Festungsensemble Ehrenberg
     
Aus Tirols größter Kulturbaustelle wächst Jahrhundertprojekt

Ehrenberg ist Heimat
Der endgültige Verfall dieses wertvollen Kulturgutes konnte durch die Initiative von Idealisten gestoppt werden. Aus der ursprünglichen Intention, den Zerfall des Festungsensembles zu stoppen, ist längst ein kulturelles Jahrhundertprojekt mit enormen Zukunftsperspektiven gewachsen. Mit dem Europäischen Burgenmuseum Ehrenberg blickt eines der bedeutendsten Vorhaben in der Geschichte der Marktgemeinde Reutte, auf kulturellem Sektor das


Klause bei Nacht
größte Projekt überhaupt, seiner Vollendung entgegen.

Idealisten am Werk
Bereits vor 30 Jahren startete Fridl Schennach eine Bürgerinitiative zur Rettung der Burgruine Ehrenberg und engagierte sich jahrzehntelang für dieses so wichtige Anliegen. Vor rund sieben Jahren erkannte Architekt DI Armin Walch die Bedeutung des Festungsensembles und setzte mit der Sanierung von Klause, Fort Claudia und Festung am Schlosskopf wichtige Impulse für den Erhalt der Gesamtanlage. Als Ideengeber und nimmermüder Motor ist es ihm schließlich gelungen, die Entscheidungsträger auf kommunaler und höherer politischer Ebene ebenso wie die in Frage kommenden öffentlichen Förderstellen sowie private Sponsoren von der Einmaligkeit und den viel versprechenden Zukunftsperspektiven des Projektes Europäisches Burgenmuseum zu überzeugen.

Der Grundstein für die Rettung der Klause wurde im Jahre 1994 gelegt. Die Marktgemeinde Reutte unter Bürgermeister Siegfried Singer erwarb damals die materiellen Anteile I, II und IV von den Gebrüdern Edwin und Otto Lechner. Drei Jahre später überließ die Erbengemeinschaft Santer/Kolb/Ennemoser/Ammann der Gemeinde geschenkweise den materiellen Anteil III. In der Folge kam es noch zu einigen Grundstücksarrondierungen. Damit konnten die angestrebten Arbeiten, nämlich die Herstellung einer komplett neuen Bedachung, die Trockenlegung der Mauern und die Sicherung der Ostbastion, durchgeführt werden.

Fördergelder von EU, Land und Bund: Die kräftige Unterstützung seitens der Kulturabteilung des Landes Tirol, die Aufnahme in die EU-Programme Interreg II und später Interreg III, die Einbindung des Tourismusverbandes Ferienregion Reutte in ein beim Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten angesiedeltes Förderungsprogramm sowie das äußerst großzügige Sponsoring der Raiffeisenbank Reutte, der Dr. Robert und Lina Thyll-Dürr-Stiftung und der Tiroler Landesgedächtnisstiftung von jeweils zwei Millionen Schilling sowie die laufende Förderung durch den Tourismusverband machten es möglich, dass die Visionen Realität werden konnten. Besonderes Entgegenkommen gewährten auch die lokalen Behörden, im Speziellen das Baubezirksamt Reutte und die Österreichischen Bundesforste, sowie die Familien Tschurtschenthaler, Schoener und Kustatscher als Eigentümer der Festungsanlagen Ruine Ehrenberg und Festung Schlosskopf.

Die Gründung des Trägervereins Europäisches Burgenmuseum Ehrenberg im Jahre 2001 und die Übertragung der Geschäftsführung an das Architekturbüro Walch stellten die organisatorischen und finanziellen Weichen für einen erfolgreichen Weg in die Zukunft.

Das Europäische Burgenmuseum Ehrenberg wird als Zentrum eines 18 Burgen im Raum Außerfern und im angrenzenden Allgäu zählenden Burgenparks einschließlich des vier Festungsanlagen umfassenden Verbundes Ehrenberg fungieren und als Museum die Bedeutung und Entwicklung mittelalterlicher Burgen dokumentieren. Integriert werden ein Besucherzentrum, ein Tourismusbüro und ein Multifunktionszentrum. Eine Veranstaltungs- und Eventanlage im Freigelände runden das Gesamtkonzept ab.

Internationale Ausstrahlung
Helmut Wiesenegg, Vereinsobmann und Bürgermeister von Reutte, betont: "Als Vorsitzender des Vereines Europäisches Burgenmuseum bin ich überzeugt, dass mit dem Projekt eine für die Marktgemeinde Reutte und die gesamte Region attraktive und auch innovative Einrichtung mit internationaler Ausstrahlung entsteht, welche sich im internationalen Wettbewerb behaupten wird. Sie rechtfertigt damit die hohen Investitionskosten und wird den Ansprüchen, die heutzutage an den Kulturtourismus gestellt werden, gerecht."




Ehrenberg – Geschichte
Wenn Sie vor der gewaltigen Burganlage von Ehrenberg stehen, schauen Sie auf über 700 Jahre Geschichte. Das Festungsensemble Ehrenberg besteht aus den vier unterschiedlichen Anlagen Klause, Burgruine Ehrenberg, Festung am Schlosskopf und Fort Claudia.


Ruine Ehrenberg
Die alten Gemäuer verbinden das Mittelalter mit dem 21. Jahrhundert, wenn in diesen alten Mauern das Europäische Burgenmuseum entstehen wird. In jener Zeit, die gerne als die schreckliche „kaiserlose Zeit“ (1246-1273) genannt wird, zerfiel 1268 das Herzogtum Schwaben. Ein wahrer „Wettlauf“ um das Erbe der Staufer setzte ein. Graf Meinhard II. von Tirol, Stiefvater des letzten Staufers Konradin, konnte sich weite Gebiete des heutigen Außerfern aneignen. Nicht nur zum Schutz, sondern auch zur Verwaltung des neuen Territoriums ließ er Ehrenberg bauen.

1296 haben wir sichere Nachricht vom Bestehen Ehrenbergs und eines gleichnamigen Gerichtes. Im Dreißigjährigen Krieg wurde mit den Vorwerken ein ganzer Festungsgürtel um Ehrenberg angelegt. Ehrenberg wurde zur mächtigsten Festungsanlage im Norden Tirols. 1782 ließ Kaiser Josef II. Ehrenberg auf. Das ganze Festungsensemble wurde versteigert; was nicht verkauft werden konnte, fiel dem Verfall anheim.

1296 Burgruine Ehrenberg
Ehrenberg bietet alles, was Sie von einem mittelalterlichen Schloss erwarten: wehrhafte Mauern, hohe Türme und viel Geschichte. Wo die Geschichte schweigt, beginnt die Sage. Solange das Schloss bestand, wurde auch gebaut, sodass sich Bauspuren aus rund einem halben Jahrtausend finden. Lange konnte Ehrenberg ein friedliches Dasein führen.

Das änderte sich mit dem Ausbruch der Religionskriege. Ehrenberg war mehrmals Mittelpunkt kriegerischen Ringens.1546 nahmen die protestantischen Schmalkalden die Festung ein. 1552 wurde sie vom Kurfürsten Moritz von Sachsen überrumpelt.

1632 machten die Schweden vor ihren Mauern Halt. 1703 fiel sie beim Spanischen Erbfolgekrieg den Bayern in die Hände. Von 1716 auf 1717 wurde Ehrenberg dem russischen Zarewitsch Alexej, der vor seinem Vater Zar Peter dem Großen geflohen war, als Aufenthaltsort zugewiesen.

Ab 1971 nahm sich Fridolin Schennach aus Reutte der verfallenen Ruine an und startete mit zahlreichen Idealisten eine Rettungsaktion.

1317 Ehrenberger Klause
Bald nach der ersten Erwähnung Ehrenbergs erfahren wir 1317 von der darunter liegenden Klause. Sie hatte neben ihrer


Festung am Schlosskopf
militärischen Funktion einer Talsperre auch die Aufgabe einer Zollstätte.

Eine Marmortafel an der Nordseite erinnert daran, dass 1609 Erzherzog Maximilian III. der Deutschmeister diese Klause um- und ausbauen ließ.

Zwei Drittel der ehemaligen Klause sind heute Ruine, geben aber durch Ausgrabungen immer neue Geheimnisse preis. Der verbliebene Rest der Klause, im Mittelpunkt von 18 Burgen in Tirol und dem Allgäu stehend, wird in absehbarer Zeit das Europäische Burgenmuseum beherbergen.

1645 Fort Claudia
Die strategische Bedeutung des Ehrenberg gegenüber liegenden Bergrückens war schon lange bekannt. Er spielte schon bei der Rückeroberung Ehrenbergs 1546 eine wichtige Rolle.

Eine Befestigung unterblieb aus Geldmangel. So war es auch noch 1632, als die Schweden bis vor Ehrenberg zogen. Erst Jahre später, von 1639 bis 1645, wurde unter der Tiroler Regentin Erzherzogin Claudia das Fort Claudia, das den Namen dieser Fürstin trägt, erbaut.

1703 wurde das Fort Claudia von den Bayern eingenommen, die von hier aus die Besetzung von Ehrenberg einleiteten. 1782 wurde die Festung aufgelassen. Noch im 19. Jahrhundert war die alte Festungsanlage bewohnt und verfiel nach dem Verlassen.


Blick auf den Talkessel Reutte

Alle Fotos:
Verein Europäisches Burgenmuseum Ehrenberg


1741 Festung am Schlosskopf
Die jüngste und zugleich wichtigste aller Anlagen ist die Festung Schlosskopf. 1703 startete vom Schlosskopf aus die Rückeroberung Ehrenbergs. Aber erst 1733 begann man mit dem Festungsbau, der nach modernsten militärischen Erkenntnissen 1741 vollendet wurde.
Nur 41 Jahre, in denen diese gewaltige Festung nie eine Bedeutung erlangte, waren ihr gegönnt, bis sie 1782 wie alle anderen Bauwerke auch aufgelassen wurde und langsam verfiel. Die imposanten Reste lassen immerhin noch heute die Festung erahnen, die in ihrer Zeit als uneinnehmbar galt.
  Verein Europäisches Burgenmuseum Ehrenberg
DI Armin Walch
Kög 22
A-6600 Reutte
Telefon: ++43 / (0)5672 / 64242
Telefax: ++43 / (0)5672 / 64460
E-Mail: info@ehrenberg.at
http://www.ehrenberg.at

     
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