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Mittelfristige Prognose der Österreichischen Wirtschaft 2002-2006
Rückkehr auf stabilen Wachstumspfad
Wien (ihs) - Die österreichische Wirtschaft wird im Zeitraum 2002 bis 2006 um durchschnittlich 2.3 % und damit gleich schnell wie im Durchschnitt der letzten fünf Jahre wachsen. Ausgehend von dem weltweiten Konjunktureinbruch im Jahr 2001 belebt sich die österreichische Wirtschaft deutlich, wobei der Konjunkturhöhepunkt mit einem Wachstum von 2.7 % im Jahr 2004 erreicht wird.
Über den gesamten Prognosezeitraum hinweg gesehen, wird das Wachstumstempo in Österreich damit geringfügig langsamer als in der Europäischen Union (2 ½ %) ausfallen. Die wesentlichsten Wachstumsmotoren in den nächsten Jahren bleiben der stabile private Konsum, die Exportnachfrage und die anziehende Investitionstätigkeit. Während der Aufschwung in der ersten Hälfte des Prognosezeitraums noch primär von der Außenwirtschaft ausgelöst wird, entwickelt sich die Inlandsnachfrage in der Folge zur Konjunkturstütze.
Nach der Stagnation im Vorjahr zeigen sich bereits deutliche Anzeichen für ein Anspringen der Weltkonjunktur. Die konjunkturellen Aufschwungstendenzen finden sich gegenwärtig in nahezu allen Industrieländern. In den USA hat die Produktionstätigkeit deutlich zugelegt. Die asiatischen Schwellenländer verzeichneten eine kräftige Erholung, auch in Japan hat die Wirtschaftsleistung wieder zugelegt. Vergleichsweise verhalten verlief noch die Konjunktur im EU-Raum. Frühindikatoren deuten darauf hin, dass sich das Expansionstempo in Europa im zweiten Quartal beschleunigt hat. Diese positive Tendenz sollte sich in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen. Ausgehend von der Erholung in den USA wird auch die europäische Wirtschaft wieder anziehen. Der Konjunkturhöhepunkt wird in den Jahren 2003 bis 2004 erreicht werden, danach wird sich die Wirtschaftsleistung geringfügig abschwächen. Über den gesamten Prognosezeitraum hinweg betrachtet, wird die Europäische Union mit einem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von 2 ½ % aber weiterhin hinter den USA zurückbleiben (3 %). Dabei wird unterstellt, dass sich die Bautätigkeit in Deutschland längerfristig stabilisiert und die deutsche Wirtschaft ein durchschnittliches Wachstumstempo von 2 % erreicht.
Der Ausblick für die heimische Binnenkonjunktur fällt mit einem durchschnittlichen Wachstum von 2.1 % geringfügig günstiger als für die Periode
1997 bis 2001 aus. Das reale Wachstumstempo bleibt auf Grund des gedämpften öffentlichen Konsums etwas hinter dem BIP-Wachstum zurück.
Der private Konsum wird die Konjunktur weiterhin stützen. Die durchschnittliche Wachstumsrate des Konsums wird sich auf 2.1 % belaufen. Nachdem die Haushalte in den Vorjahren die Sparquote deutlich zurückgenommen haben, steigt diese ausgehend vom Tiefststand 2001 bis zum Ende des Prognosezeitraums um einen Prozentpunkt.
Die Investitionen werden bis zum Jahr 2006 um durchschnittlich 3.2 % wachsen. Hierbei entwickeln sich die Ausrüstungsinvestitionen mit 5.1 % stärker als der Bau mit 0.9 %. Im Vergleich zu der Periode 1997 bis 2001 belebt sich die Investitionstätigkeit, insbesondere wegen der Entwicklung in der Bauwirtschaft. Nach den starken Einbrüchen in den Jahren 2001 und 2002 werden die Bauinvestitionen im restlichen Prognosezeitraum wieder etwas anziehen.
Die zweite Hälfte der 90er Jahre war von einem deutlichen Integrationsprozess der österreichischen Wirtschaft in die Weltwirtschaft gekennzeichnet. Lediglich der Konjunktureinbruch 2001 hat die Expansion der internationalen Handelsbeziehungen etwas gedämpft. Im Zeitraum 1997 bis 2001 sind die realen Exporte laut VGR pro Jahr um durchschnittlich 9.1 % angestiegen. Die österreichische Exportwirtschaft konnte dabei Marktanteile gewinnen. Die Exportquote ist von 41.8 % des BIP im Jahr 1997 auf 51.9 % im Jahr 2001 geklettert. Analog sind die realen Importe laut VGR um durchschnittlich 8.1 % gewachsen. Die außenwirtschaftliche Dynamik wird sich im Prognosezeitraum abschwächen, der Integrationsprozess der österreichischen Wirtschaft setzt sich aber weiter fort. Die durchschnittliche Wachstumsrate der Exporte laut VGR wird 5.5 % betragen. Auf Grund der anziehenden Binnenkonjunktur beleben sich die Importe (5.3 %). Insgesamt gesehen trägt der Außenbeitrag weiterhin positiv zur Wirtschaftsentwicklung in Österreich bei.
Die ausgezeichnete Entwicklung der österreichischen Exportwirtschaft schlägt sich in der Leistungsbilanz nieder. Während im Jahr 2000 die Warenbilanz noch ein Defizit von 3 Mrd. Euro auswies, wird diese 2006 annähernd ausgeglichen sein. Das Leistungsbilanzdefizit sinkt von 4.6 Mrd. Euro (2001) auf 3.8 Mrd. Euro (2006), bzw. auf 1.5 % des BIP.
Mit einem durchschnittlichen Anstieg der Verbraucherpreise von 1.7 % wird die Preisentwicklung im Prognosezeitraum ruhig verlaufen, wobei die Inflationsrate die 2-Prozent-Marke in keinem Jahr übersteigen wird. Die Rohölverteuerung, die Schwäche des Euro und der BSE-Skandal führten in den Vorjahren zu deutlichen Preissteigerungen. Im heurigen Jahr hat sich der Preisauftrieb bereits abgeschwächt. Da Sonderfaktoren (Witterungseinflüsse bei den Nahrungsmitteln) dafür verantwortlich sind, dass die heurige Inflation noch etwas höher ausfällt, als es aus rein konjunkturellen Überlegungen zu erwarten war, wird für nächstes Jahr ein weiteres Absinken der Inflationsrate erwartet. Auf Grund der guten Konjunktursituation wird für 2004 eine Inflationsrate von knapp unter 2 % erwartet.
Gegen Ende des Prognosezeitraums wird sich der Preisauftrieb wieder etwas abschwächen. Das Institut nimmt an, dass von Seiten der Wechselkurse wie auch von den Rohstoffpreisen keine preistreibenden Effekte ausgehen. Weiters geht das Institut davon aus, dass die beschäftigungsfreundliche Lohnpolitik weiter fortgesetzt wird und damit die Lohnstückkosten nur verhalten steigen.
Nach dem konjunkturbedingten Einbruch im heurigen Jahr ergibt die Prognose einen relativ erfreulichen Ausblick für den Arbeitsmarkt. Die Zahl der unselbständig Beschäftigten (ohne Karenz- bzw. KindergeldbezieherInnen und Präsenzdiener mit aufrechtem Beschäftigungsverhältnis) wird um durchschnittlich 0.5 % pro Jahr wachsen. Bis zum Ende des Prognosezeitraums werden per saldo 75.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Diese Beschäftigungsentwicklung schlägt sich in einem spürbaren Rückgang in der Arbeitslosenquote nieder. Laut Modellprognose sinkt die Arbeitslosenquote (nationale Definition) bis zum Jahr 2006 auf 5.1 %. Die Arbeitslosenquote laut Eurostat-Definiton wird auf 3 ½ % zurückgehen.

Hinsichtlich der Abschätzung der Entwicklung der öffentlichen Haushalte geht das Institut davon aus, dass das aktuelle mittelfristige Stabilitätsprogramm realisiert werden kann. Insbesondere wegen der deutlich höher als erwartet ausgefallenen Steuereinnahmen wurde das Nulldefizit bereits im Vorjahr erreicht. Auf Grund der konjunkturellen Lage werden im heurigen Jahr die Staatseinnahmen etwas schwächer, die Ausgaben etwas kräftiger als im Budgetvoranschlag erwartet ausfallen. Daher rechnet das Institut für 2002 mit einem Defizit von 0.3 % des BIP. Für das Jahr 2003 erwartet das Institut gegenwärtig ein Nulldefizit. Dieser Prognose wurde eine Abgabensenkung von 0.6 Mrd. Euro (Lohnnebenkostensenkung) zugrunde gelegt. Für die Folgejahre unterstellt das Institut ebenfalls ein ausgeglichenes Budget. Dazu tragen einerseits die Konjunkturentwicklung und andererseits die unterstellte strikte fiskalische Disziplin bei den Ausgaben bei.
Mit knapp 46 % des Bruttoinlandsprodukts hat die Abgabenquote 2001 einen Höchststand erreicht. Zur Verbesserung des Wirtschaftsstandortes sollten Maßnahmen zur Reduktion der Abgabenquote gesetzt werden. Aus strukturellen Gründen ist daher eine Steuerreform zu begrüßen, diese ist aber nur bei einer entsprechenden Gestaltung der Ausgabenseite ohne nennenswertes Defizit möglich. Durch eine Organisations- und Finanzierungsreform der öffentlichen Verwaltung sollten Rahmenbedingungen geschaffen werden, welche eine effiziente Ressourcenverwendung gewährleisten. Zur Sicherstellung der längerfristigen Finanzierbarkeit sind auch weitere strukturelle Maßnahmen im Bereiche der Pensionsversicherung notwendig. Außerdem erscheinen zusätzliche Anstrengungen im Bereich des Aus- und Weiterbildungssystems notwendig, um dem sich bereits abzeichnenden Mangel im Bereich der höherqualifizierten Arbeitskräfte gegenzusteuern.