger verlieren 1156 das neuerworbene Baiern. Immerhin wird ihre Mark Österreich jetzt Herzogtum, aber die Enns bleibt Westgrenze der Babenberger. Nach 1186 erwerben die Babenberger großen Eigenbesitz im Lande ob der Enns, was durch das Aussterben hochfreier Geschlechter vereinfacht wird; so erwerben sie 1210 Linz; im Mühlviertel weiten sie ihr Einflussgebiet bis zur Großen Mühl aus. Damit beherrschen sie den Weg nach Böhmen, bremsen die Ostpolitik der Passauer Bischöfe und dokumentieren mit dem Besitz von Linz, Wels und Vöcklabruck ihren Drang nach Westen.

Dies ist eine wichtige Phase der Landesgeschichte, da die Babenberger fast das gesamte Mühlviertel und den Traungau beherrschen - auch wenn es vermutlich noch zu keiner staatsrechtlichen Trennung mit Baiern kommt. Das Land bleibt Zankapfel zwischen den Babenbergern und den Baiernherzögen.
   
"Austria superior" - Oberösterreich
Als schließlich Ungarnkönig Bela IV. und der Böhmenkönig Premysl 1254 das Erbe der Babenberger teilen, kommt der Traungau von der Steiermark zum Lande ob der Enns, und 1254 scheint zum erstenmal der "Name "Austria superior" - Oberösterreich - auf, auch die Funktion eines Hauptmannes des Landes Oberösterreich wird erwähnt. Ab 1390 gibt es ein Landeswappen in der heutigen Form.
   
Von den Habsburgern zum Bundesland Oberösterreich
Hatte die Herrschaft der Babenberger in Oberösterreich keine 100 Jahre gedauert, so folgt nun eine mehr als 600jährige ununterbrochene Herrschaft des Hauses Habsburg. Noch gehört das Innviertel nicht zu Oberösterreich, dafür werden Teile von Niederösterreich bis zur Ybbs zu Oberösterreich gerechnet. Vor allem wird dem Land noch kein rechtlicher Eigenstatus zuerkannt. Es ist Teil des Erzherzogtums Österreich. Diese Zusammengehörigkeit bleibt bis in die Neuzeit erhalten.

Hatten die Babenberger schrittweise ihren Besitz erworben, so entsteht jetzt in dem bedeutenden Adelsgeschlecht der Schaunberger (Raum Eferding) eine Konkurrenz, die sich von der oberösterreichischen Landesherrschaft lösen will. Der Kampf mit den Schaunbergern dauert rund ein jahrzehnt (1130 bis 1390); dann ist die Einheit des Landes gesichert.

Im 15. Jahrhundert folgt die Trennung vom Lande "unter der Enns"; 1452 wird der erste oberösterreichische Landtag in Wels einberufen. Nur in fünf Jahren zwischen 1458 und 1463 regiert ein Landesfürst im Lande ob der Enns, Herzog Albrecht VI. der Bruder Kaiser Friedrichs III. Auch eine innere Gliederung entsteht, bedingt durch die Hussitenkriege, ab 1347: die Teilung in Viertel (Hausruck-, Traun-, Mühl- und Machlandviertel). Als 1779 das Innviertel zu einem Viertel vereint.
   
Die Stände gegen den Landesherrn
Inzwischen hatten sich "Stände" - Vertreter der Prälaten, Herren, Ritter und der landesfürstlichen Städte - zu einer Vertretung des Landes entwickelt; der nun sichtbare Dualismus beherrscht die folgenden Jahrhunderte.

Die Bauern sind noch bis zum Hochmittelalter überwiegend unfrei und können mit dem Grund vererbt und verkauft werden. Im 17. Jahrhundert kommt es zum Niedergang ritterlichen Besitzes; die Zeit der Türkenkriege und die Prachtentfaltung der Stifte in den nachfolgenden Zeiten bringen finanzielle Bedrängnis. Ab dem 17. Jahrhundert wird adeliger Besitz auch an Nichtadelige verkauft, und schon vor 1848 ist die Situation der oberösterreichischen Bauern günstiger als in den meisten anderen Ländern. So kann man 1848 in Oberösterreich nicht von einer Bauernbefreiung, nur von einer Grundentlastung sprechen.
   
Oberösterreich wird protestantisch
Nach 1600, als das Land überwiegend protestantisch geworden war, erreichen die Stände den Höhepunkt ihrer Macht. Die Berufung des berühmten Astronomen Johannes Kepler nach Linz in den Jahren 1611 bis 1626 zeigt das Bestreben der Stände auch im wissenschaftlichen Bereich.

Den Höhenflug der Stände folgt ein tiefer Fall, der zur Entmachtung des protestantischen Adels führt. Auch die vielbeschriebenen Bauernkriege, mit ihren sozialen, wirtschaftlichen und religiösen Wurzeln, fallen in diese Zeit, da Oberösterreich an den Kurfürsten von Bayern verpfändet ist (1620-1628).

Erst im aufgeklärten Absolutismus beginnt ein rechtliches Eigenleben des Landes. So ruft Kaiser Josef II. 1783 eine eigene "obderennsische Regierung" ins Leben, und in den von Maria Theresia geschaffenen Kreisen, die den alten Vierteln entsprechen, entsteht die erste unabhängige Verwaltung. In den Franzosenkriegen zu Beginn des 19. Jahrhunderts muss das 1779 gewonnene Innviertel und ein Teil des Hausruckviertels 1809 an Frankreich abgetreten werden, doch kehren die Gebiete 1816 wieder zu Oberösterreich zurück.
   
Die ersten Schritte zur Demokratie
Das Jahr 1848 beschert Oberösterreich zwar keine Revolution, die Pressefreiheit und eine Flut von Zeitungsneuerscheinungen deuten jedoch in Richtung Demokratie. Die Verfassung des Jahres 1861 bezeichnet Oberösterreich erstmals als "Erzherzogtum", das Wesentliche dieses Jahres ist aber die Konstituierung des Landtages. Erst Jahre danach wird allerdings die Bildung politischer Parteien durch das Vereinsgesetz möglich, die in folgender Reihenfolge entstehen: Liberal-politischer Verein, Katholischer Volksverein (ab 1907 Christsoziale), Bauernverein, Sozialdemokraten. Noch aber ist der neue Landtag nur ein "Kurienlandtag", noch gibt es kein allgemeines, gleiches und direktes Wahlrecht. Das folgt erst 1907 für den Reichsrat und 1918 für die Landtage.

Dieser Landtag ist anfänglich fast völlig liberal, 1884 kommt es zur konservativen Mehrheit. In die Schlussphase der Habsburgermonarchie fällt die heftigste Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche in Österreich, als Bischof Franz Joseph Rudigiers Hirtenbrief im Zusammenhang mit der Konkordatskündigung beschlagnahmt, der Bischof sogar verurteilt wird.

Bald nach 1850 wird die Kaiservilla in Bad Ischl ständiger Aufenthalt der kaiserlichen Familie in den Sommermonaten und wichtiger Treffpunkt für den Bereich der Außenpolitik, auch ein beachtlicher Treffpunkt namhafter Künstler.

Gleichzeitig wird in dieser Zeit das kleine Land in der Monarchie eine kulturelle Großmacht, in der Dichter Adalbert Stifter, der Komponist Anton Bruckner und Österreichs größter Mundartdichter Franz Stelzhamer weit über Oberösterreich hinauswachsen.

An der Spitze der "politischen Verwaltung" steht der Statthalter, daneben wird die "autonome Landesverwaltung" mit dem Landeshauptmann aufgebaut, die rasch an Einfluss gewinnt. Der bedeutendste Landeshauptmann der Monarchie ist Dr. Alfred Ebenhoch, auf den das "milde politische Klima" im Land zurückgeht. Landeshauptmann Prälat Johann Nepomuk Hauser führt das Land sicher durch die Wirren der Jahre 1918/1919.
   
Vom Kronland zum Bundesland
Jetzt in der Republik, fällt die Statthalterei weg, die Bezirkshauptmannschaften werden dem Landeshauptmann unterstellt. Anstelle des Kurienlandtages tritt ein von den politischen Parteien gebildeter Landtag.

Staatsrechtlich kommt kurz der "Deutsche Böhmerwaldgau" zu Oberösterreich. Das Parteienspektrum ändert sich nur bescheiden, lediglich die Sozialdemokraten werden nach den Christlichsozialen und vor den Großdeutschen zweitstärkste Partei. Auch das maßvolle politische Klima wird durch Prälat Hauser und seinen Nachfolger Josef Schlegel vertieft, so dass es im Februar 1934 ganz ungewöhnlich ist, dass der sozialistische Aufstand unter Richard Bernaschek gerade in Linz und Steyr ausbricht.

Unmittelbar danach wird Dr. Heinrich Gleißner Landeshauptmann, der Landtag wird zu einem ständischen umgebildet. Schwer lastet am Land die Weltwirtschaftskrise, bis Anfang 1938 eine erste Entspannung eintritt. In dem bis 1934 sichtbaren Parteiengefüge erzielen die Nationalsozialisten bis zur letzten Landtagswahl 1931 keine besonderen Erfolge.
   
Das 1000jährige Reich hinterlässt ein Chaos
1938 übernehmen die Nationalsozialisten und Gauleiter August Eigruber die Macht. Oberösterreich wird zum Aufmarschgebiet der Deutschen Wehrmacht; Hitler wird jubelnd in Linz empfangen. Die Gebietsausweitungen jenes Jahres haben nur kurzen Bestand: Südböhmen kommt 1945 zur Tschechoslowakei zurück, die deutsche Bevölkerung des Gebietes wird von den Tschechen vertrieben; das steirische Ausseerland kehrt 1947 in die Steiermark zurück.

Sofort werden zahlreiche Persönlichkeiten in deutsche Konzentrationslager abgeführt; die jüdische Bevölkerung kann "Oberdonau" anfänglich noch verlassen, die meist älteren Juden beenden ihren Leidensweg in den polnischen Vernichtungslagern. Der 1939 ausbrechende Zweite Weltkrieg fordert rund 40.000 Kriegstote, das Land erlebt zuletzt schwere Bombenangriffe, Vor allem in Linz.

Nach Kriegsende besetzen die Amerikaner einen Großteil des Landes, die Russen marschieren in das Mühlviertel ein. Jetzt ist für die folgenden zehn Jahre bis zum Staatsvertrag 1955 die Donau Zonengrenze. Im russisch besetzten Gebiet macht sich der Staatsbeauftragte Johann Blöchl außerordentlich verdient.
   
Das neue Oberösterreich
Nach der von der amerikanischen Besatzungsmacht eingesetzten Beamtenregierung Dr. Eigl wird knapp vor den Novemberwahlen 1945 wieder Dr. Gleißner Landeshauptmann - und zwar für die ganze Zeit des Wiederaufbaues. Sein Nachfolger Dr. Erwin Wenzl (1971-1977), Dr. Ratzenböck (1977-1995) und Dr. Josef Pühringer (ab 1995) sorgen mit ihren Leistungen dafür, daß die ÖVP als Nachfolgerin der Christlich-sozialen führende Kraft im Lande bleibt.
     
Quellen: Nationalbibliothek Wien, Landesarchiv Oberösterreich, Dr. Harry Slapnicka    

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