Der erste Morgen und ein Gespräch mit dem Bürgermeister

 

erstellt am
24. 05. 03

Als wir am nächsten Tag, zeitig in der Früh, den Balkon unseres Appartements betreten, bringt die Frühlingssonne schon den See zum Dampfen. In Pastellfarben schimmert der morgendliche Himmel. Gepflegte Badestrände, deren Rasen den Eindruck vermitteln, hier würde entschieden, wie saftiges Grün auszusehen habe, reihen sich aneinander. Lange hölzerne Badestege führen auf das Wasser hinaus. Wir lassen uns auf einer der Halbinseln nieder und nehmen fast begierig die klare Morgenluft in uns auf. Es gibt keinen Grundlärm. Die innere Ruhe, die sich hier in uns breit macht, wird durch vielfältige Vogelstimmen begleitet.


Wenn man Frühaufsteher ist, bietet die Natur faszinierende Lichtspiele

Uns gegenüber, auf dem südöstlichen Ufer, erheben sich in sattem Grün der Dreiseenblick, die Gracarca und der Georgiberg. Auf letzterem steht die Georgikirche, die


Ein wenig später schimmert der morgendliche Himmel in den feinsten Pastellfarben
erstmals 1060 urkundlich erwähnt wurde. Die Kirche selbst ist ein letzter Baurest einer herzöglichen, mittelalterlichen Burg am Georgiberg, die 1267/1268 auch urkundlich als „castrum“ bezeugt ist. Im 13. Jahrhundert wurde der Klopeiner See übrigens nach der Kirche bzw. der Burg als „St. Georgs-See“ benannt. Für alle Singles, die es nicht bleiben wollen: In früherer Zeit pilgerten die Jungfrauen zu der Glocke dieser Kirche und wünschten sich einen Mann. Und dieser Wunsch soll für alle in Erfüllung gegangen sein. Und noch heute kann man selbst den Glockenzug betätigen und beim ersten Klang sich etwas wünschen. Aber Vorsicht, der Wunsch darf nicht ausgesprochen werden, da sonst der Zauber erlischt (ob die Jungfräulichkeit heute noch Voraussetzung ist, entzieht sich unserer Kenntnis).

Keine Legende hingegen ist die Tatsache, daß dieses Gebiet von den Kelten und Römern besiedelt war. Vor allem auf der Gracarca konnten zahlreiche Funde gemacht werden. Der St. Kanzianer Hobbyarchäologe Adrian Eberhart, der über viele Jahre hindurch unbeirrbar Suchgrabungen durchgeführt und Beweise für größere Fundstellen erbracht hatte, erreichte beim Kärntner Landeshauptmann, daß seine Vorarbeiten in ein Gemeinschaftsprojekt mündeten, das unter der Federführung des Ur- und Frühgeschichtlers Univ. Doz. Dr. Paul Gleirscher wesentliche Erfolge verbuchen konnte.



Vor allem auf der Gracarca konnten zahlreiche Funde gemacht werden.


Doch mehr dazu erfahren wir noch später, wir bleiben noch ein wenig

Langsam kommt Leben in die Gemeinde
Mit dem Umweltkontrollauto der Gemeinde wird alles aufgesammelt, was auf der Straße nichts verloren hat
beim See und treffen dort auf Leo Helmreich, den Inhaber der Tauchschule „Easy Dive“. Wir möchten gerne ganz detailliert von ihm wissen, wie er den 1650 Jahre alten römischen Einbaum im See gefunden hat. Er bereitet sich aber gerade auf einen Tauchgang vor, weshalb wir ein Treffen für einen späteren Zeitpunkt vereinbaren.

Langsam kommt Leben auf in St. Kanzian. Ein Umweltkontrollauto der Gemeinde patroulliert, der Fahrer achtet minutiös auf alles, was auf den Straßen nichts verloren hat. Mehrere andere Mitarbeiter der Gemeinde sind mit Besen und Schaufeln unterwegs und machen so etwas wie Morgenwäsche, damit sich der Ort den langsam munter werdenden Gästen von seiner besten Seite präsentieren kann. Als Frühaufsteher kommt man in den Genuß, das geschäftige Treiben zu beobachten, wie in den Restaurants und Lokalen Waren in Hülle und Fülle eingelagert werden, Tische und Sessel in einladende Positionen gerückt und von den ersten Gästen gleich in Beschlag genommen werden. Es ist schon sehr genüßlich, in der Morgensonne eine Schale guten Kaffees zu genießen und sich auf die Ereignisse des noch jungen Tages einzustimmen. Den Vormittag verbringen wir mit einem Rundgang um den See, der natürlich auch mit Ruder- und Tretbooten befahren werden kann. Immer wieder staunen wir, wie klar das Wasser ist, wie weit man den Grund erkennen kann. Fahren dort und da etwas näher heran, um mondäne Hotelkomplexe, Restaurant- und Café-Terrassen und Villen in Augenschein zu nehmen.

Um die Mittagszeit treffen wir uns beim altehrwürdigen „Kirchenwirt“, im Schatten zweier prachtvoller Kastanienbäume, mit Thomas Krainz, der kürzlich zum Bürgermeister von St. Kanzian gewählt wurde.
Der 49jährige Familienvater ist seit Jahren Gemeinderat, auch Landwirt und, so sagt man, begnadeter Heilmasseur. Er erzählt uns, daß sich St. Kanzian über Jahrzehnte schon größter Beliebtheit erfreut und die Gemeinde alles daran setze, den Gästen auch für die Zukunft einen erholsamen, aber auch sehr
Der „Kirchenwirt“, altehrwürdig und im Schatten zweier prachtvoller Kastanienbäume
Bürgermeister Thomas Krainz an der "Brüstung" zum neuen Veranstaltungssaal, der in wenigen Wochen in Betrieb gehen kann
interessanten Urlaub zu bieten. Und die Zahlen, die uns Thomas Krainz nennt, sprechen für sich: pro Saison verbucht man etwa 950.000 (!) Nächtigungen. Das heißt, St. Kanzian ist somit – Wien und Salzburg ausgenommen – die stärkste Sommer-Tourismusgemeinde Österreichs. Die Saison beginnt mit den Osterferien, wo die etwa 14.000 Betten aber noch nicht ausgelastet sind. Die stärksten Monate sind, so Krainz, nach wie vor Juli und August, obwohl die Zeit der Vor- und Nachsaison kaum weniger an Urlaubsqualität bietet. Wie eingangs erwähnt ist der Klopeiner See ja der wärmste Badesee Österreichs und erreicht schon im Mai und Juni Temperaturen, mit denen sich andere im Hochsommer zufrieden geben müssen. Und wenn die Lufttemperatur mitspielt, kann man den Badefreuden getrost bis in den späten September hinein frönen. Unterkünfte gibt es in praktisch allen Qualitäts- und Preisklassen, von luxuriösen Hotels bis hin zu wunderschönen Pensionen mit allem Komfort, Appartementhäusern mit einladenden Wohnungen, bis zu den Campingplätzen, auf denen 2000 bis 2500 Gäste ihre Ungebundenheit genießen können. Großen Wert legt man „vor allem auf Familien mit Kindern, damit sich alle hier nicht nur wohl-, sondern auch wie zu Hause fühlen können“, so Krainz.

Um nun die noch etwas schüttere Auslastung in der Vor- und Nachsaison zu verbessern, wird intensiv an zusätzlichen Angeboten für den Gast gearbeitet. Als wesentlicher Baustein gilt der kurz vor Fertigstellung befindliche Neubau eines Veranstaltungssaales, wo ein soeben eingesetzter Geschäftsführer für ein ausgewogenes Programm verantwortlich ist. Damit soll auf einer Seite für die Gäste, andererseits für die Einheimischen ein zentraler kultureller und gesellschaftlicher Fixpunkt entstehen. Man plant Ausstellungen, Theaterabende, Diskussionsabende, Tanzveranstaltungen, Musikvorträge, die vielen Musik- und anderen Vereine sind eingeladen, auch Kärntner Brauchtum zu präsentieren, was in dieser Gegend immer noch intensiv gepflegt wird.

Gepflegt werden auch die vielen Wanderwege und kilometerlangen Spazierwege. Die Region bietet gerade in der Vor- und Nachsaison alles, was das sportliche Herz begehrt:
Die Kirche St. Kanzian ist ein Musterbeispiel für eine Symbiose zwischen Alt und Neu
Der Volksaltar als Bindeglied
Wunderschönes Kruzifix aus der Zeit um 1510
Von Hochgebirgstouren bis hin zu einfachen, gemütlichen Spaziergängen auf Naturlehrpfaden und geführten Nachtwanderungen mit Fackeln auf den Georgiberg. Es gibt über sechzig Tennisplätze, eine ganz neue Tennishalle und einen wunderschön angelegten Golfplatz. Für die unermüdlichen Wasserratten gibt es eine Tauchschule, die Anfängerkurse bis hin zur Ausbildung zum Tauchlehrer bietet. Mountainbikestrecken und Radwege können individuell genutzt werden, wer gerne im Team radelt, kann an organisierten Ausflügen teilnehmen.

Wen es ans Wasser zieht, kann neben den drei Badeseen Klopeiner See, Turnersee und Kleinsee auch das herrliche Drauufer mit Fischereimöglichkeit und Bootsfahrten im Naturschutzgebiet genießen. Und der Bürgermeister verweist auf das Vogelparadies mit 340 verschiedenen Vogelarten, auf Reitmöglichkeiten und, für die Allerkleinsten, auf einen Märchenwald. Einiges davon steht auch auf unserem Reiseplan.

Ehe wir uns zu einer Bootsfahrt auf der aufgestauten Drau aufmachen, besuchen wir noch die wunderschöne Kirche. Sie ist dem Heiligen Kanzian geweiht, der zusammen mit seinen Geschwistern Kanzius und Kanzianilla im Jahre 290 in Aquileja den Märtyrertod starb. Die Kirche, wie sie sich heute dem Besucher zeigt, ist ein Musterbeispiel für Symbiose zwischen Alt und Neu: der zu klein gewordenen Kirche wurde vor rund 25 Jahren ein Zubau angefügt, der durch die Positionierung des Volksaltares als sozusagen Bindeglied und durch ein unmittelbar darüber aufgehängtes wunderschönes Kruzifix aus der Zeit um 1510 zu einer Einheit wird. Von der einst romanischen Kirchenanlage sind nur noch der Chorturm und vom spätgotischen Umbau in der Zeit um 1518 das zarte Apsispolygon erhalten.
     

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